Dramatisches Bild des Klimawandels: So krabbelten die 40 Grad nach Norden

26. Juli 2019 - 9:35 Uhr

Die Geschichte der 40 Grad

Jahrzehntelang spielten sich Hitzewellen südlich der Alpen ab. 40 Grad, das war was für Griechenland, Italien und Spanien. Die Alpen waren wie eine natürliche Barriere für diese magische Temperaturmarke. Nun aber haben wir diese Temperatur immer häufiger - und auch immer weiter im Norden.

1983 erstmals über die Alpen gekommen +++ Zeichen für dramatische Erderwärmung

Es dauerte bis ins Jahr 1983, als in Gärmersdorf, ein Messpunkt der Bundeswehr, zum ersten mal 40 Grad gemessen wurden. Gärmersdorf liegt bei Amberg in Bayern. In den letzten 35 Jahren kletterten die 40 Grad markant nach Norden.

Nach 1983 dauerte es eine ganze Weile, bis es die 40 Grad ein zweites Mal nach Deutschland schafften. Nämlich genau 20 Jahre. Im Hitzesommer 2003 wurden 40,2 Grad in Karlsruhe, in Perl im Saarland und in Weilerswist in NRW gemessen. Damit schafften es die 40 Grad erstmals über den 50. Breitengrad hinaus nach Norden.

Auch dann war wieder Ruhe. 2015 gab es den Hitzerekord in Kitzingen, der bis 2019 Bestand hatte. Geilenkirchen vermeldete am 24.07. 40,5 Grad. Wiederum war die 40-Grad-Marke weiter nach Norden gewandert. Nur einen Tag später wurden in Lingen im Emsland mehr als 42 Grad gemessen. Da sind wir nur noch gut 150 Kilometer von der Nordsee entfernt.

Und ein Ende ist nicht abzusehen. Es wird nicht mehr lange dauern, bis sie Hamburg erreichen. Es ist eine untrügliches Zeichen für die Dramatik und die Geschwindigkeit des Klimawandels.

Mitte des Jahrhunderts 46 Grad +++ Städte noch heißer +++ Hitzeperioden verlängern sich

Von 1880 bis 2018 ist die Temperatur auf der Erde um 1,41 Grad angestiegen. Experten des Weltklimarats rechnen damit, dass bei einer globalen Erwärmung von zwei Grad die Lebensgrundlage von bis zu 500 Millionen Menschen bedroht sei. Wassermangel und Wüstenbildung sind die Hauptursachen dafür. Die Klimazonen verschieben sich.

Und der Klimawandel findert genau bei uns statt. "Wenn man aber den regionalen Klimamodellen Glauben schenkt, dann können beispielsweise im Oberrheingraben zur Mitte des Jahrhunderts auch Temperaturen bis zu 44, 45 oder 46 Grad kommen", sagte die Direktorin des Climate Service Center Germany in Hamburg, Daniela Jacob. Ballungszentren seien besonders betroffen. "In den Städten, insbesondere in denen mit dichter Bebauung, wenig Grün und wenig Frischluftschneisen, gibt es den sogenannten Wärmeinseleffekt. Dort müssen sie damit rechnen, dass es noch einmal bis zu vier Grad wärmer sein kann im Tagesmaximum als im Umland", sagte Jacob.

Alles hängt nun davon ab, ob es gelingt, die weitere Klimaerwärmung zu begrenzen. "Wenn wir weitermachen wie bisher, dann können sich diese Hitzeperioden bis zum Ende des Jahrhunderts auch um den Faktor vier verlängern, es also durchaus zwei, drei Monate um die 25, 30 Grad geben. Das wären bis zu 60 Tage mehr als heute."

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