14. Juni 2019 - 11:15 Uhr

Im Video: Wieso Donald Trump Polen vorzieht

Donald Trump will Deutschland bestrafen. Rund 1.000 Soldaten  will der US-Präsident aus Deutschland abziehen und nach Polen verlegen. Bei einem Treffen mit Polens Präsident in Washington sprach er davon 2.000 Soldaten zu verlegen. In einer schriftlichen Erklärung des Weißen Hauses hieß es später, beide Länder hätten sich auf einen "Rahmen" zur Stationierung weiterer 1.000 Soldaten in Polen verständigt. Trump bemängelt schon länger, dass Deutschland zu wenig Geld für Verteidgung ausgebe. Außerdem kritisiert er, dass Deutschland Russland mit der Nord Stream 2 um Milliarden Dollar reicher mache.

Polen will schon länger eine amerikanische Militärbasis

Polens Präsident Duda im Weißen Haus in Washington
Polens Präsident Duda im Weißen Haus in Washington
© imago images / ZUMA Press, via www.imago-images.de, www.imago-images.de

Polen wirbt schon länger darum, eine dauerhafte amerikanische Militärbasis im Land zu eröffnen - allerdings könnte das von Russland als Provokation verstanden werden und die Spannungen zwischen den beiden Ländern verschärfen.

Nach einem Treffen mit dem polnischen Präsidenten Andrzey Duda im Weißen Haus verkündete US-Präsident Trump, dass er die amerikanischen Truppen in Europa umverteilen will. Weitere  1.000 US-Soldaten sollen so nach Polen kommen - bislang rotieren 4.000 Soldaten eines NATO-Kontigents in Polen und den baltischen Staaten. 

Deutschland als "Geisel Russlands"?

Trump bemängelt, dass Deutschland am Bau der Gaspipeline Nord Stream 2 festhält, die Russland mit Deutschland verbindet. Mit der Pipeline würde sich Deutschland zu abhängig machen und könnte eine "Geisel Russlands" werden. Beim Treffen mit Präsident Duda kündigte er auch Sanktionen gegen Unternehmen an, die sich am Bau der Gas-Pipeline beteiligen.

Auch andere europäischen Staaten warnen vor einer zu großen Abhängigkeit. Polen, die Ukraine und baltische Staaten - auch die EU-Kommission - kritisieren die Gas-Pipeline. Deutschland würde so der Ukraine den Rücken zukehren und Russland mit ihnen machen lassen, was sie wollen. Eine gemeinsame EU-Energiepolitik würde verhindert werden und der Bundesregierung wird vorgeworfen mit Putin unter einer Decke zu stecken.

US-Präsidentschaftswahl in den USA in 2020

Trump im ABC News-Interview mit dem Journalisten George Stephanopoulos
Trump im ABC News-Interview mit dem Journalisten George Stephanopoulos
© RTL Interactive

In einem Interview mit ABC News äußert der Präsident sich zu einem hypothetischen Fall, wie er reagieren würden, wenn ihm Informationen zum Kontrahenten aus dem Ausland zukommen würden. "Ich glaube, es ist nichts falsch daran zuzuhören. Wenn jemand kommt mit Informationen - ich glaube, ich würde sie nehmen. Wenn etwas daran nicht richtig wäre, dann würde ich vielleicht zum FBI gehen. Wenn sie ehrlich mit Kongressmänner reden, die haben es auch schon immer getan - man nennt das "oppo research". So läuft das", sagte der Präsident.

In den USA sind viele von den Aussagen schockiert, denn solch ein Verhalten wäre nach amerikanischem Recht illegal. Die "oppo research", die der Präsident anspricht, also das Sammeln von Informationen zum Gegner, gehört zwar zum Wahlkampf dazu - aber von ausländischen Staatsbürgern einen direkten oder indirekten Beitrag oder auch eine Spende anzunehmen, das ist illegal.