Digitaler Kassenzettel gegen Müllberge

Ein Mann hält einen Bon in der Hand. Foto: Marijan Murat/dpa/Archivbild
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13. Februar 2020 - 12:20 Uhr

Finanzminister Peter Strobel (CDU) war der Erste, der am Donnerstag beim morgendlichen Brotkauf in einer Bäckerei in Saarbrücken-Fechingen den "grünen Bon" ausprobierte. Und er war begeistert: "Ich finde es toll, dass eine solche Innovation, elektronische Bons zu erzeugen und aufs Handy zu schicken, aus dem Saarland kommt", verkündete er. Die Bon-Pflicht werde eingehalten, das Drucken könne unterbleiben. "Somit sind alle Anforderungen erfüllt, das halte ich für eine gute Sache!"

Die Technik, die die Software-Entwickler der Firma Fortiter entwickelt haben, funktioniert für die Kunden unkompliziert und kostenlos. Sie müssen lediglich ihr Handy, auf dem sie die App "Grüner Bon" heruntergeladen haben, an einen Scanner halten. Automatisch wird der Kassenzettel dann über einen QR-Code in die Beleg-App des Kunden übertragen - und das Ausdrucken auf Papier damit überflüssig. Auch mit einer Kundenkarte, mit der zuvor das System gekoppelt wurde, werde dies möglich sein.

Eine personifizierte Registrierung ist für den digitalen Bon nicht erforderlich, da der Beleg über eine anonyme ID zum Endverbraucher übermittelt wird. Die entsprechende App soll Anfang nächster Woche für iOs- und Android-Handys im Internet zum Herunterladen bereitstehen.

Ziel der Software-Entwickler der Firma Fortiter war es nach eigenen Angaben, einen Beitrag für die Umwelt zu leisten. "Wir wollten etwas gegen diesen Wahnsinn machen", sagte Geschäftsführer Guido Anterist. Durch die Ausgabe von Kassenbons entständen täglich gigantische Müllberge mit etwa fünf Milliarden Bons pro Jahr. Außerdem seien die Bons speziell beschichtet und dürften daher nicht in die Altpapiercontainer.

"Natürlich wissen wir auch in der Verwaltung, dass die Menschen eigentlich diesen Bon in der Mehrzahl der Fälle ablehnen und gar nicht haben wollen", räumte Finanzminister Strobel ein. "Das verursacht eine Menge Papiermüll, und deswegen sind alle Lösungen, die das vermeiden, schon gute Lösungen!"

Bäcker Dirk Adam, der das Grüner-Bon-System als erster Saarländer in seinen drei Filialen in Saarbrücken einführt, ist froh über die Alternative. "Eigentlich will ja keiner die Bons. Zum Teil bekommen wir sie hinter die Theke geschmissen", berichtete er. Vor der Gesetzesumstellung habe er in der Filiale in Fechingen im Monat ein bis zwei Rollen Thermopapier benötigt, seit der Bon-Pflicht am Jahresanfang seien es zwei Rollen am Tag.

Dennoch hält der Finanzminister die Belegausgabepflicht für den richtigen Weg. "Wir unterstellen zunächst einmal, dass alle Unternehmen eine ordentliche Buchhaltung machen und auch alles versteuern, was sie einnehmen. Trotzdem wissen wir aus den Kassennachschauen und aus anderen Überprüfungen, dass es immer wieder schwarze Schafe gibt", so Strobel. Die Bon-Pflicht setze dem nun ein Ende.

Nach Auskunft von Fortiter-Geschäftsführer Anterist habe man zum Start der App bereits einen der größten deutschen Kassensystem-Hersteller als Partner gewinnen können. Er gehe davon aus, dass "viele weitere folgen werden", weil auch der öffentliche Druck immer größer werde.

Seit Jahresbeginn müssen Händler mit elektronischen Kassensystemen ihren Kunden bei jedem Kauf unaufgefordert einen Beleg aushändigen. Mit der bereits Ende 2016 beschlossenen Belegausgabepflicht will der Gesetzgeber Steuerbetrug verhindern. Die Regelung wird von vielen als bürokratisch und umweltschädlich kritisiert.

Quelle: DPA