Drama im Jemen: Fast neun Millionen Menschen droht Hungerstod

4. Mai 2018 - 19:44 Uhr

Der acht Monate alte Fadl wog nicht einmal drei Kilo, als er starb

Seine Arme waren so dünn wie der Daumen seiner Mutter. Sein Körper so dehydriert, dass beim Weinen nicht einmal mehr Tränen kamen. Der kleine Fadl lebte nur acht Monate, jetzt ist er jämmerlich im Jemen verhungert. Er wog nur 2,9 Kilo - etwa ein Drittel des Normalgewichts für Kinder in diesem Alter. Fadls Geschichte ist eine, wie sie derzeit alle zehn Minuten in dem Land passiert. Eine Hungerkatastrophe, die traurig und fassungslos macht.

Geflüchtete im eigenen Land

Seit 2015 kämpft eine von Saudi-Arabien angeführte und von den USA unterstützte Koalition mit der Regierung im Jemen gegen schiitische Huthi-Rebellen, die weite Teile im Norden und Westen des Landes beherrschen. Das sunnitische Saudi-Arabien ist ein Erzfeind der schiitischen Regionalmacht. Riad wirft den Huthis vor, vom Iran unterstützt zu werden.

Seit Beginn des Konflikts wurden mehr als 10.000 Menschen getötet, die humanitäre Lage ist katastrophal. Inzwischen hungern fast neun Millionen Menschen, die zu Geflüchteten im eigenen Land wurden. Fast drei Millionen Kinder unter fünf Jahren sind unterernährt.

Deutschland exportiert Boote trotz Jemen-Krieg

Auch deutsche Waffen haben die größte humanitäre Krise der Gegenwart herbeigeführt. Erst im März teilte Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier dem Wirtschaftsausschuss des Bundestages in einem Schreiben mit, dass die Bundesregierung die Lieferung von acht Patrouillenbooten an Saudi-Arabien genehmigt hätte. Diese Boote blockieren offenbar jemenitische Seehäfen und damit die zivilen Hilfslieferungen. Im Koalitionsvertrag hatten Union und SPD noch festgelegt, keine Ausfuhren an Länder zu genehmigen, solange diese unmittelbar am Jemen-Krieg beteiligt seien.

Deutschland verspricht 40,7 Millionen Dollar für Jemeniten

Doch der Hilferuf der hungernden Menschen bleibt nicht ungehört. Viele Staaten beteiligen sich an den UN-Programmen für die notleidende Bevölkerung im Bürgerkriegsland Jemen. Bei einer Geberkonferenz der Vereinten Nationen einigten sich die Staaten darauf, zwei Milliarden Dollar für Menschen im Jemen zu spenden. Deutschland versprach 40,7 Millionen Dollar.

Pikant: Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE), die an dem Konflikt aktiv beteiligt sind und mit einer Seeblockade Hilfslieferungen in den Jemen blockieren, haben laut UN eine Milliarde Dollar zugesagt.