Heute vor 28 Jahren

Dieter Baumann - Der „weiße Kenianer“ holt Olympia-Gold über 5.000 Meter

Barcelona 1992 - Dieter Baumann
© picture-alliance / dpa/dpaweb, Frank Kleefeldt

08. August 2020 - 10:22 Uhr

1992 – Der Dieter Baumann rennt allen davon

Die Olympischen Sommerspiele 1992 schrieben mehrere verrückte Geschichten. Aus deutscher Sicht stach vor allem die sensationelle Goldmedaille von Läufer Dieter Baumann heraus – heute vor 28 Jahren lief der damals 27-Jährige zum Olympiatitel über 5.000 Meter.

Von Emmanuel Schneider

Es ist der 8. August, 20.40 Uhr, Olympiastadion zu Barcelona – die Arena brechend voll.
Die Zuschauer warten auf das Finale der 5.000 m. In der Favoritenrolle sind vor allem afrikanische Top-Läufer wie Weltmeister Yobes Ondieki (Kenia) und Vizeweltmeister Fita Bayisa (Äthiopien)  – und Dieter Baumann aus dem Schwabenland.

Das Rennen entwickelt sich zu einem gewaltigen Crescendo. Eine Runde vor Schluss bilden fünf Mann die Spitzengruppe. Für den Deutschen sieht es aber zunächst schlecht aus – er ist zwischen mehreren Athleten eingeklemmt. Dann sieht er die goldene Lücke

"Die Lücke ist da"

Im Folgenden der legendäre Original-Kommentar von Dieter Adler und Gerd Rubenbauer (ARD).

"Sie haben ihn eingekesselt", schreien die beiden ganz offenkundig mit Sorgenfalten den Zuschauern entgegen.
"Vorne geht die Post ab und da hat Baumann eine ganz schwierige Position."
"Aber er kommt nochmal."
"Kommt Baumann nochmal ran?"
"Jetzt muss er innen ran."
"Die Lücke ist da."
"LAUF"
"BAUMANN"
"Es geht noch."
"Baumann gewinnt, Baumann gewinnt."
"BAUMANN ist OLYMPIASIEGER"
"Dieter Baummann von der Schwäbischen Alb."

Die beiden Leichtathletik-Reporter scheinen selbst noch nicht zu realisieren, was hier gerade geschieht. Die Luft des Historischen weht durch Barcelona. Im Schlussantritt zieht Baumann allen davon, zündet auf den letzten 100 Metern in 11,9 Sekunden eine Endspurt-Rakete. Baumanns Zeit: 13 Minuten, 12 Sekunden und 52 Hundertstel.

Später sagt der Überraschungssieger über seinen Gold-Lauf: "Als ich die Ehrenrunde lief und die Kulisse sah, dachte ich mir schon: 'Hoppla, das ist ja schon ein größeres Sport-Festle, das du gerade gewonnen hast." Bis heute ist er der schnellste 5.000-m-Läufer der Geschichte, der nicht afrikanischer Abstammung ist.

3 Fragen an Dieter Baumann: "Ich war nicht überrascht."

Dieter Baumann, ehemaliger Leichtathlet und Olympiasieger
Dieter Baumann rannte auch bei der WM 1994 in Helsinki zu Gold, auf nationaler Ebene holte er 40 Meistertitel
© deutsche presse agentur

Wie haben Sie den Husarenritt vor 28 Jahren erlebt? Wie lange dauerte es, bis sie den Sieg bei Olympia realisiert hatten?
Während eines Wettkampfes habe ich versucht, so wenig wie möglich zu denken. In Barcelona ist mir das zum Glück ganz gut gelungen. So konnte ich die Umstände - Olympische Spiele, viele Zuschauer im Stadion und vor dem Fernseher - gut ausblenden. Für mich war es kein Husarenritt, sondern eine ganz normale Aufgabe. Ich wollte das Rennen gewinnen. Ich war auch überzeugt, es zu schaffen. Dass es ein so wichtiges Rennen war, realisierte ich tatsächlich erst an den Reaktionen bei der Ankunft in Deutschland. Es war schon viel los insgesamt.

Wie überrascht waren Sie selbst? Mit welchem Ziel sind Sie in den Lauf - Goldmedaille?
Ich war nicht überrascht. Ich hatte eine gute bis sehr gute Chance zu gewinnen. Was viele vergessen, bis zu den Olympischen Spielen hatte ich im Jahr 1992 keinen Wettkampf verloren. Das gab mir auch das notwendige Selbstvertrauen.

Was hat sich danach für Sie verändert?
Sehr viel und doch wenig. Ich habe versucht, ein Läufer zu bleiben. Nur Läufer zu bleiben. Das ist mir aus einer Sicht gelungen. Und noch schöner, bis heute bin ich Läufer geblieben und mir geht es sehr gut dabei.