Dortmund berauscht von der eigenen Stärke

BVB, Reus, Dortmund, Kuba
Noch ohne Niederlage: Reus, Kuba und Mkhitaryan
Bongarts/Getty Images, Bongarts

Fünf Spiele, fünf Siege! Borussia Dortmund hat den besten Saisonstart der Vereinsgeschichte hingelegt. Furiose Auftritte, wie der gegen den HSV, lassen alle beim BVB von einer großen Saison träumen. Doch danach sah es lange Zeit nicht aus.

Es war der Tag vor dem wichtigen Halbfinal-Hinspiel gegen Real Madrid, als eine einzige Nachricht ganz Dortmund erschütterte: Mario Götze wechselt zum FC Bayern München. Ausgerechnet Supertalent Mario Götze. Ausgerechnet zum großen Rivalen von der Isar. Ganz Dortmund verstand die Fußball-Welt nicht mehr. Entgegen dem Vereinsmotto “Echte. Liebe.“ hatte sich das Aushängeschild des Dortmunder Aufschwungs für einen Wechsel entschieden. Mit Götze verlor der Verein nicht nur eine Identifikationsfigur, sondern auch “brutale Qualität“, wie Coach Jürgen Klopp es immer nennt.

Als dann auch noch Top-Torjäger Robert Lewandowski öffentlich einen Transfer an die Säbener Straße erzwingen wollte, drohte die heile Welt in Schwarz-Gelb zu zerbrechen. Erst ein Machtwort von Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke und eine satte Gehaltserhöhung konnten den Polen davon überzeugen, in dieser Saison noch einmal alles für den BVB zu geben.

Es galt also, die Lücke zu schließen, die Götze hinterlassen hatte. Und das gelang den Verantwortlichen mit Bravour. Für rund 50 Millionen Euro verpflichtete man Pierre-Emerick Aubameyang (AS St. Etienne), Henrikh Mkhitharyan (Schachtjor Donezk) und Sokratis (Werder Bremen). “Das sind einfach alles Top-Jungs. Menschlich und auch auf dem Platz. Der Abgang von Mario belastet uns nicht mehr wirklich“, erklärte Klopp unlängst und hat damit offensichtlich recht.

Wie gut die Neuzugänge eingeschlagen sind, zeigt ein Blick auf die Statistik. Immerhin acht der 15 in dieser Saison erzielten Treffer gehen auf das Konto der Neuzugänge. Die Offensivabteilung hat also noch einmal an Qualität gewonnen. Zudem ist die Eingespieltheit der Borussen ihre große Stärke. Die Neuen haben das von Klopp geforderte Spielsystem ohne Anpassungsprobleme verinnerlicht.

Pure Lust am Fußball

Dortmund ist auf dem Spielfeld in der Lage, auf so gut wie jede Situation zu reagieren. Mit Marco Reus, Jakub Blaszczykowski und Aubameyang verfügt Klopp über unfassbar schnelle Außenbahnspieler, die bei Ballverlust des Gegners innerhalb von Sekunden brandgefährlich vor dem gegnerischen Tor auftauchen. Mit Mkhitharyan ist ein Zehner hinzugekommen, der nicht nur den tödlichen Pass spielen kann, sondern auch selber in die Lücken stößt, um hinter die Abwehr zu kommen. Mats Hummels gibt zudem oft eine Art Quarterback, der die Bälle tief aus der eigenen Hälfte verteilt.

Einzige kleine Schwachstelle ist die Defensive. Beim 6:2-Sieg gegen den HSV offenbarte man Probleme bei Standardsituationen des Gegners. Für Marco Reus ein Grund, Alarm zu schlagen: “Wir müssen unser Spiel besser verwalten. Gegen Hamburg haben wir aus dem Nichts zwei Tore kassiert. Das ist zum Kotzen“, so der Nationalspieler. Wohlwissend, dass Fehler in der Champions League eigentlich immer bestraft werden.

Nichtsdestotrotz, der Fußball der Borussia ist mittlerweile in Europa angekommen. War die Champions-League-Saison 2011/12 noch gespickt von individuellen Fehlern und nervösen Auftritten, hat sich der BVB im letzten Jahr gefestigt. In der “Todesgruppe D“ überlebte man nicht nur, man wurde mehr als verdient Gruppenerster.

Dass Schwarz-Gelb auch in diesem Jahr eine gute Rolle spielen kann, hat vor allem der Sieg im Supercup gegen Bayern München bewiesen. Zwar war das Spiel noch recht früh in der Vorbereitung und kann nicht als absoluter Gradmesser herhalten, doch die Art und Weise, wie der BVB agierte, war ein Ausrufezeichen. Die Mannschaft legte endlich wieder die Galligkeit aus den beiden Meisterjahren an den Tag und strahlt pure Lust auf Fußball aus. Zudem ist die Truppe eine Einheit, die Stimmung innerhalb des Teams laut Nuri Sahin “überragend“.

Wie weit der Weg in der Champions League am Ende wirklich geht, hängt allerdings von vielen unterschiedlichen Faktoren ab. Jürgen Klopp weiß, dass sich seine Mannschaft gerade in den englischen Wochen der letzten Saison sehr schwer getan hat. In der Bundesliga ließ man damals zu viele Punkte auf die Bayern liegen.

Bleibt der BVB aber vom großen Verletzungspech in dieser Saison verschont, ist das Team wieder ein Kandidat für das Halbfinale. Und dass dort durchaus nicht Schluss sein muss, hat man im letzten Jahr eindrucksvoll bewiesen.