Rätsel um italienischen Ort

Dorf in Lombardei trotzt Corona: In Ferrera Erbognone gibt es keinen Covid-19-Fall

31. März 2020 - 19:26 Uhr

Bisher keine Infizierten in Ferrera Erbognone

Das 1.000-Seelen-Dorf Ferrera Erbognone liegt mitten in der vom Coronavirus geplagten norditalienischen Lombardei - trotzdem gibt es dort bisher keinen einzigen nachgewiesenen Fall einer Covid-19-Infektion. Wissenschaftler vermuten eine mögliche Immunität der Einwohner gegen das Virus und wollen das Phänomen jetzt untersuchen. Was der Bürgermeister des Ortes dazu sagt, sehen Sie im Video.

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Institut wartet auf grünes Licht der Regierung

Die Lombardei ist der Corona-Hotspot Italiens, bisher haben sich dort 43.208 Menschen (Stand 31. März) mit dem Virus infiziert, die Dunkelziffer dürfte nach Expertenmeinung erheblich höher liegen. Doch wundersamerweise gibt es ein Dorf in der Krisenregion, das dem Erreger trotzt. In Ferrera Erbognone gibt es bislang keine Krankheitsfälle. Dabei wurden bis dato allein in der Provinz Pavia, in der der Ort liegt, 1.712 Infektionen gezählt. Wie ist das möglich?

Liegt es an den Menschen, die in der kleinen, abgelegenen Gemeinde leben? Hat die Population bestimmte Antikörper im Blut, die das Virus abwehren? Arbeitet ihr Immunsystem anders als beim Rest der Bevölkerung? Bluttests sollen nun Aufschluss darüber geben, weshalb die Dorfbewohner scheinbar resistent gegen das Virus sind. Das Mondino Institut von Pavia wartet italienischen Medien zufolge derzeit auf Erlaubnis der Regierung, mit der Forschungsarbeit beginnen zu können. Unterdessen hat Bürgermeister Giovanni Fassina die Bürger von Ferrera Erbognone darüber informiert, dass man bis zum 2. April freiwillig eine Blutprobe in einem Labor in Sannazzaro de' Burgundi abgeben könne.

Forscher wollen keine falschen Hoffnungen wecken

Fassina selbst glaubt nicht an eine genetische Ursache. Vielmehr ist er der Meinung, dass es dem Zufall zu verdanken sei, dass das Virus bislang nicht in das Dorf getragen wurde. Dass die Menschen nach wie vor gesund seien, liege daran, dass sie sich "offensichtlich an die verordneten Vorsichtsmaßnahmen gehalten haben", so der Bürgermeister. Die meisten Bewohner von Ferrera Erbognone sind über 60 Jahre alt, entsprechend sei auch die "Sensibilität dafür sehr hoch".

Mit dieser Erklärung gibt sich das Mondino Institut aber nicht zufrieden und will die Ursache wissenschaftlich ergründen. Der Plan ist, die Dorfgemeinschaft über zwei Monate hinweg zu begleiten. Auch die Ergebnisse der Blutuntersuchungen sollen in die Studie einfließen. Die Arbeit der Forscher könnte im günstigsten Falle helfen, das Virus besser zu verstehen, bestehende Testmethoden zu optimieren und sogar bei der Suche nach einem Impfstoff von Nutzen sein. Doch das ist Zukunftsmusik, Euphorie an dieser Stelle nicht angebracht. Das machte auch das Insitut in einer Pressemitteilung klar. Darin heißt es, man wolle keine vorschnellen Hoffnungen wecken oder Erwartungen schüren. Doch Hoffnung bleibt, ein kleiner Lichtblick in dunklen Tagen.

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