Diskussion um Organspende

Professor fordert: Wer nicht spenden will, soll bei Organvergabe benachteiligt werden

26. September 2019 - 13:38 Uhr

Im Video spricht Gesundheitsökonom Robert Nuscheler

"Wer selbst kein Organ spenden will, soll im Notfall nicht sofort eins bekommen" - eine heftige Forderung des Augsburger Professors Robert Nuscheler, die eine Riesen-Diskussion in Deutschland ausgelöst hat. Wir haben mit dem Gesundheitsökonom gesprochen. Mehr dazu im Video.

Organspende: Beratung hat großen Einfluss

ARCHIV - 04.04.2019, Bayern, München: ILLUSTRATION - Die Rückseite eines ausgefüllten Organspendeausweises. Das Zustimmungsfeld ist angekreuzt. (zu dpa "Nur jeder Zweite hält Organspendesystem für gerecht") Foto: Marie Reichenbach/dpa +++ dpa-Bildfun
Organspendeausweis
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In Deutschland gibt es noch immer zu wenige Menschen, die ihre Organe spenden. Patientenschützer fordern deshalb eine bessere Beratung zu Patientenverfügungen. Diese seien mittlerweile weit verbreitet und hätten einen großen Einfluss bei der Organspende, sagte der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch.

Die meisten Menschen nutzen die Verfügungen, um eine Behandlung zu begrenzen. "Sie wollen natürlich sterben und schließen deshalb Intensivtherapie in unterschiedlichen Krankheitssituationen aus." Wer dies ablehne, schließe aber auch die Organspende aus, erläuterte Brysch. "Dieses Problem ist den meisten Menschen nicht bewusst, obwohl sie der Organspende grundsätzlich positiv gegenüberstehen."

Malus-Regelung: Organspender weiter vorn auf Wartelisten

Viele Patientenverfügungen zeigten, dass es in der Praxis trotz vieler Informationen oft nicht gelinge, einen solchen Widerspruch im Text aufzulösen. "Es braucht daher eine umfassende und persönliche Beratung", forderte Brysch. Sie müsse Pro und Contra benennen und sich individuellen Fragen und Ängsten stellen. "Entscheidend ist, dass ein solches Gespräch ergebnisoffen geführt wird."

Professor Nuscheler schlug jetzt eine Malus-Regelung vor. "Wer einer Spende widerspricht, wird dann, wenn er selbst einmal ein Organ benötigt, weiter hinten auf die Warteliste gesetzt", sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Es sei nicht einzusehen, "warum Menschen, die nicht zur Organspende bereit sind, dieselben Chancen auf ein Organ haben sollen wie potenzielle Spender".​

Doppelte Widerspruchslösung als Thema im Gesundheitsausschuss

ARCHIV - 28.09.2012, Berlin: Ein Styropor-Behälter zum Transport von zur Transplantation vorgesehenen Organen wird am Eingang eines OP-Saales vorbeigetragen. (zu dpa «Deutsche Stiftung Organtransplantation veröffentlicht Zahlen zu Organspenden im Jah
Organspende
© dpa, Soeren Stache, soe fpt kno htf vfd sis dna wst

Mit grundlegenden Fragen der Organspende befasst sich am Mittwoch auch der Gesundheitsausschuss des Bundestags in einer Anhörung. Mehrere geladene Organisationen und Initiativen sprechen sich in Stellungnahmen für eine "doppelte Widerspruchslösung" aus, die eine Abgeordnetengruppe um Gesundheitsminister Jens Spahn anstrebt.

Demnach sollen alle Volljährigen als Organspender gelten. Man soll dazu aber später Nein sagen können. Dagegen wenden sich unter anderem die beiden großen Kirchen.