Doppelt abgehängt: "Armut ist sexistisch"

20. Mai 2015 - 15:13 Uhr

'Tatort'-Kommissarin appelliert an Kanzlerin

Wer in einem armen Land als Frau geboren wird, ist oft doppelt benachteiligt. Eine Studie der Entwicklungsorganisation One zum heutigen Weltfrauentag stellt fest: "Armut ist sexistisch." Damit sich das ändere, müssten Frauen in den ärmsten Ländern der Welt den gleichen Zugang zu Gesundheitsversorgung, Bildung, landwirtschaftlichen Gerätschaften und Saatgut haben wie Männer.

Studie zum Weltfrauentag: "Armut ist sexistisch"
In Afghanistan haben Männer vollverschleiert demonstriert, um sich für die Rechte der Frauen in ihrem Land stark zu machen.
© picture alliance / AA, Mohammad Fahim Abed

Die Organisation rechnet vor: "Gäbe man Frauen in der Landwirtschaft den gleichen Zugang zu Produktionsmitteln wie Männern, würde die Zahl der chronisch Hungernden weltweit um 100 bis 150 Millionen sinken." Die Schauspielerin und One-Botschafterin Maria Furtwängler erklärte dazu: "Die Bundeskanzlerin trägt dieses Jahr als G7-Gastgeberin eine besondere Verantwortung, Frauen in den Mittelpunkt bei der internationalen Armutsbekämpfung zu rücken." Furtwängler, die auch als Ärztin gearbeitet hat, sagte, für eine Frau in Sierra Leone sei es 157 Mal wahrscheinlicher, bei der Geburt ihres Kindes zu sterben, als für eine Frau in Deutschland.

Der entwicklungspolitische Verband Venro rief dazu auf, "Geschlechtergerechtigkeit" in die neuen nachhaltigen Entwicklungsziele der Vereinten Nationen aufzunehmen. Diese Ziele sollen im kommenden September verabschiedet werden.

Afghanistan: Männer in Burkas demonstrieren für Frauenrechte

In Afghanistan haben anlässlich des Weltfrauentags Dutzende Männer vollverschleiert demonstriert. In Ganzkörperschleiern zeigten sie sich in den Straßen Kabuls, um sich für die Rechte der Frauen in ihrem Land stark zu machen. Das traditionelle Gewand gilt als Symbol der Frauenunterdrückung in Afghanistan.

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International hat unterdessen eine weltweite Zunahme von Übergriffen gegen Frauen und Mädchen beklagt. Sie würden in Konflikten als Kriegsbeute wahrgenommen, sagte Selmin Caliskan, Generalsekretärin der deutschen Sektion von Amnesty International, der 'Schwäbischen Zeitung'.

"Die Gewalt gegen Frauen hat sich verstärkt, weil es 2014 mehr Konflikte gegeben hat", fügte sie hinzu. Vor allem die Lage in Afghanistan sei besorgniserregend, weil die Taliban dort gezielt Zivilisten, vor allem auch Frauen und Mädchen, angriffen. Um die Situation von Frauen zu verbessern, müssten die Täter konsequent strafrechtlich verfolgt werden.

"Wenn Gewalt gegen Frauen straflos bleibt, wird sich nichts ändern", warnte die Menschenrechtsexpertin. Der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag müsse Verbrechen wie Vergewaltigung und sexualisierte Gewalt "prominent auf die Anklageschriften von Kriegsverbrechern" setzen.