Jetzt geht es um die „zweite Reihe“

Prozess gegen mutmaßliche Mitglieder der rechtsterroristischen „Gruppe Freital"

Zweiter Prozess "Gruppe Freital"
Zweiter Prozess "Gruppe Freital"
© dpa, Sebastian Kahnert, skh tba

07. September 2020 - 18:21 Uhr

Mutmaßliche Rechtsextremisten vor Gericht

Im Zuge der Flüchtlingskrise 2015 gründeten sich in Deutschland mehrere rechtsextreme Terror-Vereinigungen. Eine der ersten: Die sogenannte "Gruppe Freital", die im gleichnamigen Ort in Sachsen Brand- und Sprengstoffanschläge verübte und Andersdenkende angriff. Acht Mitglieder wurden 2018 zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt, jetzt wird vier weiteren mutmaßlichen Unterstützern in Dresden der Prozess gemacht.

Unterschiedlich Vorwürfe

Die drei Angeklagten Sebastian S. (26), Ferenc A. (31) und Dirk A. (52) sollen sich an den Anschlägen der Gruppe beteiligt haben, dabei teilweise auch den Tod von Menschen in Kauf genommen haben. Die einzige angeklagte Frau, Stephanie F. (31), soll die Gruppe unterstützt und laut Generalstaatsanwalt durch das Posieren mit verfassungsfeindlichen Symbolen für Fotos dabei geholfen haben, "die Bevölkerung einzuschüchtern und den Staat erheblich zu schädigen". Keiner der Angeklagten sitzt derzeit in Untersuchungshaft. Die Ermittlungsbehörden bezeichnen die vier Personen als "zweite Reihe" der Terrortruppe.

Wenig Anteilnahme in Freital

So groß das Interesse am Prozess bundesweit ist, so klein ist es im "Herkunftsort" der Gruppe, der als rechtsextremer Hotspot in der Gegend gilt. "Gefühlt ist es den meisten Leuten egal", berichtet RTL-Reporterin Darline Jonasson, die vor Ort ist. Einige Freitaler bestätigen ihr, dass der Ort ein Problem mit Rechtsextremen habe. Ein Rentner, der im Krieg aufgewachsen ist, warnt, dass die Gefahr unterschätzt wird: "Die Leute wissen gar nicht mehr, was Nazis eigentlich sind". Doch viele andere reden die Taten der terroristischen Gruppe klein. Deren Taten seien "viel zu sehr aufgebauscht worden", sagt einer. Immer wieder werden die Taten aus dem Jahr 2015 als "Dumme-Jungen-Streiche" bezeichnet - eine Formulierung, die RTL-Reporter in Freital laut eigener Aussage in den letzten Jahren öfter gehört haben.

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Schwere Straftaten der Terrorgruppe

Dabei haben die Mitglieder der Gruppe Freital nach Überzeugung der Anklage den Tod ihrer Opfer in Kauf genommen. Und: Ihre Taten haben die Demokraten in Freital geschwächt – Michael Richter, ehemaliger Stadtrat der Linken, dessen Auto unter anderem von den jetzt Angeklagten Sebastian S. und Ferenc A. in die Luft gesprengt worden sein soll, verließ die Stadt sogar als Konsequenz des Anschlags gegen ihn.

Für die heute gestartete Verhandlung sind 25 Tage angesetzt worden, ein Urteil gegen die mutmaßlichen Terroristen soll im Frühjahr 2021 fallen.