Dramatischer Vorfall in Russland

Draußen bei großer Kälte: So halten Sie Ihr Kind warm!

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7. Januar 2020 - 16:38 Uhr

Darum tut Kindern frische Luft gut

Hebammen und Kinderärzte predigen es seit Generationen: Babys und Kinder sollen täglich an die frische Luft. Der Hintergrund: Spaziergänge stärken das Immunsystem und beugen Infekten vor. Sonnenstrahlung ist außerdem Voraussetzung dafür, dass unser Körper Vitamin D produziert, das wir unter anderem für starke Knochen brauchen. Doch nach dem furchtbaren Vorfall in Russland, wo jetzt ein Baby bei Minusgraden im Kinderwagen auf dem Balkon starb, fragen sich besorgte Eltern: Ist es für die Kleinen bei Minusgraden nicht zu kalt im Freien? Oder droht gar eine Unterkühlung, wenn man sich mit Babys zu lange draußen aufhält?

Die richtige Kleidung macht's

Fakt ist: In den skandinavischen Ländern ist es durchaus üblich, Babys im Kinderwagen auf den Balkon oder vor die Haustür zu stellen – und das bei Temperaturen von bis zu -20 Grad Celsius.  Dabei sollte allerdings beachtet werden, dass dies nur bei trockener Kälte und mit der richtigen Kleidung zu empfehlen ist. Dann steht Spaziergängen auch bei zweistelligen Minusgraden nichts im Wege. Überprüfen Sie aber regelmäßig die Körpertemperatur Ihres Kindes und kehren Sie nach Hause zurück, sobald Ihr Kind die ersten Anzeichen von Unwohlsein zeigt.

Diese zehn Tipps sollten Sie bei einem Spaziergang mit Kind bei Minustemperaturen beherzigen:

  • Folgende Accessoires sollten Sie bei einem Spaziergang im Winter und an kalten Herbsttagen auf alle Fälle dabei haben: Mütze, Schal und Handschuhe. Über den Kopf verliert der Körper die meiste Wärme, und das am schnellsten. Auch die Hände kühlen aufgrund der schlechteren Durchblutung schnell aus und müssen warm gehalten werden.
  • Kleiden Sie Ihr Kind im Zwiebellook. Gehen Sie zum Beispiel zum Einkaufen in ein Geschäft, können Sie Ihrem Kind so schnell die äußerste Schicht aus- und beim Verlassen des Ladens wieder anziehen.
  • Gerade Kleinkinder, die schon selber laufen und nicht im Kinderwagen sitzen, sollten Sie nicht allzu dick anziehen, damit sie sich noch selbst bewegen können. Bewegung erzeugt Wärme. Sind die Kleinen wie Michelin-Männchen gekleidet, können sie sich deutlich schlechter bewegen und frieren dadurch schneller.
  • Tragen Sie kleine Babys bei kaltem Wetter am besten im Tragetuch, anstatt sie in den Kinderwagen zu setzen. Durch die enge Lage an Ihrem Körper wird Ihr Baby von Ihrer Kleidung und Körperwärme gewärmt. Ziehen Sie Ihrem Baby dennoch eine warme Jacke und eine Mütze an.
  • Achten Sie darauf, dass die Haut Ihres Kindes nicht mit Metallteilen der Kleidung (Reißverschlüsse oder ähnliches) in Berührung kommt. Im schlimmsten Fall können sie an der Haut anfrieren.
  • Nehmen Sie immer ein paar Wechselhandschuhe mit: Nach der ersten Schneeballschlacht sind die meisten Handschuhe pitschnass und die Wärmewirkung ist dahin. Gleiches gilt, wenn ihr Baby gerade zahnt und permanent an den Händen beziehungsweise Handschuhen saugt.
  • Schützen Sie das Gesicht und die Lippen Ihres Babys oder Kindes unbedingt mit Fettcreme. Die Creme sollte im Idealfall Bienen- oder Wollwachs und einen nur geringen Wassergehalt enthalten. Denken Sie bei großer Sonneneinstrahlung an einen Sonnenschutz.
  • Starten Sie bei Neugeborenen etwa ab der 3. Lebenswoche mit Spaziergängen.  Zunächst genügen etwa 10 Minuten Aufenthalt an der frischen Luft. Steigern Sie die Dauer in den darauffolgenden Tagen und Wochen auf eine halbe und schließlich eine Stunde. Bei nasskaltem Wetter kühlt der Körper schneller aus, bei diesen Bedingungen sollten Sie es bei einem kurzen Spaziergang von 15 bis maximal 30 Minuten belassen.
  • Wer nicht nach draußen möchte, kann das Baby im Kinderwagen auch auf den Balkon oder die Terrasse stellen – hier gelten die gleichen Zeit- und Kleidungsempfehlungen.
  • Machen Sie Ihren Kinderwagen winterfest: Isolieren Sie den Kinderwagen gegen Kälte, indem Sie ihn unter der Matratze beispielsweise mit einer zugeschnittenen Isomatte auslegen. Auch ein Schaffell spendet Wärme.

Das sind sichere Anzeichen für eine (drohende) Unterkühlung:

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Mit der richtigen Ausrüstung und Dauer ist das Spielen im Schnee ungefährlich.
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  • Ihr Kleinkind zittert stark oder hat blaue Lippen.
  • In diesem Zusammenhang wichtig zu wissen: Säuglinge zittern nicht. Bei ihnen funktioniert die Selbsthilfemaßnahme des Körpers, sich durch das rhythmische Muskelzucken aufzuwärmen, noch nicht. Prüfen Sie bei Babys die Körpertemperatur regelmäßig durch einen tiefen Griff in den Nacken. Um später einen Vergleich zu haben, wie sich das Kind optimalerweise anfühlen sollte, können Sie vor Verlassen der Wohnung seine Körpertemperatur auf diese Weise testen.
  • Ihr Kind spricht undeutlich.
  • Die Körpertemperatur sinkt auf unter 35 Grad.
  • Bei kleineren Kindern und Babys äußert sich das Unwohlsein meist – zusätzlich – durch Weinen.
  • Im fortgeschrittenen Stadium der Unterkühlung wirken Kinder teilnahmslos und schläfrig, die Haut färbt sich blass.

To-dos im Falle einer Unterkühlung

Die meisten Menschen neigen dazu, stark frierenden Menschen mit Wärme helfen zu wollen. Doch ein heißes Bad oder eine Heizdecke sind im Fall einer Unterkühlung kontraproduktiv und können durch den starken Temperaturwechsel das Herz-Kreislaufsystem stark belasten. Diese Maßnahmen helfen wirklich im Fall einer Unterkühlung:

  • Am effektivsten wärmen Sie die kalten Hände und Füße Ihres Kindes, indem Sie sie in Ihre Achselhöhlen klemmen oder in lauwarmes Wasser tauchen. Keinesfalls sollten Sie die Hände warm rubbeln, da Sie dadurch die Haut schädigen können.
  • Bringen Sie das Kind in einen zimmerwarmen Raum. Ist dies nicht direkt möglich, versuchen Sie, Ihre Körperwärme an Ihr Kind abzugeben, indem Sie Ihr Kind mit unter Ihre Jacke oder Babys unter Ihren Pullover nehmen.
  • Geben Sie dem Kind etwas Warmes zu trinken – gut geeignet ist zum Beispiel warmer Kakao. Der enthaltene Zucker liefert Energie und stabilisiert den Kreislauf.
  • Regen sie Ihr Kind zu Bewegung an. Das bringt ebenfalls den Kreislauf in Schwung.