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Donald Trumps verheerende Nato-Spielchen: Angriff ist seine Verteidigung

Donald Trump stiftet Chaos bei der Nato
Donald Trump stiftet Chaos bei der Nato Erst Alleingang-Drohung, dann Rolle rückwärts 02:41

Auf die Alleingang-Drohung folgte das Treue-Bekenntnis

Den Nato-Gipfel in Brüssel hat Donald Trump zwei Tage lang komplett im Griff gehabt - mal sehr fest, am Ende betont locker-lässig. Auf die Schelte gegen Deutschland für russische Erdgaslieferungen am Mittwoch folgte am Donnerstag erst die Drohung, mit einem US-Alleingang die Nato ins Aus zu befördern. Eine Krisensitzung später zeigte sich der US-Präsident rundum zufrieden mit den Nato-Partnern und verkündete wie selbstverständlich die Bündnistreue der USA.

Darum geht's: Das Zwei-Prozent-Ziel

Doch warum bedient sich Trump der ganzen Klaviatur seiner undiplomatischen Verhandlungsführung? Seit Jahren streiten die Nato-Bündnispartner um die Aufteilung der Verteidigungskosten. Die USA tragen seit jeher den Löwenanteil des Budgets. Schon vor Donald Trump verlangten US-Präsidenten mehr finanziellen Einsatz von den europäischen Nato-Partnern. 2014 hatten die Bündnispartner zugesagt, bis 2024 Verteidigungsausgaben in Höhe von zwei Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts (BIP) anzustreben.

Doch von diesen zwei Prozent des BIP an Verteidigungsausgaben sind viele Staaten weit entfernt. Deutschland gab 2017 nur 1,24 Prozent des BIP für Verteidigung aus. Das ist zwar etwas mehr als in den vergangenen Jahren, aber immer noch auf dem Niveau von 2013. Zum Vergleich: Die USA geben 3,57 Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts für die Verteidigung aus. Dass Deutschland bislang auch für 2024 höchstens 1,5 Prozent in Aussicht stellte, ließ Donald Trump zur Attacke blasen.

Trump macht plötzlich Zugeständnisse

Der US-Präsident drohte mit einem Alleingang der USA in Verteidigungsfragen, wenn die Bündnispartner keine klareren Schritte zum Zwei-Prozent-Ziel unternehmen. Wollte der US-Präsident wirklich das jahrzehnte-alte Nato-Bündnis zerbrechen lassen? Eine Krisensitzung später machte er klar: nein. "Das Bekenntnis der Vereinigten Staaten zur Nato ist sehr stark, bleibt sehr stark", sagte Trump, offenbar durch Zugeständnisse in der Sitzung milde gestimmt.

Angesichts der Diskussion in der Nato "müssen wir immer wieder fragen, was können wir gegebenenfalls noch mehr tun", sagte Angela Merkel nach der Krisensitzung. "Ich kann nur zusammenfassen, was das Ergebnis ist: Klares Bekenntnis aller zur Nato und eine deutliche Bereitschaft aller, angesichts veränderter Sicherheitslagen einen Beitrag zu leisten."

Ende des Nato-Gipfels: Trump vollauf zufrieden

- NATO 2018 - 12/07/2018 - Belgium / Brussels - Press conference of Donald Trump the President of the United States on the second day of the NATO Summit in Brussels. PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxONLY SadakxSouicix/xLexPictorium LePictorium_0185730
Donald Trump beim Nato-Gipfel in Brüssel © imago/Le Pictorium, Sadak Souici / Le Pictorium, imago stock&people

Was bei Angela Merkel nach harter Arbeit klingt, ließ der wenige Stunden zuvor noch wütend brodelnde Trump wie ein konfliktfreies Kaffeekränzchen unter Freunden klingen, voll des Lobes für alle Nato-Partner, pries er den großen "Gemeinschaftsgeist" und das fantastische Treffen.

"Das zusätzliche Geld, das sie ausgeben wollen, ist wirklich toll", sagte Trump. "Den Geist im Raum zu sehen, ist wirklich unglaublich." Dass er die Partner wenige Stunden zuvor noch mit der Drohung, "er werde sein eigenes Ding machen", unter Druck gesetzt hatte? Längst vergessen.

Anton Hofreiter kritisiert Fehler der Bundesregierung

Anton Hofreiter: "Trump ist absolut unberechenbar"
Anton Hofreiter: "Trump ist absolut unberechenbar" Grünen-Fraktionsvorsitzender stellt sich gegen US-Ideologie 02:36

Der Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag, Anton Hofreiter, kritisierte im n-tv-Interview, die Bundesregierung habe einen entscheidenden Fehler begangen. "Der Grundfehler ist, sich auf die Ideologie einzulassen, dass mehr Waffen Frieden schaffen sollen", sagte Hofreiter.

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