Kinder bei Minusgraden nur in dünne Decken gehüllt

Dramatische Szenen an EU-Außengrenze: "Massenmigration" nach Griechenland erwartet

02. März 2020 - 14:18 Uhr

Die Situation an der türkisch-griechischen Grenze spitzt sich zu

Tränengaseinsatz, Kinder die bei Minusgraden in der Kälte ausharren müssen, Schießübungen des griechischen Militärs: Die Situation an der Grenze zwischen der Türkei und Griechenland spitzt sich weiter zu. Nachdem die Türkei die Grenze zur EU geöffnet hat, wollen Tausende Menschen von dort nach Griechenland einreisen. Viele von ihnen werden aber wieder zurückgeschickt.

Die EU-Grenzschutzagentur Frontex geht davon aus, dass die Lage in den nächsten Tagen sogar noch dramatischer wird. Sie erwartet eine erneute "Massenmigration" nach Griechenland. Es werde demnach schwierig, den "massiven Zustrom von Menschen" in Richtung Griechenland zu stoppen, heißt es in einem Bericht für die politischen Entscheidungsträger der EU, über den die "Welt" berichtet. Laut der UN-Organisation für Migration harren bereits rund 13.000 Menschen bei Frost im Grenzgebiet aus.

Ständig neue Flüchtlinge

RTL-Reporter Rainer Munz beobachtet in der türkischen Grenzstadt Edirne ebenfalls, dass ständig neue Flüchtlinge ankommen, zu Fuß oder mit kleinen Bussen. "Wie viele es sind, lässt sich aber unmöglich abschätzen", sagt Munz. Oft machten sich die Menschen auf den Weg, nachdem sie über Social Media oder im türkischen Fernsehen von der Grenzöffnung erfahren hatten. (Wir haben dazu ein Interview mit einem Schleuser geführt)

Viele Migranten – meist handelt es sich dabei um junge Männer - berichteten demnach, dass sie die Grenze überquert hätten und dann zurückgeschickt worden seien. "Manche schildern, dass sie verprügelt oder ihnen ihre Sachen abgenommen wurden, andere sagen, sie wurden korrekt behandelt", so Munz. "Das sind aber nur Berichte, die sich nicht überprüfen lassen."

Flussüberquerung bei Minusgraden

RTL-Europa-Korrespondent Carsten Mierke schildert von der griechischen Seite der Grenze dramatische Szenen. "Eine Familie mit zwei kleinen Kindern hat am Sonntag den Grenzfluss Evros überquert. Die Kinder waren bei Minus ein Grad Außentemperatur nur in eine Decke gewickelt, eines der Kinder zitterte extrem", so Mierke. Die türkische Nachricht, dass Hunderttausende Flüchtlinge die Grenze zu Griechenland überschritten hätten, bezeichnet er als Propaganda. "Es sind am Tag eher Hunderte Migranten, die den Fluss überqueren, viele davon werden festgenommen."

Griechenland hat inzwischen die Kontrollen am Evros verstärkt und die höchste Alarmstufe ausgerufen. Gleichzeitig führen Einheiten der griechischen Armee auf Inseln im Osten der Ägäis Schießübungen aus. Diese sind aus Sicht von Kommentatoren eine Reaktion auf den Zuwachs von Migranten.

Militäroffensive löst neue Flüchtlingswelle aus

Die starke Zunahme von Flüchtlingen hängt unter anderem mit der Militäroffensive des syrischen Machthabers Baschar al-Assad in Idlib zusammen. Dort kämpfen vor allem islamistische Milizen, die teilweise von der Türkei unterstützt werden. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hatte dann am Samstag die Tore zur EU für Flüchtlinge geöffnet. Er begründete das damit, dass sich die EU nicht an die Vereinbarungen des Flüchtlingspakts gehalten habe.

Im RTL/ntv-Frühstart hat sich die Linken-Außenpolitikerin Sevim Dagdelen zur Flüchtlingskrise geäußert. Sie warnt vor einer Situation wie 2015.