Prozess gegen Klaus R. in Krefeld

Drei Krebspatienten nach Überdosis tot: Heilpraktiker weist Schuld von sich

29. März 2019 - 16:51 Uhr

Heilpraktiker aus Krebszentrum in Brüggen sagt aus

Drei Krebspatienten sind tot – weil Heilpraktiker Klaus R. einen experimentellen Wirkstoff falsch dosierte? Der 61-Jährige muss sich vor dem Landgericht Krefeld wegen fahrlässiger Tötung verantworten. Zu Prozessbeginn sagte er umfassend aus. Es tue ihm sehr leid, was passiert ist. Er habe immer akkurat und nach bestem Gewissen gearbeitet, berichtet RTL-West-Reporter Sebastian Reddig über die Aussagen des Angeklagten. Er habe aber auf die gleiche Art Wochen und Monate vorher Patienten behandelt. Nie zuvor sei dabei etwas schiefgegangen, sagte der Heilpraktiker.

Medikamente für Krebskranke falsch abgewogen

Laut Anklage hat er seinen schwerkranken Patienten im Rahmen einer alternativen Krebstherapie Ende Juli 2016 durch einen Fehler beim Abwiegen eine erheblich überdosierte Infusionslösung verabreicht. Er soll eine ungeeignete Waage benutzt und den Wirkstoff um das Drei- bis Sechsfache zu hoch dosiert haben.

Tödliche Nebenwirkungen, Wirkstoff nicht als Arznei zugelassen

Zwei Frauen und ein Mann starben innerhalb weniger Tage nach der Behandlung. Bei einer vierten Patientin wurde die Therapie nach der ersten Infusion abgebrochen. Der Heilpraktiker hatte Krebspatienten mit dem Wirkstoff 3-Bromopyruvat (3-BP) behandelt. Dieser war 2016 nicht als Arzneimittel zugelassen worden, eine Anwendung wurde aber nicht grundsätzlich verboten. Der Stoff wird eingesetzt, um Krebszellen absterben zu lassen.

Allerdings kann bereits eine geringe Überdosierung des Stoffs tödliche Nebenwirkungen auslösen, so die Staatsanwaltschaft. Insgesamt hatten die Ermittler rund 70 Todesfälle untersucht. Die Praxis in Brüggen im deutsch-niederländischen Grenzgebiet wurde vor allem von niederländischen Patienten aufgesucht.