Drei Jahre vertrauliche Geburt - eine Alternative zur Babyklappe?

Seit dem 1. Mai 2014 gab es bundesweit 328 vertrauliche Geburten. (Symbolbild)
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02. Mai 2017 - 16:15 Uhr

Babyklappen und anonyme Geburten liegen im gesetzlichen Graubereich

Ungewollt schwanger und niemand soll es mitbekommen: Seit drei Jahren gibt es die vertrauliche Geburt, bei der Frauen ihr Kind sicher im Krankenhaus entbinden und anschließend abgeben können. Das Angebot wurde vor allem eingeführt, weil Babyklappen und anonyme Geburten im gesetzlichen Graubereich liegen. Doch hat sich die vertrauliche Geburt wirklich bewährt?

Mutter bringt ihr Kind unter Pseudonym zur Welt

Seit der Einführung der Babyklappen und anonymen Geburten vor etwa 17 Jahren herrscht eine hitzige Debatte darüber, ob diese Möglichkeiten abgeschafft werden sollen, da sie nicht rechtlich geregelt und daher illegal seien. Dennoch werden sie bislang vom Staat geduldet. Der Ethikrat erklärte bereits 2009 in einer Stellungnahme, dass Babyklappen ihren Zweck Leben zu retten nicht erfüllt hätten, da die Zahl tot aufgefundener Babys seit Jahren stagnieren würde. Babyklappen würden sogar eher die Abgabe von Kindern fördern, hieß es.

Seit dem 1. Mai 2014 gibt es nun die vertrauliche Geburt. Die neue Regelung sieht vor, dass die Mutter mithilfe eines Pseudonyms zwar offiziell anonym in einem Krankenhaus entbinden kann. Jedoch muss sie sich – und das ist der Unterschied zur anonymen Geburt – zumindest einmal gegenüber einer zuständigen Person einer Schwangerschaftskonfliktberatungsstelle ausweisen.

Dadurch ist es möglich, einen Herkunftsnachweis mit Namen, Geburtsdatum und aktueller Anschrift der Mutter zu erstellen, das beim Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben in Köln hinterlegt wird. Das Kind hat dann die Chance nach 16 Jahren zu erfahren, wer seine Mutter ist. 

328 vertrauliche Geburten seit Einführung

Die Psychologin Marina Knopf hat beim Familienplanungszentrum in Hamburg im vergangenen Jahr drei vertrauliche Geburten begleitet. Entgegen weit verbreiteter Annahmen seien die Frauen "nicht am Rand der Gesellschaft einzuordnen", sagt sie. Vielmehr kämen sie aus allen Schichten und Altersgruppen. "Zwei der Frauen waren Studentinnen ohne Migrationshintergrund. Die andere Frau war eine Migrantin aus dem Rotlichtmilieu."

Laut Bundesfamilienministerium hat es in den vergangenen drei Jahren 328 vertrauliche Geburten gegeben. Davon haben 23 Mütter nachträglich auf ihre Anonymität verzichtet. Mit jährlich etwa 100 vertraulichen Geburten hat das Ministerium auch gerechnet, denn eine Studie des Deutschen Jugendinstituts von 2012 fand heraus, dass von 1999 bis 2010 jährlich durchschnittlich 100 Kinder anonym geboren oder in Babyklappen gelegt wurden. Inwieweit diese Angebote aber weiterhin genutzt wurden, muss noch untersucht werden.

Beim Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) in Köln beispielsweise wurden zwar zwei bis drei Frauen zur vertraulichen Geburt pro Jahr beraten, tatsächlich fanden aber keine statt. Allerdings wurden vier Kinder in die Babyklappe gelegt. "Wir halten das Konzept der vertraulichen Geburt zwar für gut. Aber da das Angebot noch nicht ausreichend bekannt ist, lassen wir unsere Babyklappe weiter offen", sagt SkF-Sprecherin Anne Rossenbach.

Trotzdem werden Säuglinge ausgesetzt

Vor erst etwa einer Woche wurde in Weißenfels in Sachsen-Anhalt ein toter Säugling entdeckt. Das Baby sei nach ersten Erkenntnissen noch lebensfähig gewesen. Das Kinderhilfswerk Terre des Hommes zählt anhand von Medienberichten jährlich 20 bis 35 Neugeborene, die ausgesetzt, sich selbst überlassen oder getötet werden – die Dunkelziffer sei erheblich höher. Daran haben Babyklappen sowie die vertrauliche Geburt nichts geändert. "Diese Frauen handeln in einer Paniksituation. Oft wissen sie gar nicht, dass sie schwanger sind und setzen das Kind dann einfach aus. Sie werden von den Angeboten einfach nicht erreicht", sagt Michael Heuer von Terre des Hommes. 

Laut Bundesfamilienministerium wird die Bundesregierung in diesem Sommer einen Bericht vorlegen, der die Auswirkungen der vertraulichen Geburt auswertet. Mit einbezogen werden, sollen auch die Daten über die Nutzung von Babyklappen und anonymen Geburten. Ob diese rechtlich bedenklichen Angebote dann eingeschränkt werden, bleibt abzuwarten.