Drogen in Shampooflaschen in Gefängnis? Angeklagte sagen aus

© deutsche presse agentur

21. November 2019 - 13:30 Uhr

Weil sie an Drogenschmuggel in ein Berliner Gefängnis beteiligt gewesen sein sollen, stehen ein Rechtsanwalt und fünf weitere Männer vor dem Landgericht. Der 70 Jahre alte Anwalt soll laut Anklage zweimal bereit gewesen sein, in Shampooflaschen verstecktes Haschisch in die Justizvollzugsanstalt Moabit zu bringen. Einmal sei es gelungen. Auch die Männer, die das Rauschgift versteckt sowie in der JVA in Empfang genommen haben sollen, sind angeklagt.

Zu Prozessbeginn am Donnerstag kündigten mehrere Verteidiger an, dass sich ihre Mandanten zur Sache einlassen werden. Ein Verteidiger des 70-Jährigen sagte am Rande, der Anwalt werde die Vorwürfe wie im Ermittlungsverfahren zurückweisen.

Zu dem mutmaßlichen Schmuggel soll es im Sommer 2016 gekommen sein. Ein 34-jähriger, damals inhaftierter Angeklagter und sein Anwalt hätten verabredet, Betäubungsmittel in die JVA Moabit für Dritte zu schleusen, so die Anklage. Sie hätten Komplizen beauftragen wollen, Drogen in Hygieneartikeln zu verstecken und diese mit einem aktuellen Kassenbon für entsprechende Waren in der Kanzlei des 70-Jährigen abzugeben - "nebst einer Entlohnung in Höhe von 50 bis 100 Euro".

Ein 28-Jähriger soll dann eine Flasche Shampoo mit 50 Gramm Haschisch präpariert haben, die der Jurist im Juli 2016 bei einem Anwaltsbesuch seinem Mandanten überreicht haben soll. Der wiederum habe die Drogen an einen Mithäftling und Mittäter weitergereicht. Im zweiten Fall hätten zwei 33- und 29-jährige Angeklagte versucht, über den angeklagten Anwalt 100 Gramm Haschisch in die JVA zu schmuggeln. Der Plan sei jedoch noch vor dem geplanten Besuch gescheitert, da die Flaschen nicht dicht gewesen seien.

Ein Verteidiger des Anwalts sagte am Rande, sein Mandant habe keine Drogen in JVA gebracht und auch nicht gewusst, dass so etwas geschehen sollte. Der Prozess wird am 25. November fortgesetzt.

Quelle: DPA