Üble Urlaubs-Überraschung

Dreisternehotel entpuppt sich als Rehaklinik

In der Hotelbeschreibung auf der Seite von DER-Tour findet sich kein Hinweis, dass die Anlage auch Rehazwecken dient. Inzwischen wurden die Beschreibung und einzelne Fotos gelöscht.
Quelle: https://www.dertour.de/hotel/hotel-biokovka-SPU28022FH
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01. November 2020 - 16:57 Uhr

Unverhoffter Klinikaufenthalt

Wer rechnet schon damit, dass sich der ersehnte Erholungsurlaub in einen Aufenthalt in einer Rehaklinik verwandelt? Sylvia Baar und Armin Kahle begriffen zwar sofort bei ihrer Ankunft am "Hotel", dass es sich bei ihrer Unterkunft um kein Dreisternehotel handeln kann – aber dennoch zu spät. RTL haben sie von ihrem sonderbaren Urlaubserlebnis und ihrer Unterkunft erzählt, in der sie sich vollkommen fehl am Platz gefühlt haben.

Verlockende Hotelbeschreibung

Kroatien, Dalmatien, Murter, Nationalpark Kornaten, Insel Levrnaka, Strand Lojena
Die kroatische Region Dalmatien ist bei Touristen sehr beliebt
© picture alliance / Rainer Hacken, Rainer Hackenberg

Ein Dreisternehotel mit Wellness-Angebot und À-la-carte-Restaurant: Das hört sich einladend an –  dachten auch Sylvia Baar und Armin Kahle, als sie über ITS das Hotel "Biokovka" in Markaska, Dalmatien buchten. Auch die Bewertungen im Internet waren überwiegend positiv. So freute sich das Paar aus Hamburg auf zwei erholsame Wochen.

Die Ankunft im “Reha-Hotel“

Hinweisschilder auf Tür
Hinweise auf medizinische Behandlungen gibt es in der ganzen Anlage. Hier wird auf Lymphdrainage und Lasertherapie hingewiesen.
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Doch als die beiden das erste Mal im Hotel ankommen, kann der Schein des komfortablen Wellnesshotels nicht länger gewahrt werden: Der Großteil der "Gäste" ist mit Krücken, Rollatoren oder in Rollstühlen unterwegs. Das "Hotelpersonal" trägt blaue oder weiße Kittel, eben typische Krankenhauskleidung. Als die beiden die Anlage erkunden, entdecken sie an den Wänden Hinweise auf Therapien und Behandlungen oder Wegweiser für Patienten mit bestimmten Symptomen. Vorm Eingang des Schwimmbads sehen sie, dass dieses zeitweise für Therapiezwecke gesperrt ist. Eine Internetrecherche bestätigt ihren Eindruck: Die Anlage ist tatsächlich eine Rehaklinik.

Arzt in weißem Kittel auf Flur
Ärzte huschen über die Flure des "Reha-Hotels"
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Krankenhauskost statt À-la-carte-Restaurant

Speisesaal in Rehaklinik
Dieser Speisesaal erinnert nicht an ein vornehmes Restaurant
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Die beiden hoffen, dass wenigstens das Hotelrestaurant hält, was es verspricht, und begeben sich abends in den Essenssaal der Anlage. Doch die Enttäuschung lässt nicht lange auf sich warten: "Es standen zwei, drei Gerichte zur Auswahl, die einem derart unappetitlich auf den Teller geklatscht wurden. Das hat nichts mit à la carte zu tun", erzählt die selbstständige Hundesitterin Sylvia. Und auch geschmacklich kann das Essen die mangelnde Optik nicht ausgleichen: "Es war einfach unterirdisch schlecht", so der 54-jährige Armin.

Tagsüber fliehen die beiden vor dem bedrückenden Ort

Frau steht auf aussichtsplattform, dahinetr Berge
Bloß nicht im Hotel: Aus dem Entspannungsurlaub am Strand wird eine Entdeckungsreise durch Markaska.
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Fest steht: An diesem Ort können sie keinen erholsamen Urlaub verbringen. Für den nächsten Tag planen sie, das Hotel früh zu verlassen und erst zum Schlafen zurückzukehren. Im Laufe des Tages kontaktieren sie auch ihr Reisebüro in Hamburg und informieren dieses, dass das "Biokovka" vielmehr Rehazentrum als Dreisternehotel ist: "Das ist nicht das, was wir gebucht haben", so Armin am Telefon. Die Antwort: Man wolle sich umgehend kümmern und ihnen ein neues Hotel organisieren. Sie könnten bereits anfangen zu packen.

Umbuchung möglich – Erstattung der Mehrkosten jedoch fraglich

Ein Gefühl der Erleichterung und Hoffnung kommt auf, dass der Urlaub doch noch werden könnte wie anfangs ausgemalt. Doch dann meldet sich der Veranstalter: Es wäre schwierig, jetzt noch ein Hotel mit freien Kapazitäten zu bekommen.

Die Recherche von Sylvia und Armin zeigt hingegen: Es sind sogar Hotels in Markaska buchbar, die ITS anbietet. Es wäre eine Umbuchung möglich, aber nur mit einem Aufpreis von ca. 1.000 Euro pro Person. Eine Rückerstattung dieser Kosten könne allerdings nicht garantiert werden. Das wollen Armin und Sylvia aber nicht riskieren – sie haben bei diesem Urlaub schon genug Enttäuschung erlebt.

Kühlschrank erlaubt, Gläser verboten

Personal in weißer Kleidung
Das Personal des Hotels sieht auch eher aus wie das einer Klinik.
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Das Paar versucht nun, sich wenigstens auf ihrem Zimmer wohler zu fühlen, das mit einem Hotelzimmer nur die nötigste Einrichtung und das eigene Bad teilt. So mieten sie sich für ihr Zimmer einen Safe und einen Kühlschrank. Als Sylvia an der Bar noch Gläser und Eiswürfel besorgen möchte, sagt die Bardame, dass Gläser auf den Zimmern nicht erlaubt seien. Auf Sylvias Frage, was das überhaupt für ein Hotel sein soll, antwortet die Barfrau: "Das ist kein Hotel, das ist eine Rehaklinik".  Am Ende des Tages stoßen die beiden mit ihren Zahnputzbechern an. 

Urlauber fordern Entschädigung

Mann und Frau an Restauranttisch im Außenbereich. Sie küsst ihn auf die Wange
Das Essen in der Unterkunft geht für Sylvia und Armin gar nicht. Deswegen gehen die beiden nur noch auswärts essen. Dadurch wird ihr Urlaub wesentlich teurer als gedacht.
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Vor Reiseantritt haben Armin und Sylvia für ihren 14-tägigen Aufenthalt im "Biokovka" pro Person mit Flug und Halbpension ca. 1.275 Euro gezahlt. Für Frühstück und Abendessen, das die beiden nur noch auswärts haben, zahlen sie 370 Euro drauf. Auch die zusätzliche Zimmerausstattung kostet nochmal 70 Euro. Diese Kosten erstattet zu bekommen und eine Preisminderung zu erhalten, haben das Paar aus Hamburg und ihr Reisebüro nun schon mehrfach versucht. Bisher sei aber nichts passiert, berichten sie.

Veranstalter reagiert überrascht...

Kommentar zu Rehahotel im Internet
Mitunter findet sich zwischen den vielen positiven Kommentaren zum Hotel auch dieser, der die Berichte von Sylvia und Armin bestätigt.
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Wir haben ITS deshalb mit einigen Fragen zum Hotel "Biokovka" konfrontiert und wollten unter anderem wissen, wieso Gäste nicht genauer informiert werden. Der Reiseveranstalter erklärt: "In den Sommermonaten wird nur ein kleiner Teil der Anlage von REHA-Gästen genutzt." Dann herrsche in diesem Hotel ein "ganz normaler Urlaubsbetrieb".

Doch Sylvia und Armin waren im Sommer dort und haben etliche Fotos geschossen, die das Ausmaß der Hotelgäste in Behandlung zeigt. Auch Bewertungen anderer Urlauber im Netz bestätigen die Erfahrung von Sylvia und Armin. Kommentare wie: "Das Hotel ist ein reines Rehazentrum, wovon man im Vornhinein nie etwas erfährt", oder "Das Essen erinnerte an Kantinenessen bei der Bundeswehr" werfen Zweifel an der Erklärung des Veranstalters auf.

… und spricht zunächst von einem "üblichen" Dreisternehotel

 2 Sterne Restaurant Raumansicht Berlin Berlin Deutschland *** 2 stars restaurant room view Berlin Berlin Germany
Eher sind es solche Bilder, die einem bei der Vorstellung eines 3-Sternehotels mit A-la-carte-Restaurant in den Kopf kommen.
© imago images/F. Anthea Schaap, F. Anthea Schaap via www.imago-images.de, www.imago-images.de

"Das Hotel ist ein übliches 3-Sterne-Hotel und verfügt über alle Standards, die ein normales Urlaubshotel auch hat", so ITS in ihrer Stellungnahme. "Die Anwesenheit von Reha-Gästen ist im klassischen Sinne kein Mangel und damit kein Minderungsgrund", heißt es weiter im Schreiben.

"Das kann man so sehen, da man als Urlauber normalerweise keinen Anspruch hat, von bestimmten Gästen umgeben zu sein", bestätigt RTL-Reiseexperte Ralf Benkö. "Aber ob es sich bei einem Hotel um ein 'Wellness'- oder ein 'Reha'-Hotel handele, macht einen Unterschied, vor allem, wenn dies bei der Buchung nicht mitgeteilt wird und Urlauber von einem ganz normalen Hotel ausgehen. Denn die Atmosphäre eines Krankenhauses dürfte für viele mit Urlaubsfeeling wenig zu tun haben. Das hätte man den Urlaubern deshalb vorher mitteilen müssen", so Benkö. Stattdessen habe ITS in der Leistungsbeschreibung einen "wunderschönen Wellnessurlaub am Meer in diesem familienfreundlichen Strandhotel" angepriesen.

ITS schmeißt Hotel aus dem Programm

Nachdem wir den Verantwortlichen des Veranstalters schließlich die Fotos zeigen, die Sylvia und Armin vor Ort geschossen hatten, wendet sich das Blatt. Deutlicher kann Krankenhausatmosphäre kaum sein. ITS entscheidet kurzfristig: Das Hotel fliegt aus dem Programm, nachdem der Veranstalter die Hotelbeschreibung bereits mit einem Zusatzhinweis auf Rehagäste versehen hatte.

"Das ist erstmal das Beste, damit nicht noch mehr Leute da so enttäuscht werden!", findet Sylvia. Aber was ist mit den betroffenen Urlaubern selbst? 25 Prozent Reisepreisminderung sollen sie nun bekommen, rund 640 Euro - nicht mehr, denn die grundsätzlichen Hotelleistungen hätten die beiden ja nutzen können.

Tipp: Vor dem Buchen Beschreibungen im Internet gegenchecken

unbekannt
RTL-Reiseexperte Ralf Benkö, kennt Tipops, wie man so einee Erfahrung vermeiden kann.
© RTL

Einige der Hotelbewertungen und Internet-Einträge zum Namen des Hotels weisen auf eine Reha-Klinik hin. Dieser Fall zeige, wie wichtig es sein kann, vor dem Buchen selbst ein wenig zu dem ausgesuchten Hotel zu recherchieren und das Ganze zu hinterfragen, rät Ralf Benkö. "Leider kann man nicht immer davon ausgehen, dass Hotelbeschreibungen der Veranstalter ein komplettes Bild ergeben".

In der Beschreibung des "Biokovka" lässt sich der versteckte Hinweis jedenfalls nur erahnen, wenn man weiß, wie es vor Ort tatsächlich aussieht: "Ausgezeichnete Wellnessangebote sorgen dafür, dass Sie sich komplett regenerieren – fantastisch!"