dm-Chef Christoph Werner erklärt das Phänomen

Trotz voller Lager: Darum sind die Klopapier-Regale so oft leer

Lieferengpässe bei Toilettenpapier - woran liegt's wirklich?
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09. April 2020 - 9:58 Uhr

dm-Chef beantwortet Fragen in Instagram-Live-Video

Das Coronavirus hat viele Bereiche unseres Lebens zum Erliegen gebracht und sorgt in Einkaufsstraßen und -centern für verriegelte Türen. Doch als Geschäft für Waren des täglichen Bedarfs haben die Läden der Drogeriemarktkette dm weiterhin geöffnet, damit Kundinnen und Kunden dort einkaufen können. Schwierig wird es für diese jedoch oftmals, wenn sie Toilettenpapier benötigen. Seit Wochen geistern Bilder von leeren Regalen durchs Netz, viele Verbraucher berichten, keinen Nachschub zu bekommen - dabei heißt es immer, die Lager seien voll. Wie kann das sein? Diese Frage stellten Instagram-Nutzer nun auch dem dm-Geschäftsführer Christoph Werner, der dem Handelsblatt am Montag ein Live-Interview auf der Social-Media-Plattform gab. Werner zufolge liegen dem Phänomen "zwei sich überlagernde Probleme" zugrunde.

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Problem 1: Die Menschen benötigen zu Hause mehr Toilettenpapier

Man könnte meinen, dass sich das Coronavirus vor allem auf unsere Klopapiernutzung auswirkt. Dabei ist es Werner zufolge zwar nicht so, dass die Menschen nun mehr Toilettenpapier benutzen als vorher, aber sie benutzen mehr davon zu Hause.

"Bisher ist es ja so gewesen, dass Menschen zum Teil zu Hause waren und zum Teil in der Gastronomie, am Arbeitsplatz, oder auch in Hotels, bei Veranstaltungen - und da die Toiletten benutzt haben", erklärt er. "Und jetzt haben wir die Situation, dass die Menschen vor allem zu Hause sind und nicht mehr woanders auf die Toilette gehen. Das heißt, die Menschen erleben bei sich, dass das Toilettenpapier schneller zur Neige geht als sonst."

Doch während Gaststätten und Unternehmen ihre Klopapier-Lieferungen über Großhändler beziehen, kaufen Menschen dieses für den eigenen Verbrauch zu Hause in Drogerien oder Supermärkten.

Problem 2: Leere Regale regen wiederum zu Hamsterkäufen an

Der Verbrauch zu Hause und damit die Nachfrage an Toilettenpapier in Läden wie dm oder in Supermärkten ist also tatsächlich gestiegen. Da dies gerade zu Beginn der Corona-Krise in leeren Regalen resultierte, habe sich laut Werner bei vielen Kunden das subjektive Empfinden eingestellt, es reiche vielleicht nicht. Auf die Unsicherheit, die die Pandemie mit sich bringt, hätten viele mit einer Bevorratung reagiert und sogar noch mehr gekauft, als sie eigentlich brauchen.

Warum gelingt es nicht, ausreichend Klopapier von den vollen Lagern in die Geschäfte zu bringen?

Wenn die Lager nun aber tatsächlich voll sind und Restaurants und Unternehmen im Moment kein oder weniger Klopapier benötigen - wie kommt es dann, dass nicht umgeplant wird und das Toilettenpapier in die Geschäfte gebracht wird?

Auch dies erklärt der dm-Geschäftsführer in dem Interview. Durch die anfänglichen Hamsterkäufe seien Puffer aufgebraucht wurden, die es in der Produktion immer gebe. Dadurch muss die Nachfrage so abgefangen werden, dass neu produziertes Toilettenpapier nicht gelagert, sondern direkt ausgeliefert wird. Stehen dann aber Maschinen still (zu Wartungszwecken oder wegen diversen Umstellungen), kommt kein Klopapier nach.

Im konkreten Falle von dm sei es so, dass die Hersteller 31 Punkte in Deutschland beliefern, von denen aus das Toilettenpapier in die Filialen verteilt werde. Wenn es da hake, so der Experte, bekämen einzelne Filialen keinen Nachschub.

Klopapier-Phänomen birgt weitere Herausforderung

"Die Herausforderung bei Toilettenpapier ist, dass es sehr großvolumig ist", gibt Werner abschließend ebenfalls zu bedenken. "Das heißt, auf einer Palette ist nicht so arg viel Ware, weil die Pakete recht groß sind." Daher mache man sich bei dm auch Gedanken darüber, was passiert, wenn die Nachfrage abreißt: "Weil irgendwann sagen sich die Leute 'Jetzt hab ich genug, jetzt wird mal verbraucht!'" Bestellen die Filialen dennoch weiter in großen Mengen, könnten sie ein Lagerungsproblem bekommen, wenn plötzlich nicht mehr so viel Toilettenpapier gekauft werde. "Mit einem Fuß auf dem Gas, mit dem anderen auf der Bremse", sage man sich daher bei dm.

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