Ditib-Chefin Oguz: "Der Alltagsrassismus hat zugenommen"

Emine Oguz, Geschäftsführerin der Türkisch-Islamische Union. Foto: Julian Stratenschulte/dpa
© deutsche presse agentur

21. Februar 2020 - 15:50 Uhr

Der Landesverband der Türkisch-Islamischen Union Ditib hat nach dem Terroranschlag von Hanau zum verstärkten Kampf gegen Rassismus und Rechtsextremismus aufgerufen. "Die letzten Wochen und Monate haben leider gezeigt, dass Hemmschwellen gesunken sind und Übergriffe auf Muslime und Moscheen extrem zugenommen haben", sagte Geschäftsführerin Emine Oguz am Freitag in Hannover. So sei zum Beispiel eine türkischstämmige Frau, die ein Kopftuch trug, in Hannover fast auf die Gleise der S-Bahn gestoßen worden. Auch in Dissen (Landkreis Osnabrück) sei eine Kopftuchträgerin bespuckt und auf übelste Weise beleidigt worden. Junge Menschen, die in dritter Generation hier leben, fragen sich laut Oguz: "Müssen wir jetzt unsere Koffer packen und das Land verlassen?"

Die 41-jährige Mutter von zwei Kindern sagte: "Dieses Gedankengut vergiftet die ganze Gesellschaft." Es sei eben nicht nur der Nazi mit der Glatze, der Menschen anpöbele und rechtsextreme Parolen gröle. "Der Alltagsrassismus hat zugenommen." Es gebe Lehrer, die Kinder aus Zuwandererfamilien mit stichelnden Sprüchen diskriminierten oder Arbeitgeber, die zum Beispiel "keine Lust auf Araber" hätten. Das Klima, das in die "rechte Terrorwelle" münde, sei im Internet und in politischen Debatten geschürt worden. "Von AfD-Politikern wird seit Jahren gegen Shisha-Bars gehetzt", sagte Oguz.

In Hanau hatte ein 43 Jahre alter Deutscher am Mittwoch in einer Shisha-Bar, einer Bar sowie in einem Kiosk das Feuer eröffnet, neun Menschen starben. Der mutmaßliche Todesschütze soll in seiner Wohnung auch seine Mutter erschossen haben, bevor er sich selbst tötete.

Quelle: DPA