DPD-Paketbote stirbt an Diabetes, weil er Angst hatte sich krank zu melden

6. Februar 2018 - 14:59 Uhr

Witwe wirft DPD unmenschliche Arbeitsbedingungen vor

Er litt an Diabetes, hatte mehrere Zusammenbrüche und meldete sich trotzdem nicht krank: Anfang Januar ist DPD-Paketzusteller Don Lane (53) aus Südengland gestorben. Angeblich wegen seines eigenen fahrlässigen Verhaltens. Jetzt wendet sich seine Frau an die Öffentlichkeit und sagt: Die unmenschlichen Arbeitsbedingungen bei DPD haben ihn umgebracht.

"Der Druck war enorm"

Ein Druck, mit dem Don Lane nicht umgehen konnte. Immer wieder sagte er wichtige Arzttermine im letzten Moment ab, wenn er mit der Zustellung einiger Pakete nicht fertig geworden war. Im Interview mit 'The Guardian' berichtet seine Frau Ruth Lane: "Ständig drohte den Kurieren eine Geldstrafe. Der Druck, die Pakete in einem bestimmten Zeitfenster auszuliefern, war enorm."

Diabetes, Bluthochdruck und drohendes Nierenversagen

Dreimal war der 53-Jährige im vergangen Jahr auf der Arbeit zusammengebrochen. Einmal erlitt er dabei sogar ein diabetisches Koma am Steuer seines Lieferwagens. Als er wegen eines Augenschadens infolge der Diabetes doch einmal einen Arzt aufsuchte, musste er die angedrohte Strafe von 170 Euro an seinen Arbeitgeber zahlen, obwohl der Termin Monate im Voraus bekannt war.

"Ich glaube, ich werde bald sterben" – Don Jones wusste, dass es ihm nicht gut geht

Schon im März 2017 sprach Don Lane mit seiner Frau über seine Angst: "Ich glaube, ich werde bald sterben." Einen Gang zurückschalten konnte er trotzdem nicht. "Mein Mann zog das Unternehmen der eigenen Gesundheit vor", erklärt Ruth im 'The Guardian'-Interview.

Im Dezember dann der endgültige Zusammenbruch: Don Lane arbeitete in der Weihnachtszeit tagelang durch – obwohl es ihm gesundheitlich schlecht ging. Er habe Blut gespuckt, wollte nicht arbeiten gehen. Eine Auszeit? Unmöglich für den selbstständigen Kurierfahrer. Der Druck war zu groß.

Erholen konnte sich Don Lane von seinem letzten Zusammenbruch nicht mehr. Am 4. Januar starb der 53-Jährige in einem Krankenhaus im südenglischen Bournemouth. Er hinterlässt seine Frau Ruth und den gemeinsamen Sohn (22).

Der Fall geht bis zu Premierministerin Theresa May

Der Todesfall des Paketboten beschäftigt nun sogar die Politik in Großbritannien. Die britischen Gewerkschaften wandten sich direkt an Premierministerin Theresa May. Ihre Forderung: Eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen von Freelancern wie Don Lane. Labour-Politiker Frank Field fordert eine neue Gesetzgebung, die Arbeitnehmer in Zukunft besser vor Ausbeutung schützen soll.

Was sagt DPD zu den Vorwürfen von Ruth Lane?

Während der Fall in der Regierung große Wellen schlägt, weist DPD die Anschuldigungen von Don Lanes Frau zunächst zurück. Der Paketdienst soll nichts von den Zusammenbrüchen gewusst haben. Die Geldstrafe habe Don Lane zahlen müssen, weil er sich statt ein paar Stunden einen gesamten Tag für den Arztbesuch freigenommen hatte, erklärte ein DPD-Manager in einer E-Mail-Unterhaltung, die dem 'Guardian' vorliegt.

In einem ersten Statement erklärte ein DPD-Sprecher, die tägliche Route des 53-Jährigen sei vergleichsweise klein und an seine Krankenhaustermine angepasst gewesen.

Der Druck auf den Paketdienstleister wächst

Nachdem der Todesfall um Don Lane bereits in sozialen Netzwerken wie Twitter & Co. diskutiert wird und Kunden eine Stornierung von Bestellungen, die mit DPD ausgeliefert werden, angekündigt haben, wächst auch der Druck auf den Kurierdienst. In einem zweiten Statement von Montag zeigte sich DPD schon einsichtiger: "Wie alle Firmen machen auch wir Fehler. Wir möchten uns für den Fehler entschuldigen, den wir in Dons Fall gemacht haben."