Julen könnte anders gestorben sein, als bisher angenommen

Drama um Julen: Haben die Behörden von Anfang an gelogen?

Wie starb Julen (2) wirklich? In Spanien werden jetzt Vorwürfe gegen die Retter laut, die versuchten, den Jungen aus dem Schacht zu befreien.
Wie starb Julen (2) wirklich? In Spanien werden jetzt Vorwürfe gegen die Retter laut, die versuchten, den Jungen aus dem Schacht zu befreien.
© REUTERS, Jon Nazca, /FW1F/Andrew Cawthorne

02. März 2019 - 14:30 Uhr

Schwere Vorwürfe gegen Julens Retter

Mitte Januar stürzte der zweijährige Julen in der Nähe von Málaga in ein tiefes Bohrloch. Seine Leiche wurde nach aufwendigen Rettungsarbeiten zwei Wochen später geborgen. Jetzt werden Vorwürfe laut, dass der Junge möglicherweise nicht durch den Sturz, sondern durch den unachtsamen Einsatz der Retter ums Leben gekommen sein könnte. Auch der Anwalt des Mannes, dem das Grundstück gehört, auf dem Julen verunglückte, erhebt jetzt schwere Vorwürfe.

Julens Haare wurden an der Hacke und nicht im Schacht gefunden

RTL-Reporterin Pia Schrörs
RTL-Reporterin Pia Schrörs hat mit dem Anwalt des Finca-Besitzers gesprochen. Er erhebt schwere Vorwürfe gegen die Retter.
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RTL-Reporterin Pia Schrörs sprach mit dem Anwalt Antonio Flores. Er meint, dass Julen gleich zu Beginn der Rettungsaktion starb und die Behörden die Öffentlichkeit bewusst getäuscht hätten. "Die Tatsache, dass Haare mit Wurzeln an der Spitzhacke gefunden wurden, zeigt, dass die Guardia Civil nicht ehrlich war. Der Öffentlichkeit wurde mitgeteilt, es wurden irgendwo in dem Schacht Haare gefunden. Das war irreführend", sagte der Anwalt des Grundstückseigentümers.

"Die Tatsache, dass diese mit Wurzel an der Spitzhacke hingen, beweist, dass diese dem Jungen rausgezogen wurden beim Hacken", meint Flores. Das würde bedeuten, dass die Verantwortlichen schon von Anfang an gewusst hätten, dass sie Julen getroffen und damit wahrscheinlich auch getötet haben. "Es war also von Beginn an keine Rettungsaktion, was sie uns glaubhaft machen wollten", behauptet der Anwalt.

Auch Architekt vermutet, dass Julen durch eine Spitzhacke starb

Am Unglückstag blieb der Junge in etwa 70 Metern Tiefe stecken. Genau über dem Jungen verstopfte lose Erde den Schacht. Die Retter hackten mit der Spitzhacke auf diesen Pfropf. Sie wollten damit Erde lockern, um dadurch besser zu dem Jungen vorzudringen. Wurde der Zweijährige mit der Spitzhacke tödlich getroffen? Laut Autopsiebericht starb er an schweren Kopfverletzungen. Durch das Hacken löste sich noch mehr Erde, die den Zweijährigen begrub.

Auch der Architekt Jesús María Flores geht von dieser Theorie aus. Er legte der zuständigen Richterin gerade seinen Bericht vor. Schon während die Rettungsaktion für den Zweijährigen lief, äußerte er Kritik. Was er damals sagte - im Video.

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Warum der ganze Aufwand, wenn Julen schon von Anfang an tot war?

Bisher ist der einzige, gegen dem in dem Fall ermittelt wird, der Besitzer der Finca. Er hatte das Bohrloch illegal in Auftrag gegeben, denn er wollte prüfen, ob es auf dem Grundstück genug Wasser zum Anbau von Mangos und Avocados gäbe. Ihm wird vorgeworfen, das Loch nicht ausreichend gesichert zu haben. Er bestreitet das und sagt, die wenige Zentimeter breite Öffnung sei mit zwei Betonblöcken abgedeckt worden.

Sollten sich die Vorwürfe gegen die Rettungskräfte bestätigen, würde das die ganze dramatische Suchaktion in anderem Licht dastehen lassen. Mit schwerem Gerät und ausgebildeten Minenarbeitern war tagelang nach Julen gegraben worden. "Alle Verzögerungen wurden ja auch immer damit begründet, dass man das Leben des Jungen nicht gefährden wollte", sagte RTL-Reporterin Pia Schrörs. "Wenn man aber wusste, dass er tot war, entfällt dieses Argument und man muss fragen, warum diese Umstände?"