Digitalstaatsministerin im Podcast "Wickert trifft"

Dorothee Bär: Bei digitaler Bildung an Kindern versündigt

09.10.2020, Berlin: Dorothee Bär (CSU), Beauftragte der Bundesregierung für Digitalisierung, kommt zu der Sitzung des Bundestags. Debattiert wird über die Opfer der deutschen Vernichtungskriege und einer Abstimmung über die Reform des Familiennachzug
Dorothee Bär im Bundestag
lop, dpa, Britta Pedersen

Dorothee Bär spricht im Podcast bei AUDIO NOW über Digitalisierung der Schulen

Heftige Kritik erfährt die mangelnde Digitalisierung der Schulen. Die Corona-Krise hat die Tragweite der Probleme offengelegt, was auch Digitalstaatsministerin Dorothee Bär offen zugibt. Im Podcast „Wickert trifft“ auf AUDIO NOW sagt die CSU-Politikerin: „Ich gebe ihnen Recht, dass vieles nicht stimmt“, sagt die Ministerin. „Ich bin sehr stark dafür, dass wir bei der digitalen Bildung massiv aufräumen. Ich gehe sogar so weit zu sagen, dass wir uns die letzten Jahre auch insgesamt an unseren Kindern versündigt haben, weil es da nullkommannull vorangegangen ist.“ Die Schuld daran sieht Bär bei den Ländern, wie sie im Gespräch mit dem Journalisten Ulrich Wickert erklärt.

Auf AUDIO NOW: "Wickert trifft" Dorothee Bär

„Dass der Abfluss nicht so schnell funktioniert hat – das sage ich ihnen als Bundespolitikerin ganz offen – liegt nicht an uns, sondern an den Ausschreibungen in den Ländern.“ Es liege hauptsächlich an der Zersplitterung der 16 Kultusministerien in Deutschland sowie einer allgemeinen Fragmentierung auch innerhalb der Bundesländer. „Im Moment gewinnt derjenige, der eine engagierte Schulleiterin oder einen engagierten Schulleiter hat“, so Bär.

Dorothee Bär: "2021 ist das Jahr der digitalen Bildung!"

Aufgrund des Drucks durch die Corona-Pandemie sei 2020 allerdings „wahnsinnig viel passiert.“ Man habe sich auf die Ausstattung von Lehrerinnen und Lehrern geeinigt und einen Sondertopf für bedürftige Schülerinnen und Schüler geschaffen. Für mich ist ganz klar: 2021 ist das Jahr der digitalen Bildung! Da müssen bestimmte Voraussetzungen geschaffen sein, dass ich sofort immer, täglich und minütlich vom Präsenzunterricht in den digitalen Unterricht wechseln kann. Auch in außerpandemischen Zeiten, weil natürlich immer irgendetwas sein kann.“

Wenn es nach Bär geht, sei der Digitalunterricht auch nicht nur an digitalen Endgeräten festzumachen: „Wir brauchen anderen Lehrpläne. Wir brauchen eine ganz andere Art des Unterrichts, weil über sechzig Prozent aller Schülerinnen und Schüler, die im Jahr 2020 die Grundschule besuchen – ich habe selbst zwei zuhause – einmal in Berufen arbeiten werden, die es im Jahr 2020 noch gar nicht gibt. Das heißt, wir bereiten unsere Kinder auch auf ein Leben vor, das mit dem, was sie dann später erleben werden überhaupt nichts gemein hat.“ Es sei noch vieles im Argen, so die fränkische Politikerin: „Aber es hat nicht nur etwas mit Infrastruktur zu tun, sondern auch mit Didaktik und Pädagogik und mit anderen Lehr- und Lerninhalten.“