Drei Kinder aus dem Fenster geworfen: Vater muss 15 Jahre ins Gefängnis

07. November 2016 - 12:49 Uhr

Mit der Tat wollte er seine Frau bestrafen

Das Landgericht Bonn hat entschieden: Der Vater, der seine drei Kinder aus einem Fenster geworfen hat, muss 15 Jahre ins Gefängnis. Der Richter sprach den 35-Jährigen wegen dreifachen versuchten Mordes schuldig.

Wie kann ein Vater so etwas tun? Der Mann hatte die Kinder im Februar aus dem ersten Stock einer Flüchtlingsunterkunft in Lohmar (Nordrhein-Westfalen) geworfen, um seine Frau damit zu bestrafen. Zu diesem Schluss kam der psychiatrische Gutachter. Er hielt den Syrer für voll schuldfähig.

Die Mutter der Kinder hatte dem 35-Jährigen angedroht, die Polizei zu rufen, wenn er sie noch einmal misshandeln sollte. Daraufhin warf der Syrer die drei aus dem Fenster. Die Kinder überlebten den Sturz, eins der Mädchen wurde allerdings lebensgefährlich verletzt.

"Die maximale Bestrafung der Frau war, die Kinder zu verletzen", sagte Psychiater Morad Ghaemi vor Gericht. Die Mutter sei gebildeter, könne im Gegensatz zu ihm lesen und schreiben, habe ein gutes Verhältnis zu den Kindern und damit in der neuen Heimat die besseren Aussichten. "Er sah hier seine Felle davonschwimmen."

Seine Frau hat die Scheidung eingereicht

Aus Sicht des Täters sei alles nur halb so schlimm. Was die Kinder betreffe, habe er die Haltung: Sie leben doch noch - wozu die Aufregung? Er bat das Gericht, freigelassen zu werden: "Ich bitte den Vorsitzenden, mir zu helfen. Ich möchte zurück in die Türkei mit meiner Frau und meinen Kindern. Ich möchte keine Minute länger mehr hier bleiben." Aus Sicht des Gutachters bedaure der Mann seine Tat nicht. Dem Leid anderer stehe er weitgehend gleichgültig gegenüber.

Die Verteidigung hatte auf eine mildere Freiheitsstrafe plädiert, weil die Tat des Mannes vor dem Hintergrund des Syrienkrieges gesehen werden müsse. Der Mann stamme aus ärmlichen Verhältnissen und habe keine Schulbildung genossen. Der Syrer sei nach Flucht und Entwurzelung nicht mit dem Rollenverständnis in Deutschland zurechtgekommen, meinte der Verteidiger. Die Staatsanwaltschaft forderte hingegen eine lebenslange Haftstrafe für den Syrer.

Die Frau hat inzwischen die Scheidung eingereicht und machte ihre Aussage vor Gericht nur unter der Bedingung, dass der Noch-Ehemann vorher aus dem Saal geführt wurde.

Richter bezeichnete den Syrer als "Drama-Queen"

Der Vorsitzende Richter Volker Kunkel, ließ sich von dem 35-Jährigen nicht beeindrucken, auch wenn der Mann nach der Urteilsverkündung mit dem Kopf auf den Tisch schlägt und ausspuckt. Er bittet den Kriegsflüchtling nur einmal ruhig zu sein und fährt dann fort. "Weil er seiner Frau das Wichtigste nehmen wollte. Die völlig unschuldigen Kinder sollten für etwas büßen, was die Mutter getan hatte", sagte der Richter.

Die psychischen Folgen für die drei nach Ansicht des Gerichts beträchtlich. "Der Angeklagte hat das Urvertrauen seiner Kinder, in Gegenwart der Eltern sicher und geschützt zu sein, zerstört", meint Kunkel. Er sei ein Narzisst und eine "Drama-Queen", wie er während des Verhandlungen "grandios belegt" habe. Der Kriegsflühtling hatte immer wieder herumgeschrien oder dazwischengeredet.