Doppelmord in Wuppertal: Prozess gegen Enkel beginnt

23. März 2018 - 20:17 Uhr

Staatsanwalt sicher: Christa und Enno S. vom eigenen Enkel getötet

Diese Bluttat schockierte im vergangenen Jahr ganz Wuppertal: Ein reiches Unternehmer-Ehepaar, 91 und 88 Jahre alt, tot aufgefunden in der eigenen Villa. Zunächst geht die Polizei von einem Raubmord aus, doch Monate später wird der Enkel des Paares verhaftet - er soll die beiden erst niedergeschlagen und dann mit einem Schal erdrosselt haben. Nun hat der Prozess gegen den 26-Jährigen Benjamin S. und seinen 45 Jahre alten mutmaßlichen Komplizen begonnen.

Mord aus Habgier?

Die Staatsanwaltschaft wirft Benjamin S. Mord aus Habgier vor. Der Enkel soll jahrelang großzügige Finanzspritzen seiner Großeltern verprasst und nun befürchtet haben, dass dieser Geldfluss abreiße, weil er heimlich sein Studium abgebrochen hatte. Dem mitangeklagten 45-Jährigen soll Benjamin S. immer wieder Geld geliehen haben.

Klaus Bernsmann, der Anwalt des Angeklagten, betont das gute Verhältnis, das sein Mandant zu seinen Großeltern hatte. Wie jeden Sonntag sei er dort am Tattag zum Kaffee eingeladen gewesen, habe das Anwesen nach gut einer Stunde aber wieder verlassen. Die Staatsanwaltschaft sieht das anders: Es sei zum Streit zwischen Benjamin S. und seinen Großeltern gekommen, gemeinsam mit dem mitangeklagten mutmaßlichen Komplizen, der sich auf das Gelände geschlichen habe, habe der Enkel Christa und Enno S. dann getötet. Anschließend hätten die Täter die Villa verwüstet und eine Vitrine zerbrochen, um den Eindruck eines Einbruchs zu erwecken.

Vater von Benjamin S. als Nebenkläger am Wuppertaler Landgericht

Diese Spur verfolgte die Polizei auch lange. Erst DNA-Spuren und Handydaten brachten die Ermittler auf die Spur, sieben Monate nach der Tat wurden Benjamin S. und sein Bekannter verhaftet. Der Vater des Angeklagten tritt in dem Prozess als Nebenkläger auf. Im Interview mit RTL betont Rechtsanwalt Udo Würtz, es ginge ihm darum, "Klarheit zu bekommen, was passiert ist". Es sei eine fürchterliche Vorstellung für den Vater, dass der eigene Sohn seine Eltern umgebracht haben könnte. Bei einer Verurteilung drohen Benjamin S. und seinem mutmaßlichen Komplizen lebenslange Haftstrafen, ein Urteil wird nicht vor September erwartet.