Discounter senken Milchpreise: Bald nur noch Industriemilch auf dem Tisch?

Viele Betriebe sind schon Pleite gegangen

Die gute Nachricht vorweg: Milch ist pro Liter zehn Cent billiger geworden. Das hört sich für den einzelnen Kunden natürlich erstmal wunderbar an. Langfristig aber hat die dauerhafte Preis-Senkung erhebliche Folgen. Nicht nur für die Landwirte, sondern auch für die Verbraucher.

Discounter senken Milchpreise: Bald nur noch Industriemilch auf dem Tisch?
Glückliche Kühe auf der Weide - gehören sie bald der Vergangenheit an?
dpa, Z5533 Hendrik Schmidt

Die 50 Kühe von Bauer Alterauge werden zweimal am Tag gemolken, egal wie der Milchpreis gerade steht. Michael Alterauge aber vergeht die Lust an der Arbeit. 35 Cent pro Liter bekommt er gerade noch und damit geht es um die Existenz des kleinen Betriebs. "Ein Viertel meines Monatsgehaltes ist futsch. Und ich habe trotzdem die gleichen Kosten zu tragen."

Viele der kleinen benachbarten Betriebe im Sauerland haben den Milchkrieg schon aufgegeben. Deutschlandweit sind ein Drittel aller Milchbauern im letzten Jahrzehnt Pleite gegangen. Im Moment sorgen eine Schwache Nachfrage aus China, das Importembargo in der Ukraine und die grundsätzlich hohe Milchproduktion für ein Überangebot. Die Folge: Dumpingpreise.

Milchproduktion nur noch in Großbetrieben möglich

Noch schlimmer könnte es für Alterauge werden, wenn im März 2015 die sogenannte Milchquote fällt. Seit über 30 Jahren begrenzt sie die Milchmenge in der EU und schützt vor allzu ruinösem Preiswettbewerb. "Das werden die Discounter noch mehr ausnutzen, die Molkereien behalten ihre Marge für die Verarbeitung. Der Leidtragende ist der Landwirt. Der muss alles ausbügeln."

Somit hat die Preisdrosselung bei Milch auf langfristiger Basis auch Folgen für den Verbraucher. Qualitätsmilch aus regionaler Erzeugung würde der Vergangenheit angehören. Wenn das Preisniveau weiterhin so niedrig bleibt, könnten schon bald nur noch Großbetriebe von der Milchproduktion leben. Horst Seibicke zum Beispiel hat 900 Milchkühe, 20.000 Liter werden in seiner Fabrik pro Tag produziert. Schwankungen beim Milchpreis gibt es immer, Sorgen macht ihm das keine. "Den Betrieb gibt es schon seit 25 Jahren. Wir haben schon eine gewisse Stabilität. Durch einen Einbruch des Milchpreises zittert der Betrieb nicht."

"Wir steuern wieder auf eine Krise zu", sagte ein Sprecher des Bundesverbandes Deutscher Milchviehhalter. Schon bald könnten die Milchbauern wie schon 2007 auf die Straße gehen. 40 Cent pro Liter fordern sie für eine künstliche Deckelung der Milchproduktion durch die Politik. So müssten Kleinbauern nicht mehr um ihre Existenz fürchten und die Verbraucher könnten weiterhin regionale Qualitätsmilch statt industriell hergestellter Milch trinken.