Drei Neonikotinoide verboten: "Ein guter Tag für die Bienen"

Das Gift lähmt die Insekten

Heute ist ein guter Tag für die Biene. Lange hat die EU um den Einsatz von Neonikotinoiden auf den Äckern gerungen. Nun haben sich die Länder für ein Verbot entschieden. Es war aber eine knappe Mehrheit der EU-Mitgliedsstaaten, die am Freitag einem Freilandverbot für drei bienenschädliche Neonikotinoide zugestimmt haben. Dennoch jubeln vor allem Umweltschützer über die Entscheidung, das lähmende Gift von unseren Äckern zu nehmen.

"Das Insektensterben ist jetzt wirklich dramatisch"

Diplomatenkreisen zufolge haben 16 Mitgliedsstaaten dafür votiert - das ist das Minimum an Befürwortern, das für ein Verbot benötigt wurde. Zudem müssen die Staaten mindestens 65 Prozent der EU-Bevölkerung repräsentieren, das traf in diesem Fall zu. Zu den Befürwortern zählen die bevölkerungsstarken Länder Deutschland und Frankreich. Nun dürfen drei Substanzen auf dem Acker weder in Form von Saatgutbehandlung noch als Spritzmittel genutzt werden. Für Gewächshäuser gilt dieses Verbot nicht.

Neonikotinoide können Experten zufolge Insekten bereits bei einer niedrigen Dosierung lähmen, töten oder das Lernvermögen und die Orientierungsfähigkeit beeinträchtigen.

Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) freute sich über das Freilandverbot für die Stoffe Clothianidin, Thiamethoxam und Imidacloprid. "Heute ist ein guter Tag für den Schutz der Bienen in Deutschland und in Europa". Bereits vor dem Votum hatte sie gesagt, was der Biene schade, müsse weg vom Markt. Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) wies im ZDF auf die Folgen der Gifte hin: "Das Insektensterben ist jetzt wirklich dramatisch". Neonikotinoide sind für Insekten deutlich giftiger als für Säugetiere oder Vögel. Sie greifen das zentrale Nervensystem an, können lähmen oder zum Tode führen.

Risiko für Wild- und Honigbienen

27.04.2018, Belgien, Brüssel: Menschen demonstrieren vor dem EU-Kommission anlässlich gegen den Einsatz von sogenannten Neonikotinoiden auf Äckern. Die EU-Staaten haben heute einem Freilandverbot für einige bienenschädliche Insektengifte zugestimmt.
Demo gegen den Einsatz von sogenannten Neonikotinoiden auf Äckern in Brüssel vor der Entscheidung der EU.
fgj, dpa, Quentin Joris

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa) hatte die drei Neonikotinoide mehrfach in den Fokus genommen. Anfang April bestätigte sie in einem neuen Bericht die Gefahren für Bienen und Hummeln: "Die Mehrzahl der Anwendungen von Neonikotinoid-haltigen Pestiziden stellt ein Risiko für Wild- und Honigbienen dar."

Neonikotinoidhersteller Bayer kritisierte das Resultat: "Die Entscheidung wird die Möglichkeiten europäischer Landwirte, gegen verheerende Schädlinge vorzugehen, weiter einschränken."