Drei Geschwister in Neukirchen ertrunken: So geht es der Familie nach dem tragischen Unglück

21. Juni 2016 - 13:27 Uhr

"Sie stehen nur noch da und glauben das nicht"

Wie schlimm es ist für Eltern ist, ein Kind zu verlieren, kann man sich kaum vorstellen. Im hessischen Neukirchen hat ein Paar gleich drei Kinder verloren. Die fünf, acht und neun Jahre alten Geschwister hatten an einem Löschteich gespielt und sind dabei unter bisher noch ungeklärten Umständen verunglückt. Alle drei ertranken.

Drei Geschwister in Neukirchen ertrunken: So geht es der Familie nach dem tragischen Unglück
© dpa, Uwe Zucchi

Sybille Jatzko ist Traumapsychologin und weiß, wie sich Eltern in so einer Situation fühlen. "Eltern sind geschockt, realisieren das nicht, sind gelähmt, stehen nur noch da und glauben das Ganze überhaupt nicht", meint die Expertin. Nicht nur für die Eltern, auch für den 11-jährigen Bruder der ertrunkenen Kinder wird der Verlust seiner Geschwister wohl nur schwer zu verkraften sein.

Als die drei Kinder vom Spielen nicht zurück nach Hause kamen, schickte seine Mutter ihn los, um sie zu suchen. Er war es, der den fünfjährigen Rebba entdeckte. Der Junge trieb bewusstlos auf dem Wasser. Anwohner halfen das Kind aus dem Teich zu holen, aber für ihn kam jede Hilfe zu spät. Rebba starb noch an der Unfallstelle.

"Das prägt ihn sein Leben lang"

Bis in die Dämmerung suchten die Rettungskräfte nach der achtjährigen Shirin und dem neunjährigen Jassin. Das halbe Dorf half mit bei der Suche. Doch auch für sie gab es traurige Gewissheit: Taucher fanden die Leichen der beiden im Wasser. Die Traumapsychologin ist sich sicher, dass diese schrecklichen Erlebnisse bei dem ältesten Bruder Spuren hinterlassen werden: "Das prägt ihn sein Leben lang. Eventuell wird er auch Schuldgefühle haben, er braucht eigene Hilfe."

Für die ganze Familie ist das Unglück kaum zu fassen. Niemand kann sich bislang erklären, wie es überhaupt zu der Tragödie kommen konnte. Denn die Kinder kannten sich eigentlich aus, sie sollen häufiger an dem Teich gespielt haben. Aus ganz Deutschland reisten Verwandte an, um den Eltern und dem älteren Bruder in dieser schweren Zeit beizustehen. Auch bei ihnen sitzt der Schock tief.

"Nicht nur eins, sondern drei! Das ist das was uns zerreißt. Wir hätten damit nie gerechnet, nie im Leben!", sagte ein Verwandter. "Ich gehe davon aus, dass die einzige Hilfe die der Familie ist und ich glaube, da wird auch nichts anderes helfen als die Familie." Auch die muslimische Gemeinde vor Ort kümmert sich um die Betroffenen.

Die Dorfgemeinschaft wird die Familie ebenfalls unterstützen. Bürgermeister Klemens Olbrich sagte, im Ort herrsche "große Betroffenheit". Auch eine Anwohnerin meinte: "Das ganze Dorf steht unter Schock, die Stimmung ist eine Katastrophe."