"Ich nehme Kim beim Wort"

Donald Trump empört mit Äußerung über Otto Warmbier

© dpa, Joyce N. Boghosian, hpl

1. März 2019 - 12:04 Uhr

Trump glaubt Kim, nicht den US-Gerichten

Wie US-Präsident Donald Trump sich in Vietnam geäußert hat, löst jetzt große Empörung in Amerika aus. Nicht, weil der Gipfel mit Nordkorea-Diktator Kim Jong Un ohne Ergebnis zu Ende ging - sondern aus einem anderen Grund. Es geht um den Fall Otto Warmbier. 

Trump glaubt Diktator Kim, nicht den US-Gerichten

Trump sagte bei seiner Pressekonferenz, er glaube nicht, dass Kim von dem Fall gewusst habe. Kim habe ihm gesagt, "dass er nichts darüber wusste, und ich nehme ihn beim Wort". Er habe den Fall zwar "sehr gut gekannt, aber erst später davon erfahren", sagte Trump weiter. In nordkoreanischer Haft seien "einige sehr schlimme Dinge" mit Warmbier passiert. Gefängnisse und Gefangenenlager seien eben "raue Orte". Das schlagen ihm seine Gegner von den Demokraten, aber auch manche Republikaner um die Ohren.

Warmbier fiel ins Koma, dann starb er

ARCHIV - 16.03.2016, Nordkorea, Pjöngjang: Der US-Student Otto Warmbier (M) wird in einem Gericht von zwei nordkoreanischen Polizisten eskortiert. US-Präsident Trump hat mit seiner Verteidigung des nordkoreanischen Machthabers Kim Jong Un im Fall des
Otto Warmbier wurde 2016 von einem nordkoreanischen Gericht zu 15 Jahren Haft in einem Arbeitslager verurteilt. Mitte 2017 wurde er im Wachkoma liegend freigelassen, starb aber kurz darauf in den USA.
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Otto Warmbier, das war der junge Amerikaner, der 2015 in einer Gruppe nach Nordkorea gereist und dort festgenommen worden war. In einem Schauprozess vor Ort räumte er ein, dass er ein Propagandabanner stehlen wollte. Anschließend wurde er zu 15 Jahren Haft in einem Arbeitslager verurteilt. Ein US-Gericht kam zu dem Schluss, dass der 22-Jährige gefoltert wurde, schließlich wurde er im Wachkoma liegend freigelassen und starb aber kurz darauf in den USA. Sein Tod Mitte 2017 schlug hohe Wellen. Die Empörung in den Vereinigten Staaten war groß, dass einer ihrer Bürger derartig misshandelt worden war. Viele erinnerte die Festnahme eher an eine Geiselnahme, möglicherweise um Washington in anderen Bereichen Zugeständnisse abzupressen.

„Präsident ist der Einzige, der diese Lüge glaubt"

Dass Trump Diktator Kim glaubt, macht viele in den USA fassungslos. "Natürlich wusste Kim davon", twitterte der einflussreiche demokratische Senator Mark Warner. "Anscheinend ist der Präsident der Vereinigten Staaten der Einzige, der diese offensichtliche Lüge glaubt." Der demokratische Senator Tim Kaine warf Trump vor, sich an die Seite von "Diktatoren" anstelle von US-Bürgern zu stellen. Auch der Minderheitsführer von Trumps Republikanern im Repräsentantenhaus, Kevin McCarthy, kritisierte den US-Präsidenten. "Ich sehe Nordkoreas Führer nicht als jemanden an, der ein Freund ist. Wir alle wissen, was mit Otto passiert ist, wir wissen, was dieses Land getan hat."

Nordkorea widerspricht Trumps Darstellung

Das ist übrigens nicht der einzige Widerspruch, den Trump sich in den vergangenen 24 Stunden eingehandelt. Auch Nordkorea meldete sich zu Wort und gab andere Gründe als der US-Präsident für das Scheitern des Gipfels an. Der Außenminister des Regimes kam extra aus dem Hotel, um seine Sicht darzulegen. Man habe nicht gefordert, dass die USA alle Sanktionen aufheben, sagte Ri Yong-Ho. Genau das hatte Trump gesagt. Man habe angeboten, eine Atomanlage stillzulegen und dafür eine teilweise Aufhebung der Sanktionen erwartet. Es bleibe bei diesem Angebot auch in künftigen Gesprächen. Während seiner Rückreise schaltete Trump dann wieder einmal in den Droh-Modus um. Bei einem Zwischenstopp in Alaska sagte er, sein Land suche keinen Streit, "aber wenn wir gezwungen werden, uns selbst zu verteidigen, werden wir kämpfen, und wir werden auf überwältigende Art siegen."