Er soll die Schülerin aus Dortmund erwürgt haben

Angeklagter in Mordprozess Nicole Schalla freigelassen - weil Verfahren zu lange dauerte

Nicole Schalla

24. Juli 2020 - 17:38 Uhr

Der mutmaßliche Mörder läuft jetzt vorläufig wieder frei herum

Der Angeklagte ist dringend tatverdächtig, vor 27 Jahren die 16 Jahre alte Schülerin Nicole Schalla in Dortmund ermordet zu haben. Trotzdem entließ das Oberlandesgericht Hamm den Mann aus der Untersuchungshaft. Der Grund: Das Verfahren sei nach der Erkrankung einer Richterin nicht schnell genug fortgesetzt worden. Die Eltern des Opfers sind fassungslos.

Eltern des getöteten Mädchens "völlig am Boden zerstört"

Der Prozess gegen den Angeklagten lief seit 2018. Anfang des Jahres platzte das Verfahren, weil die Richterin erkrankte. Spätestens ab April hätte weiter verhandelt werden müssen, hieß es in einer Mitteilung. Doch das passierte nicht. Darum ließ das Gericht den Angeklagten überraschend frei. Dem Beschleunigungsgebot in Haftsachen sei "nicht hinreichend Rechnung getragen worden", so das Oberlandesgericht. Ob der Angeklagte sich nun an bestimmte Auflagen halten muss, teilte das Gericht nicht mit.

Die Eltern der getöteten Nicole reagierten entsetzt, als sie von der Haftentlassung erfuhren. "Sie können das überhaupt nicht nachvollziehen", sagte ihre Anwältin Arabella Pooth. "Sie sind völlig am Boden zerstört."

Prozess soll nun am 4. August neu beginnen

Das Dortmunder Landgericht "bedauert" die Haftentlassung. Dort habe man die Möglichkeiten zu einer zügigeren Terminierung vor dem Hintergrund der praktischen Umsetzbarkeit anders bewertet, heißt es in einer Stellungnahme. Der Prozess soll nun am 4. August neu beginnen.

Dem Angeklagten wird vorgeworfen, im Oktober 1993 die damals 16-jährige Nicole Schalla in Dortmund verfolgt, überfallen und erwürgt zu haben. An der Leiche hatte die Polizei damals eine Hautschuppe gesichert, die nach einer nachträglichen DNA-Untersuchung 2018 schließlich zur Festnahme des Castrop-Rauxelers geführt hat.

Quelle: dpa, RTL.de