Dramatische Kinderarmut in Europa: Eigenes Hartz IV für Kinder gefordert

26. August 2016 - 15:53 Uhr

Europaweit jedes 4. Kind betroffen

Es ist ein Armutszeugnis, mit drastischen Folgen für die Gesellschaft: Selbst im reichen Deutschland nimmt die Kinderarmut wieder zu: Waren 2012 rund 2,13 Millionen Kinder von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht, waren es 2014 schon 140.000 Kinder mehr. Damit sind 19,3 Prozent aller Kinder in Deutschland betroffen.

Das geht aus Zahlen des Europäischen Statistikamtes Eurostat hervor, die die stellvertretende Fraktions-Vorsitzende der Linken, Sabine Zimmermann, ausgewertet hat. Europaweit sieht es noch düsterer aus: Mehr als jedes vierte Kind in Europa unter 16 Jahren ist von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht. 22,85 Millionen Kinder in Europa wuchsen demnach 2014 in benachteiligenden sozialen Verhältnissen heran.

In Bremen ist fast jedes 3. Kind auf Hartz IV angewiesen

Essenausgabe
Viele arme Kinder sind auf Essensspenden angewiesen
© dpa, Jens Büttner

Die Linken-Politikerin fordert einen raschen Politikwechsel – auf europäischer Ebene. In Deutschland müssten unter anderem die Regelsätze für Kinder bei Hartz IV erhöht werden. Damit sei es aber nicht getan: "Perspektivisch ist eine Kindergrundsicherung als eigenständige Leistung zu entwickeln." Nach Daten der Bundesagentur für Arbeit (BA) von Ende Mai ist in Deutschland rund jedes siebte Kind von Hartz IV abhängig. 2015 waren im Schnitt 1,54 Millionen der unter 15-Jährigen betroffen. Das waren gut 30.000 mehr als im Vorjahr.

In einzelnen Regionen ist demnach die Lage besonders schwierig: So ist in den Stadtstaaten Bremen und Berlin mit 31,5 Prozent fast jedes dritte Kind unter 15 Jahren auf Hartz-IV-Leistungen angewiesen. Prozentual am wenigsten Betroffene gibt es in Bayern mit 6,5 Prozent.