Einzigartige Karriere

Dirk Nowitzki: Die größten und schwersten Momente

JAHRESRÜCKBLICK 2011 -Dallas Mavericks forward Dirk Nowitzki of Germany holds up the NBA Most Valuable Player (MVP) trophy after defeating the Miami Heat in the second half of game six of the NBA Finals at American Airlines Arena in Miami, Florida, U
Jahreswechsel - Dallas Mavericks
dpa, Larry W. Smith

Dirk Nowitzki: Von Würzburg nach Dallas

Dirk Nowitzki blickt auf eine einzigartige Karriere zurück. Wir schauen auf die Höhepunkte und Rückschläge der NBA-Zeit des Würzburgers.

Nowitkzi muss Lehrgeld bezahlen

Die ersten Schritte für Dirk Nowitzki in der NBA-Glitzerwelt waren hart. 1999 verpflichteten ihn die Dallas Mavericks. Im ersten Jahr wird der Neuling teilweise ausgebuht, vieles geht daneben, er bekommt seinen Fuß noch nicht so recht auf das NBA-Parkett. Selbstzweifel plagten den Nachwuchsspieler. Passt er in diese Welt? Nowitzki stolperte, aber fiel nicht.

Denn sein Coach Don Nelson glaubte an ihn. Nowitzki arbeitete wie ein Besessener an seinem Spiel. Während des Sommers tüftelte Nowitzki mit seinem persönlichen Coach Geschwinder und dessen durchaus schrulligen Methoden (u.a. zu Live-Jazzmusik dribbeln) in einer Turnhalle im bayerischen Rattelsdorf an seiner Athletik, an seiner Physis, seiner Defensivarbeit und vor allem an seinem Wurf.

Dallas arbeitet sich nach oben

Jahr für Jahr ackerte sich Nowitzki nach oben – und auch die Mavericks waren plötzlich wieder wer. Ein echter Playoff-Anwärter mit Titelchancen. 2006 feierten die Mavs ihr eigenes Sommermärchen – leider ohne Happy End. In den Finalspielen gegen die Miami Heat lagen die Texaner 2:0 in Führung. Der Sekt war schon kaltgestellt, die Hand an der Trophäe. Es folgte ein legendärer Kollaps, Nowitzki und Co. gingen mit 2:4 k.o.. Der Spott war groß. Und die Kritiker nicht weit. „No-Win-Ski“ hieß es auf den Titelseiten der Zeitungen. Jahrelang wurde er zuvor schon als „Irk“ bezeichnet. Das „D“ aufgrund der schwachen Defensive spöttisch weggelassen. Der Tenor: Ein guter Spieler klar, aber zum Titel führen wird er die Mavericks doch nie!

Wie zur Bestätigung folgte die Achterbahnfahrt im Jahr darauf. Dallas legt eine Monster-Saison hin. Mit 67 Siegen (eine der besten Spielzeiten in der NBA-Geschichte) stürmten die Texaner als bestes Team in die Play-offs, um dort gleich in Runde eins gegen die achtplatzierten Golden State Warriors unterzugehen. Das ist ungefähr so, als würden die Bayern 0:5 im Pokalfinale gegen Fortuna Düsseldorf verlieren. Die Mavs waren am Boden.

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Nowitzki besiegt das Final-Trauma

Ausgerechnet in jenem Jahr erhielt der 2,13m-Riese mit der Trophäe des MVP, des Most Valuable Players, die wichtigste Spieler-Auszeichnung. Fast schon zähneknirschend nahm er diesen Preis auf dem Podium entgegen. Die Zeremonie erfolgte nach dem peinlichen Play-off aus. Wieder Selbstzweifel, wieder raffte sich Nowitzki auf. Mit Geschwindner tauchte er unter und ging in Australien auf wochenlange Backpacking-Tour.

Das Final-Trauma besiegte er erst vier Jahre später. 2011 war es soweit. Diesmal starteten die Mavericks nicht als Favorit, aber erwiesen sich dafür umso mehr als Favoritenschreck. Angeführt von Nowitzki filetierten die Mavs ein Spitzenteam nach dem anderen. In den Finals wartete wie 2006 der Angstgegner Miami Heat. Ein Spiel gegen die eigene Vergangenheit. Das Überteam mit dem Star-Trio LeBron James, Dwyane Wade und Chris Bosh biss sich an Nowitzki die Zähne aus.

Diesmal ließ er sich die Führung nicht mehr nehmen, die bitteren Niederlagen hatten ihn gestählt. Im Spiel vier lief er gar mit Fieber auf. Nach dem entscheidenden Spiel flüchtete Nowitzki von Emotionen übermannt in die Kabine. Später kommt er wieder raus und reckt den Pokal endlich in die Höhe. Nowitzki, der Junge aus Würzburg, hat es allen Kritikern bewiesen: Es folgte die legendäre „We are the Champions“-Gesangseinlage bei der Siegesfeier in Dallas, mit der ihn Mitspieler und Weggefährten (und Barack Obama) noch heute aufziehen.

Knochen für die Nationalmannschaft hingehalten

Während er in der NBA eine starke Saison nach der anderen abriss, stand er gleichzeitig stets als Nationalspieler seinen Mann. Trotz der kräftezehrenden NBA-Saisons (an die 100 Spiele pro Jahr) ließ er es sich nicht nehmen, regelmäßig bei den Turnieren im DBB-Dress aufzulaufen. 2002 holte das deutsche Team überraschend WM-Bronze, 2005 feierte die Auswahl um den Rekord-Nationalspieler den größten Erfolg seit dem EM-Titel 1993. Nach einer epischen Schlacht gegen Spanien (selbstverständlich verwandelte Nowitzki den entscheidenden Wurf) im Halbfinale holte das ersatzgeschwächte Deutschland Silber bei der EM. Seinen persönlichen Kindheitstraum erfüllte sich der Rekordnationalspieler 2008, als sich das Nationalteam für die Olympischen Spielen qualifizierte. Bei der Eröffnungsfeier in Peking führte Nowitzki den deutschen Tross als Fahnenträger an – wie ein kleines Kind freute sich der Mega-Star über diese besondere Ehre.