Touristen kommen nur noch für Fotos

Drei Monate nach dem Brand: Händler um Notre-Dame leiden besonders

15. Juli 2019 - 15:52 Uhr

Feuer wütet in berühmter Pariser Kathedrale

Drei Monate sind nun vergangen, seit es passierte: Am 15. April schaut die Welt auf Paris - dort brennt Notre-Dame, die berühmteste Kathedrale der Stadt und von ganz Frankreich. Das Feuer frisst sich durch das Dach, die Feuerwehrleute kämpfen um das Gemäuer, als ob es um einen geliebten Menschen geht. Am Ende verhindern sie das Schlimmste. Die jahrhundertealten Türme halten der immensen Hitze stand, die Katastrophe - ein Einsturz - wird verhindert. Notre-Dame soll wieder aufgebaut werden, verspricht Frankreichs Präsident Emmanuel Macron.

Brand in Notre-Dame ist schlecht fürs Geschäft

Notre-Dame in Paris
Nach dem Brand von Notre-Dame leiden die Händler rund um die Kathedrale.
© dpa, Julia Naue, sab

Und heute? Tummeln sich wieder etliche Touristen auf der kleinen Insel im Fluss Seine, auf dem das Gotteshaus thront. Doch sie sehen nicht viel - Zäune versperren die Sicht auf die Mauern. Trotzdem werden Fotos gemacht, im Akkord geradezu, vortreten, Handy raus, Klick, der Nächste bitte. Schmerzte der Anblick der Ruinen die Pariser zunächst im Herzen, so merken sie es nun auch in der Geldbörse. Denn das Feuer hat auch Folgen für all die kleinen Cafés und Geschäfte rund um Notre-Dame.

Zwar kommen zahlreiche Menschen, um sich die Brandschäden aus der Nähe anzusehen. Doch sie verweilen nicht mehr so wie früher. Suchen sich anderswo ein lauschiges Plätzchen für den Café au lait. "Das ist schlecht fürs Geschäft", sagt der Präsident der Vereinigung der Händler, Patrice LeJeune. Nach dem Brand hätten viele Läden für fünf bis sechs Wochen zugemacht. Wegen der Absperrungen kämen viele Touristen nur für ein Foto, blieben aber nicht länger im Viertel. Und das sei schlecht fürs Geschäft.

Finanzminister verspricht Hilfen für Restaurants und Geschäfte

Der Umsatz der Händler liege aktuell nur noch zwischen 40 und 70 Prozent des Üblichen, schätzt LeJeune. Besonders schlimm sei es für die Restaurants und Geschäfte in den kleinen Straßen direkt an der Kathedrale. Dort gebe es nun düstere Durchgänge zwischen Häusern und Trennwänden - wenig einladend. Frankreichs Finanzminister Bruno LeMaire hatte den Geschäftsleuten 350.000 Euro Hilfen zugesichert. Das reiche auf die Dauer nicht aus, fürchtet LeJeune. "Sie hören uns zu, aber sie handeln nicht", sagt er. "Was wird im Herbst passieren? Was wird im Winter passieren? Was wird nächstes Jahr passieren? Wir wissen es nicht."