2018 M11 27 - 9:08 Uhr

Endlich eine Alternative zur Folie aus Kunststoff?

Sieht aus wie Plastik und fühlt sich auch so an – ist es aber nicht. Das deutsch-niederländische Unternehmen "Bio4Pack" produziert eine durchsichtige Alternative zur Verpackung aus Milchsäure und Zucker. Der Unterschied zu Plastik fällt nur beim genaueren Hinsehen – oder Riechen – auf. Aber die Niederländer sind uns wieder einen Schritt voraus: Das umweltschonende Bioplastik wird bisher nur in holländischen Supermärkten vertrieben.

Bürokratie steht Nachhaltigkeit im Weg

Deutschland ist Weltmeister in Sachen Nachhaltigkeit? Von wegen! Wir produzieren pro Jahr mehr als 14 Millionen Tonnen Plastik-Verpackungen. Die Folie aus Milchsäure und Zucker könnte also eine echte Alternative sein, um unsere Weltmeere und Müllhalden von Plastik zu befreien. Aber warum ist die Folie in Deutschland dann nicht zugelassen?

Die Kompostieranlagen stehen einer Einführung im Weg, denn die müssten umgebaut werden. Das Bio-"Plastik" braucht zwölf Wochen, um sich zu zersetzen. Normaler Biomüll braucht nur halb so lange, daher weigern sich die deutschen Kompostierer die Plastikalternative in die Biotonne zu lassen. Zum 1. Januar 2019 soll sich die Verpackungsverordnung in Deutschland ändern – das würde auch neue Hoffnung für das Bioplastik bedeuten. In den Komposter im Garten kann die "Bio4Pack"-Verpackung nicht, denn der erreicht nicht die nötige organische Temperatur.

Nicht essbar, aber dennoch aus Lebensmitteln hergestellt

Folien, Schalen und Co. können auch nachhaltig aus Bio-Plastik sein.
Auch feste Formen lassen sich aus dem nachhaltigen Produkt formen.
© @Bio4Pack

Für die meisten herkömmlichen Folien kann das Bioplastik schon genutzt werden – nur bei Vakuumverpackungen und heißen Lebensmitteln macht sie noch Schlapp. Das ist aber nicht das größte Problem, erzählt "Bio4Pack"-Geschäftsführer Patrick Gerritsen im Interview mit der "Süddeutschen Zeitung": "Die Siegelfolie muss dünn, durchsichtig und kompostierbar sein, aber trotzdem muss sie fest versiegeln."

Und auch wenn sich das Bioplastik nach der langersehnten Lösung zum Plastikproblem anhört, gibt es dennoch Kritik, denn die Rohstoffe sind Lebensmittel. Aber darauf hat Gerritsen eine einfache Antwort: "Wir holen den Zucker aus der Maisstärke, das ist eigentlich Tierfutter und für Menschen nicht genießbar. Davon nehmen wir 35 Prozent raus, der Rest geht zurück ins Tierfutter."

Die Firma stellt unterschiedliche Produkte her. Durchsichtige Folien werden beispielsweise aus Zuckerrohr gemacht. "Zuckerrohr ist ein essbares Produkt, wächst aber sehr schnell. Für Bioplastik werden europaweit genau 0,0002 Prozent der Ackerfläche eingesetzt", wendet Gerritsen ein.

Aber wie teuer ist das Bioplastik?

Die Verpackung kostet aktuell etwa das Dreifache der Variante aus Plastik. Für den Verbraucher ist das ein Aufpreis von drei bis vier Cent pro Verpackung – ein Mehrpreis, den viele sicherlich gerne bezahlen, wenn der weltweite Plastikverbrauch dadurch sinkt.