Donald Trump: Ein Jahr nach der Wahl – seine Bilanz ist eher durchwachsen

8. November 2017 - 12:55 Uhr

Donald Trump, der US-Präsident: Durchaus eine Zäsur

Vor einem Jahr hat Donald Trump die US-Präsidentschaftswahl gewonnen. Man kann diesen Tag getrost als Zäsur bezeichnen. Es hat sich seitdem Einiges geändert, ob zum Guten oder zum Schlechten, darüber sind die Trump-Anhänger und Trump-Gegner so gespalten wie vor der Wahl. Das Jubiläum könnte angenehmer für ihn ausfallen: Er ist unterwegs in Asien, war gerade zu Besuch im Krisenherd Korea. Zur Lage dort hat er mit der einen oder anderen Äußerung durchaus beigetragen – ob mit verbalen Drohungen an Nordkorea bei seiner UN-Rede im September oder deutlichen Worten gegen Kim Jong-un und Außenminister Ri Yong Ho via Twitter.

"Nordkorea ist eine Hölle, die kein Mensch verdient"

Donald Trump, Ehefrau Melania, Xi Jinping, Ehefrau Peng Liyuan in der Verbotenen Stadt
Besuch in China: Donald Trump, Ehefrau Melania, Xi Jinping, Ehefrau Peng Liyuan in der Verbotenen Stadt
© REUTERS, JONATHAN ERNST, wy

Bei seinem Besuch in Südkorea hat er klare Worte gefunden, die Situation jedoch nicht weiter angeheizt: In einer Rede vor der Nationalversammlung in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul sagte Trump, Nordkorea sei eine Hölle, die kein Mensch verdiene. Er warnte Pjöngjang davor, die USA jemals zu unterschätzen oder herauszufordern. "Amerika sucht keinen Konflikt. Aber wir gehen ihm nicht aus dem Weg", sagte Trump. "Jetzt ist die Zeit für Stärke. Wenn du Frieden willst, musst du jederzeit mit Stärke agieren." Trump rief dazu auf, dass alle Nationen Nordkorea isolieren sollten. Das gelte auch für China und Russland.

China ist das nächste Reiseziel auf Trumps Asientrip. Auch das dürfte nicht sein Lieblingsort sein. Denn China ist drauf und dran die USA als stärkste Wirtschafts- und Militärmacht herauszufordern. Seinen Besuch begann Trump mit einem Besuch der Verbotenen Stadt in Peking, begleitet wurde er dabei von Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping. Erst am Donnerstag beginnt der formelle Teil der zweitägigen Visite mit den militärischen Ehren und offiziellen Gesprächen in der Großen Halle des Volkes.

Twitter in China gesperrt: Was macht Trump?

Zuhause aus den USA bekommt Trump zurzeit auch nicht die allerbesten Nachrichten. Die Demokraten errangen bei den Gouverneurswahlen einen Doppelsieg. Das Hauptaugenmerk galt dabei dem US-Staat Virginia, dort gewann der Demokrat Ralph Northam. Das Ergebnis wird als möglicher wichtiger Hinweis darauf gewertet, wie sich der Einfluss des republikanischen Präsidenten Donald Trump auf die Kongresswahlen im November nächsten Jahres auswirken könnte. In New Jersey gewann erwartungsgemäß der Demokrat Phil Murphy, ein Ex-Manager von Goldman Sachs und früherer Botschafter in Deutschland.

Den größten Eindruck hat Trump in seinem ersten Jahr nicht auf der innen- oder außenpolitischen Bühne hinterlassen, sondern in der digitalen Welt. Er twittert häufig und gerne, findet klare, teils überdeutliche Worte, häufig auch an der Grenze des guten Geschmacks.

In der Welt der Zeichenbegrenzung ist Trump ein wahrer Meister. Der US-Präsident war auch einer der ersten, die das neue Angebot von Twitter nutzten. Der Dienst hatte die Zeichenzahl seiner Tweets von 140 auf 280 Zeichen verdoppelt.

Aber wie twittert US-Präsident Donald Trump eigentlich in China, wo der Kurznachrichtendienst doch gesperrt ist? Auf Nachfrage versicherte der chinesische Vizeaußenminister Zheng Zeguang im Vorfeld, niemand sollte Bedenken haben. Die Antwort sei ganz einfach, vorausgesetzt der US-Präsident nutzt sein Handy. So seien Datenverbindungen mit ausländischen SIM-Karten in China nicht zensiert.

Analyse: Ein Jahr Donald Trump

Sehen Sie hier die Analyse des ersten Jahres der USA unter Donald Trump von Amerika-Expertin Melinda Crane.

"Schlimmer als befürchtet"

Unterdessen sieht Trump-Biograf David Cay Johnston der Zukunft düster entgegen. "Es ist schlimmer gekommen als befürchtet", sagte Johnston ('Die Akte Trump') der "Nordwest-Zeitung".

Schon nach der Wahl hatte der Pulitzerpreisträger vor einem Alptraum gewarnt. "Trump hat sich als völlig unberechenbar erwiesen, weil er absolut keine politische Erfahrung hatte und noch immer nicht versteht, wie in den USA verfassungsgemäß regiert wird", sagte Johnston. "Er meint, der Kongress und die Gerichte seien ihm unterstellt. Er umgibt sich mit Gefolgsleuten, die die Axt ans amerikanische politische System legen wollen."

Selbst der frühere US-Präsident und Republikaner George W. Bush brach kürzlich sein Schweigen und rechnete mit Donald Trump ab.