Dritter Raser-Prozess in Köln: Todesfahrer zu Haftstrafe verurteilt

06. Juli 2016 - 12:11 Uhr

Todesfahrer muss für zwei Jahre und neun Monate ins Gefängnis

Illegale Autorennen sind ein gefährlicher Trend auf Deutschlands Straßen, der jedes Jahr Tote und Verletzte fordert. Erst vor wenigen Tagen lieferten sich zwei Männer mit ihren Autos eine wilde Hetzjagd durch die Innenstadt von Hagen. Die Bilanz: fünf schwer Verletzte – darunter ein sechsjähriger Junge, der in Lebensgefahr schwebt. Die Stimmung in der Bevölkerung ist daher aufgeheizt, das Urteil im dritten Kölner Raser-Prozess wurde mit großer Spannung erwartet: Das Gericht verurteilte den 27 Jahre alten Todesfahrer zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und neun Monaten wegen fahrlässiger Tötung.

Todesfahrer Arman J. muss für zwei Jahre und neun Monate ins Gefängnis.
Der Anwalt von Arman J. forderte eine Bewährungsstrafe.

Vor Gericht hatte sich der Angeklagte Arman J. gewunden. Der BWL-Student sagte aus, nicht gemerkt zu haben, dass er mit einem Tempo von über 100 km/h durch die menschenvolle Kölner Innenstadt jagte. Stattdessen hätte Arman J. geschätzt, mit einer Geschwindigkeit von höchstens 70 bis 80 km/h zu fahren. Doch auch in diesem Falle hätte er die erlaubte Mindestgeschwindigkeit deutlich überschritten, denn zugelassen waren auf der Unfallstrecke nur 50 km/h.

Ein Gutachter konnte vor Gericht nachweisen, dass Arman J. mit seinem gemieteten BMW doppelt so schnell durch die Innenstadt preschte: Mit einer Geschwindigkeit von 106 km/h raste der Student vom Barbarossaplatz zur Aachener Straße im belebten Belgischen Viertel, wo sich der schreckliche Unfall ereignete: An einer Kreuzung verlor Arman J. die Kontrolle über seinen BMW, raste in einen Mini und erfasste schließlich einen Radfahrer, der an einer Ampel wartete. Der 26 Jahre alte Radfahrer Gianluca erlitt so schwere Verletzungen, dass er starb.

Das Urteil fiel überraschend hart aus

Vor Gericht hatten mehrere Augenzeugen berichtet, dass Arman J. völlig verantwortungs- und rücksichtlos durch die Stadt gerast sei. Mit seinem viel zu zügigen Fahrstil hätte er Fußgänger und Radfahrer in Gefahr gebracht. Während des Prozesses hatte der Student eingeräumt, viel zu schnell gefahren zu sein und sich bei den Angehörigen des Opfers entschuldigt.

Der Todesfahrer Arman J. soll nicht zur einschlägigen Raser-Szene in Köln gehören und auch keinerlei polizeiliche Vorstrafen haben. Sein Verteidiger forderte eine Bewährungsstrafe, während die Staatsanwaltschaft in ihrem Plädoyer auf eine Freiheitsstrafe von drei Jahren und sechs Monaten pochte. Das Gericht folgte in seinem Urteil eher der Argumentation der Staatsanwaltschaft: Arman J. muss wegen fahrlässiger Tötung für zwei Jahre und neun Monate ins Gefängnis.

Das Urteil überrascht viele Prozessbeobachter, denn im vorherigen Raser-Prozess kamen die Unfallfahrer noch glimpflich davon. So verurteilte das Kölner Landgericht einen Raser im vergangenen April nur zu einer Bewährungsstrafe, nachdem er während eines illegalen Autorennens eine 20-jährige Radfahrerin totgefahren hatte. Das Urteil rief in der Bevölkerung große Empörung und tiefes Unverständnis hervor.