Mysteriöses Drama auf Sizilien

Mutter tot in Wildnis aufgefunden: Polizei sucht verzweifelt nach Gioele (4)

Gioele  war mit seiner Mutter Viviana Parisi unterwegs

15. August 2020 - 13:03 Uhr

Viviana Parisi lag tot unter Strommast

Wo ist der kleine Gioele (4)? Die italienische Polizei sucht in einem 400 Hektar großen Waldstück im Norden Siziliens nach dem Jungen, nachdem die Leiche seiner Mutter nach einem Autounfall in der Wildnis entdeckt worden war. Die Umstände ihres Todes geben Rätsel auf.

Ein Rennen gegen die Zeit

Es ist ein Rennen gegen die Zeit. Die Rettungsteams setzen Spürhunde und Drohnen ein, schlagen Schneisen durch die Wildnis, tauchen im Fluss, um den vermissten Vierjährigen in dem unwegsamen Gelände zu finden. Was ist mit ihm passiert? Warum starb seine Mutter? Es sind viele Fragen, die sich den Ermittlern in dem mysteriösen Fall stellen.

Rückblick: Am 4. August sagt Viviana Parisi ihrem Ehemann Daniele Mondello italienischen Medienberichten zufolge, sie wolle mit Gioele Schuhe im Nachbarort Milazzo kaufen. Doch stattdessen fährt sie auf der A20 weiter Richtung Palermo. Im Tunnel Pizza Turda streift sie einen Lieferwagen, der Reifen ihres Autos wird beschädigt. Parisi lässt den Wagen stehen, läuft aus dem Tunnel, steigt über eine Leitplanke und verschwindet im Wald. Ihre Tasche mit Handy und Portemonnaie lässt sie im Auto liegen. Parisis besorgter Ehemann alarmiert schließlich die Polizei und meldet seine Frau und seinen Sohn als vermisst.

Selbstmord oder ein Unfall?

Einsatzkräfte durchkämmen das Gelände und entdecken am 8. August schließlich die Leiche der Frau rund 500 Meter von ihrem Auto entfernt unter einem Strommast im Wald. Der italienischen Polizei zufolge sei sie nur durch den Ehering an ihrer Hand zu identifizieren gewesen. Staatsanwalt Angelo Cavallo sagte der Zeitung "La Republicca", es sei zu früh, um darüber zu sprechen, ob es sich um einen Unfall handele oder nicht.

Die Ermittler rekonstruieren anhand der Daten von Mautstellen, dass Parisi zwischendurch 22 Minuten Pause gemacht hat. Es ist nicht auszuschließen, dass sie ihren Sohn in dieser Zeit an jemand anderen übergeben haben könnte. Italienische Medien berichten, die Djane habe zuletzt unter Depressionen und Zukunftsängsten gelitten, weil sie bedingt durch Corona nicht habe arbeiten können. Ihr Vater sagte der Zeitung "La Repubblica", seine Tochter hätte sich niemals umgebracht und habe ihren Sohn über alles geliebt. Nie hätte sie ihm etwas antun können.

Wollte Viviana Parisi zur "Pyramide des Lichts"?

Auch die Familie der Toten versucht, Licht ins Dunkel zu bringen. Der Cousin von Parisis Ehemann, Claudio Mondello, etwa schreibt auf Facebook, sie habe sich in den Tagen vor ihrem Verschwinden nach der Kunstinstallation "Pyramide des Lichts" in Moffa D'Affermo erkundigt, der viele eine spirituelle und mystische Bedeutung beimessen. Wollte sie dort nach Hilfe in ihrer Lebenskrise suchen? Zumindest würde dies erklären, warum die Djane an ihrem angeblichen Ziel Milazzo vorbeigefahren und weiter in Richtung Moffa D'Affermo unterwegs gewesen ist. Die "Pyramide des Lichts" liegt etwa 25 Kilometer von der Unfallstelle entfernt. Claudio Modello vermutet, Parisi habe in einer tiefen emotionalen Störung gehandelt, als sie über die Leitplanke geklettert und im unwegsamen Gelände verschwunden ist.

Die Polizei sucht jetzt nach Zeugen, die etwas darüber sagen können, ob Gioele nach dem Unfall noch bei seiner Mutter war.