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DITIB-Moscheen unter der Lupe: Wie weit reicht Erdogans Arm nach Deutschland?

DITIB-Moscheen unter der Lupe: Wie weit reicht Erdogans Arm nach Deutschland?

Islamunterricht der Moscheen auf dem Prüfstand

Seit der Kölner Großdemonstation gegen den Putschversuch in der Türkei wächst die Kritik am türkischen Staatspräsidenten Erdogan und seiner Partei AKP. Ihr Arm reiche bis nach Deutschland, bemängeln Experten. Auch die Unabhängigkeit des Islamunterrichts an deutschen Moscheen wird diskutiert.

Konkret geht es darum, dass der Islamunterricht innerhalb von Moscheen hierzulande meist durch Lehrer der DITIB (Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion e. V) erteilt wird. Bislang wurde diese Organisation eher als neutral wahrgenommen, doch spätestens seit dem Putschversuch in der Türkei und den darauffolgenden "Säuberungen" des Staatsapparates befürchten viele Kritiker eine wachsende Einflussnahme der DITIB durch die Türkische Regierungsbehörde Diyanet. Islamwissenschaftlerin Susanne Schröter erhebt den Vorwurf, dass DITIB strukturell, finanziell und ideologisch von Diyanet abhängig sei.

Auch Unionsfraktionschef Volker Kauder (CDU) befürchtet eine zu große Einflussnahme der DITIB in Deutschland und spricht sich dagegen aus, dass der Moscheeverband den islamischen Religionsunterricht an deutschen Schulen mitgestaltet. Vielmehr sollten unabhängige Islamlehrer, die an deutschen Universitäten ausgebildet wurden, den Unterricht übernehmen.

Moscheeverband DITIB weist Vorwürfe zurück

Moscheen in Deutschland auf dem Prüfstand
DITIB-Moscheen unter der Lupe
kne jai, dpa, Peter Kneffel

Die DITIB weist Vorwürfe, sie trüge den innertürkischen Konflikt in deutsche Moscheegemeinden, zurück. Die Behauptung, die DITIB sei ein verlängerter Arm von Präsident Recep Tayyip Erdogan, entbehre jeglicher Grundlage, so ein Sprecher.

Franz-Josef Lersch-Mense, Chef der NRW-Staatskanzlei, ist besorgt über die Geschehnisse in der Türkei. Nordrhein-Westfalen, das 2012 als erstes deutsches Bundesland regulären Islamunterricht an seinen Schulen eingeführt hat, ist sehr darauf bedacht, dass Themen der türkischen Innenpolitik nicht in deutsche Klassenzimmer getragen werden. Damit das gelingt, erarbeitet ein Beirat aus acht Mitgliedern - darunter ein DITIB -Vertreter - die Lehrpläne. Ähnliche Vorstöße gibt es auch in Bayern, Baden-Württemberg, Hessen, NRW, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz und im Saarland, wo der Islamunterricht unter staatlicher Kontrolle steht.

Trotzdem bleiben die Befürchtungen einer Instrumentalisierung durch muslimische Gemeinden in Deutschland groß, denn der weitaus größte Teil der Gläubigen erhalten ihre religiösen Ansichten in einem der zahlreichen Moscheevereine in Deutschland. Ob neben religiösen auch ideologische Ansichten aus der Türkei nach Deutschland getragen werden und so eine Polarisierung der türkischstämmigen Bevölkerung befördert wird, bleibt indes abzuwarten.

Fest steht, dass die Großdemo in Köln, Hauptstadt der deutschtürkischen Bevölkerung, einen Zwiespalt offenbart hat, dem CDU-Politiker Jens Spahn mit der Abschaffung der doppelten Staatsbürgerschaft begegnen will. Er hat bereits vor der Kölner Großdemo im Tagesspiegel gefordert: Wessen Herz für Erdogan schlage und wer für ihn und seine AKP auf die Straße gehe, solle das besser in der Türkei tun. Seiner Ansicht nach sollen sich die hierlebenden Türken entscheiden, welchem der beiden Staaten sie ihre Loyalität zusichern.