Drei Jahre lang stand dieser Mann an derselben Straßenecke, ehe eine Frau sich ein Herz fasste

15. März 2017 - 17:55 Uhr

Die Autos rasen vorbei, Passanten werfen ihm nur kurze und meist verwirrte Blicke zu - ein Bild, das sich bei Victor Hubbard wohl verfestigt hat. Denn der Obdachlose verbrachte drei Jahre an ein und derselben Straßenecke in Kemah, einer Stadt im US-Bundestaat Texas. Ganz egal, ob Tag oder Nacht beziehungsweise warm oder kalt. Warum er das tat wusste niemand, bis sich eine Frau schließlich ein Herz fasste.

Seine Mutter kam nicht mehr zurück

Ehefrau, Mutter und Restaurantbesitzerin Ginger Sprouse beobachtete das Trauerspiel beinahe täglich von ihrem Fenster aus. So lange, bis sie das nicht mehr mit ansehen konnte und entschied, den mysteriösen Mann von der Straßenecke anzusprechen.

Geradeheraus erzählte der Mann ihr seine Geschichte: Er heiße Victor Hubbard, sei arbeitslos und habe niemanden mehr, der sich um ihn kümmert, seitdem seine Mutter ihn verlassen habe. Er leide unter psychischen Problemen und warte seit drei Jahren genau an dieser Straßenecke darauf, dass seine Mutter ihn abholt und wieder mit nach Hause nimmt. Aber sie kam nicht.

Victors Familie meldete sich zurück

Ginger war von seinem Schicksal so ergriffen, dass sie ihm unbedingt helfen wollte. Sie wollte Initiative ergreifen und diejenige Person sein, die eben nicht nur im Auto an ihm vorbeifährt oder ihn im Vorbeigehen etwas schief belächelt. 

Sie brachte ihn weg von der Straßenecke, an der er so lange wartete und nahm ihn mit sich nach Hause. Sie schickte ihn zum Friseur, kleidete ihn ein und brachte ihn zum Arzt. Ginger bot ihm einen Neuanfang mit einem Job in ihrem Restaurant und einem Bett in ihrer Wohnung und gründete schließlich sogar eine Facebook-Seite, um seine Geschichte mit der Welt zu teilen. Mit Erfolg: Immer mehr Menschen wurden auf Victor aufmerksam und wollten helfen. Zusätzlich startete seine Retterin noch einen Spendenaufruf, der Victor den Start in ein neues Leben ermöglichen sollte. Bisher sind so in nur wenigen Monaten über 20.000 Dollar für den ehemals Obdachlosen zusammengekommen.

Weil seine Geschichte überregionale Aufmerksamkeit erreichte, meldete sich auch Victors Familie zurück. Ein Treffen mit seiner so lange vermissten Mutter soll es auch gegeben haben. Er habe laut eigener Aussage "immerhin mit ihr sprechen können".