Dresden: Seagulls fliegen den Monarchs davon

Der Quarterback der Dresden Monarchs, Warren Smith, versucht unter großer Bedrängnis durch den japanischen Linebacker Saito Takahiro den Ball noch an den Mann zu bringen.
Der Quarterback der Dresden Monarchs, Warren Smith, versucht unter großer Bedrängnis durch den japanischen Linebacker Saito Takahiro den Ball noch an den Mann zu bringen.
© Stefan Brock

20. Mai 2012 - 16:48 Uhr

GFL vs. X-League

Was die fast 6.000 Zuschauer in Dresden zu sehen bekamen, war ein echter Leckerbissen in Sachen American Football. Mit den Obic Seagulls aus Tokyo war zum 20-jährigen Vereinsjubiläum der Dresden Monarchs die wahrscheinlich stärkste Vereinsmannschaft außerhalb der USA an der Elbe zu Gast. Die Japaner wurden ihrer Favoritenrolle gerecht und gewannen den International Challenge Bowl mit 29:17.

Die Dresdner haben sich in dem ersten Kräftemessen zweier Vereinskader beider Länder aber keineswegs schlecht verkauft. Die Monarchs begannen hochnervös. Der erste Drive war bereits nach drei Spielzügen wieder vorbei und man musste den Ball abgeben. Die Japaner schafften es, angeführt von ihrem Quarterback Sugawara Shun, mit schnellen, perfekt getimten Läufen und präzisen Pässen im Gegenzug direkt die ersten Punkte auf das Scoreboard zu zaubern.

Man merkte in der ersten Spielhälfte deutlich, dass die Offense um Neu-Quarterback Warren Smith, der erst seit wenigen Tagen in Dresden weilt, noch nicht wirklich eingespielt ist. Ebenso war zu sehen, dass das Defensive Backfield der Dresdner mit den ihrerseits perfekt abgestimmten Angreifern der Seagulls nur schwer mithalten konnte. So kamen die Monarchs bis zur Halbzeit nicht über ein mageres Fieldgoal hinaus, während die Seagulls bereits 20 Zähler auf dem Konto hatten.

Erst in der zweiten Hälfte konnten die Monarchs ihre Nervosität ablegen und kamen wesentlich besser ins Spiel. Quarterback Warren Smith gelang es besser, seine Mitspieler in Szene zu setzen, konnte aber auch mehrfach seine eigene Beweglichkeit und Schnelligkeit zeigen. Allerdings wurden die Angriffsbemühungen immer wieder von den pfeilschnellen Defense-Spielern der Japaner gestört, die immer wieder durch die Offensiveline brechen konnten.

Dennoch gelangten die Königlichen noch zweimal in die japanische Endzone und brachten damit Punkte auf die Tafel. Auch die Defense hatte sich erheblich besser auf die variabel agierende Offense aus Tokyo eingestellt und ließ in Hälfte zwei nur noch ein Fieldgoal und einen Touchdown zu. Den Sieg der Seagulls konnten die Monarchs damit nicht mehr gefährden, doch bleibt festzuhalten, dass man gegen diese auf sehr hohem Niveau agierende Mannschaft aus Asien streckenweise gut mithalten konnte.

Damit hat sich auch die Frage von Robert Huber, Präsident des American Football Verbandes Deutschland (AFVD), ob Kraft oder Schnelligkeit siegt, beantwortet. An diesem Abend mussten die körperlich überlegenen Dresdner, die erheblich mehr Laufyards erzielten, ihren blitzschnellen Kontrahenten aus Japan den Vorzug lassen, die mit ihren präzisen Pässen nicht stoppen waren.

Unter dem Strich bleibt, dass die Dresden Monarchs 20 Jahre nach den ersten Schritten in Sachen American Football entgültig eine feste Größe im deutschen Football sind und ein rundum gelungenes Vereinsjubiläum feiern konnten. Und mit ein wenig mehr Einspielzeit der Offense und etwas weniger Nervosität wäre sicher auch das Ergebnis etwas knapper ausgefallen.