"Menschen werden sterben"

USA wollen künftig Schwangere abweisen

Kinder, die in den USA zur Welt kommen, bekommen automatisch die amerikanische Staatsbürgerschaft – so steht es in der Verfassung der USA.
© dpa, Emmi Korhonen, ms tli fgj

24. Januar 2020 - 11:51 Uhr

Trump stellt Geburtsortprinzip in Frage

Kinder, die in den USA zur Welt kommen, bekommen automatisch die amerikanische Staatsbürgerschaft – so steht es in der Verfassung der USA. Präsident Donald Trump gefällt dieses Geburtsortsprinzip aber gar nicht. Als Gegner jeglicher Form von Immigration will er jetzt verhindern, dass Schwangere nur in die USA einreisen, um dort zu entbinden.

In einer von Außenminister Mike Pompeo unterzeichneten Anweisung werden US-Botschaften in aller Welt aufgefordert, Schwangeren im Zweifel keine Visa mehr zu erteilen. Dabei geht es vor allem um die sogenannten B-Visa für Kurzzeitbesucher wie Touristen und Geschäftsreisende.

Frauen müssen beweisen, dass sie nicht wegen Schwangerschaft einreisen

Konkret bedeutet das: Wenn eine Schwangere in die USA reisen möchte und dafür ein Visum beantragt, muss sie den Botschaftsmitarbeiter davon überzeugen, dass sie nicht wegen ihrer Schwangerschaft einreist. Im Zweifelsfall wird die Einreise verwehrt – und zwar möglicherweise schon dann, wenn die Mitarbeiter davon ausgehen, dass die Antragstellerin während ihres USA-Aufenthalts entbinden wird.

Medizinische Versorgung im Heimatland fehlt

President Donald J Trump departs the White House for Miami Florida as the impeachment trial in the Senate continues. The media watch Marine One land on the South Lawn of The White House.photo: Christy Bowe- ImageCatcher News Credit Image: Christy Bow
Präsident Donald Trump gefällt das Geburtsortsprinzip nicht. Als Gegner jeglicher Form von Immigration will er jetzt verhindern, dass Schwangere nur in die USA einreisen, um dort zu entbinden.
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Das könnte dramatische Folgen haben: "Menschen werden deshalb sterben", sagte ein kritischer Ministeriumsmitarbeiter dem US-Magazin "Vox". Einige Schwangere würden in die USA einreisen, weil sie in ihrem Heimatland nicht die notwendige medizinische Betreuung erhalten könnten. Die Abweisung an der Grenze könnte dann tödliche Folgen haben.

Schätzungen zufolge entbinden zwischen 10.000 und 30.000 ausländische Mütter im Jahr nur deshalb in den USA, damit ihre Kinder die amerikanische Staatsbürgerschaft erhalten. Viele von ihnen sollen aus Russland, China und Nigeria kommen. Allerdings stellte eine Studie aus dem Jahr 2011 fest, dass 90 Prozent der Mütter ohne US-Staatsbürgerschaft schon mindestens zwei Jahre im Land waren, als ihr Kind zur Welt kam. Sie reisten also nicht extra für die Geburt ein.

Deutsche Frauen nicht betroffen

Das Geburtsortsprinzip völlig abzuschaffen dürfte Trump auf die Schnelle übrigens nicht gelingen. Es ist schon seit 1868 in der Verfassung festgeschrieben und sollte Kindern von Afroamerikanern nach dem Ende der Sklaverei die US-amerikanische Staatsbürgerschaft ermöglichen.

Die Regelung ist also historisch tief verankert und die Abschaffung dürfte ein juristisches Tauziehen auslösen. Für Schwangere könnte es künftig trotzdem schwieriger werden, in die USA einzureisen. Deutsche Frauen sind von der neuen Regelung übrigens nicht betroffen – für sie gibt es eine Sonderregelung bei Besuchervisa.