US-Präsident beleidigte Demokratinnen

Das gefährliche Spiel Donald Trumps mit dem Rassismus

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17. Juli 2019 - 14:58 Uhr

RTL-USA-Korrespondent Dirk Emmerich kommentiert

Das US-Repräsentantenhaus hat die rassistischen Äußerungen von US-Präsident Donald Trump gegen vier Demokratinnen verurteilt. Seine Tweets und Kommentare der letzten Tage hätten "Ängste vor und Hass gegen Neu-Amerikaner und Dunkelhäutige legitimiert und verstärkt".

Trump rudert nicht zurück

Donald Trump wird das Votum zur Kenntnis genommen haben. Zum Nach- oder gar Umdenken wird es ihn jedoch nicht bewegen. Kein Zurückrudern, keine Entschuldigung in der Sache. Im Gegenteil, er bleibt bei seiner Meinung. Die vier Frauen würden die USA hassen und sollten besser gehen.

Trump schlägt zurück, wenn er angegriffen wird und teilt dabei kräftig aus. Das ist nicht neu. Ob er mit seinen Argumenten und Fakten sachlich richtig liegt, ob sie überhaupt stimmen und ob er dabei politisch korrekt bleibt, all das ist ihm völlig egal. Er hat das immer so gemacht und ist damit durchgekommen. Im letzten Wahlkampf und der Zeit seiner Präsidentschaft hat er damit die Grenzen dessen verschoben, was in der politischen Auseinandersetzung möglich und legitim scheint, jedenfalls in Bezug auf seine Person. Und das ist das eigentlich Gefährliche.

Denn die vier farbigen Demokratinnen sind nicht irgendwer. Sie sind gewählte Kongressabgeordnete, alle vier sind amerikanische Staatsbürgerinnen und drei der vier in den USA geboren. Und sie sollen sich nicht kritisch äußern und einmischen dürfen? Ein Vorwurf, den Trump weißen Abgeordneten so nie machen würde, schon gar nicht verbunden mit der Aufforderung dorthin zurückzugehen, wo sie hergekommen sind. Allein diese Formulierung ist weit mehr als gefährlicher Populismus einer "weißen Überlegenheit", der plötzlich wieder salonfähig zu werden droht. Das ist offener Rassismus.

Trumps Amerika ist ein "weißes Amerika"

Dirk Emmerich
Dirk Emmerich ist USA-Korrespondent der Mediengruppe RTL.

Donald Trump macht deutlich, was für ein Amerika er im Grund eigentlich anstrebt. Denn parallel zu seinen rassistischen Ausfällen hatte er am Wochenende Razzien angesetzt, um illegale Einwanderer abzuschieben. Migranten aus Drittländern sollen an der mexikanisch-amerikanischen Grenze keine Asyl-Anträge mehr stellen dürfen. Und sein Vorhaben, dort eine Mauer zu errichten ist und bleibt Lieblingsprojekt, für das er im Frühjahr einen wochenlangen Shutdown in Kauf genommen hat.

Trumps Amerika ist ein "weißes Amerika". Er stellt damit den Grundkonsens der amerikanischen Gesellschaft in Frage und beschädigt das Präsidentenamt. Das alles jedoch treibt ihn nicht um. Mit seinen rassistischen Angriffen macht er klar, wozu er im bevorstehenden Wahlkampf 2020 alles bereit ist. Er weiß, dass er die Gesellschaft damit weiter spaltet, er weiß, dass er mit damit weiter polarisiert. Und kaum jemand aus seiner Partei schreitet ernsthaft ein. Stattdessen Herumlavieren. Nicht nur Trump, auch seine Partei steht vor einem langen aufreibenden Wahlkampf und sie möchte, das im Weißen Haus weiter ein Republikaner das Sagen hat.

Trump weiß, dass die, die ihn ablehnen, ihn auch beim nächsten Mal nicht wählen werden. Er will zuallererst bei seinen Stammwählern punkten. Und er möchte weiße verängstigte Wählerschichten mobilisieren, die bislang noch nie gewählt und Angst haben, Migranten könnten ihnen die Jobs wegnehmen. Gerade in diesen Kreisen werden ihn seine Tweets und Auslassungen der letzten Tage daher auch nicht schwächen, sondern womöglich sogar stärken.

Es ist ein gefährliches Spiel, das Donald Trump treibt.