Dresden: Ausschreitungen bei Anti-Nazi-Demo

© dpa, Hendrik Schmidt

20. Februar 2011 - 13:10 Uhr

Lage beruhigt sich

Nach der Blockade des Neonazi-Aufmarsches in Dresden hat sich die Lage um den Hauptbahnhof beruhigt. "Es normalisiert sich", sagte ein Polizeisprecher.

Die Dresdner hatten einem Marsch von Neonazis entgegengestellt und den Aufzug verhindert. Der friedliche Protest war jedoch von Gewalt überschattet. Nach Stunden des Wartens weichen die Rechtsextremen nach Leipzig aus. Wieviele von ihnen sich auf den Weg machten, blieb zunächst unklar. Die Leipziger Polizei sprach von etwa 240 Menschen, die Bundespolizei von etwa 500.

Am Leipziger Hauptbahnhof, wo der Zug aus Dresden eintreffen sollte, wurde ein Bahnsteig abgesperrt. Rund 100 Gegendemonstranten versammelten sich in der Nähe. Es gebe weder eine Anmeldung noch eine Genehmigung für eine Veranstaltung in Leipzig, sagte ein Sprecher der Leipziger Polizei.

Weitere 400 Rechtsextreme waren am Nachmittag mit S-Bahnen ins Dresdner Umland unterwegs, hieß es bei der Polizei. Im Stadtteil Plauen gab es demnach gewalttätige Zusammenstöße zwischen Rechten und Linken. Dort standen Busse, mit denen Demonstrationsteilnehmer aus Dresden abreisen sollten. Bis zum Nachmittag nahm die Polizei in der Landeshauptstadt zwei Dutzend Menschen wegen Körperverletzung, Widerstandes gegen Polizeibeamte oder Vermummung in Gewahrsam.

"Massive Angriffe" auf Einsatzkräfte

Zuvor hatten Gegendemonstranten in Dresden über Stunden hinweg die Gegend rund um den Hauptbahnhof blockiert und damit verhindert, dass zahlreiche Rechtsextreme zu ihren Treffpunkten gelangten. Beamte versuchten mit Schlagstöcken, Reizgas und Wasserwerfern gegen die gewalttätigen Demonstranten vorzugehen. Zudem beendeten sie Ausschreitungen zwischen Anhängern des linken und rechten Lagers.

Zeitweise eskalierte die Lage. Polizisten rüsteten sich mit Schilden aus, Wasserwerfer wurden zum Einsatz vorbereitet. Es flogen Pflastersteine, Feuerwerkskörper und Flaschen. Mindestens ein Dutzend Autos wurde beschädigt, in einem Bürogebäude gingen Scheiben zu Bruch. Autonome stapelten Sperrmüll auf Fahrbahnen. Dresdens Polizeipräsident Bernd Merbitz berichtete von sechs brennenden Blockaden südlich des Hauptbahnhofs.

Die Polizei sprach von "massiven Angriffen" Gewaltbereiter auf Einsatzkräfte.Rund 600 Rechtsextreme seien an den Veranstaltungsorten angekommen, mehrere hundert weitere Anhänger des rechten Spektrums befänden sich noch auf dem Weg, hieß es zwischenzeitlich. Das wäre nur ein Bruchteil der von den Behörden erwarteten 4.000 Neonazis. "Die Stimmung unter den Rechtsextremen ist extrem aggressiv und aufgeheizt, weil sie angesichts der Blockaden nicht marschieren können", sagte der Sprecher des Innenministeriums, Frank Wend. Er sprach von einem "bürgerlichen Klientel", das die genehmigten drei Neonazi-Veranstaltungen blockierte.

Nach Angaben des Deutschen Gewerkschaftsbundes beteiligten sich mehr als 21.000 Menschen an Mahnwachen und Protesten. Die Kirchen richteten Mahnwachen an insgesamt 54 Gotteshäusern ein. Sie plädierten gegen Fremdenhass, Krieg, Gewalt und Rassismus.