Konzern zahlt 9 Millionen Euro

Diesel-Verfahren gegen VW-Chefs Diess und Pötsch eingestellt

Herbert Diess und Hans Dieter Pötsch
© dpa, Hauke-Christian Dittrich, hcd htf wst kno

20. Mai 2020 - 9:57 Uhr

VW-Bosse entkommen Gerichtsverfahren im Diesel-Skandal

Das Strafverfahren wegen möglicher Marktmanipulation gegen VW-Konzernchef Herbert Diess und Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch soll gegen eine Zahlung von neun Millionen Euro eingestellt werden. Ein Sprecher des Kontrollgremiums von Volkswagen bestätigte am Dienstag eine entsprechende Einigung zwischen den beiden Angeklagten und der Justiz. Zuvor hatte das "Manager-Magazin" darüber berichtet.

Anklage im September 2019 erhoben

Wie das Magazin schreibt, kommen die beiden Volkswagen-Chefs gegen eine Zahlung von jeweils 4,5 Millionen Euro frei. Darauf hätten sich das Landgericht und die Staatsanwaltschaft Braunschweig mit den Angeschuldigten geeinigt, heiße es. Die beiden Bosse des Autoherstellers hatten die Vorwürfe stets zurückgewiesen.

Im September 2019 hatte die Staatsanwaltschaft Braunschweig Anklage wegen des Verdachts der Marktmanipulation gegen Volkswagen-Chef Herbert Diess, den Aufsichtsratsvorsitzenden Hans Dieter Pötsch und den früheren Konzernchef Martin Winterkorn erhoben. Die Ermittler warfen ihnen vor, im Zusammenhang mit dem Auffliegen des Abgasskandals im Herbst 2015 in den USA Anleger nicht rechtzeitig über das Ausmaß der finanziellen Folgen und drohenden Strafen informiert zu haben. Rechtsberater des Unternehmens sähen sich nun in ihrer Einschätzung bestätigt, dass die Vorwürfe gegen den Vorstandsvorsitzenden und den Chefkontrolleur nicht begründet seien.

Auch Verfahre gegen Ex-VW-Chef Winterkorn wackelt

ARCHIV - Martin Winterkorn, ehemaliger Vorstandsvorsitzender von Volkswagen, kommt am 19.01.2017 als Zeuge zur Sitzung des Abgas-Untersuchungsausschusses des Deutschen Bundestages in Berlin.(zu dpa «Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Winterkorn wegen
Gemeinsam mit Diess und Pötsch wurde auch Ex-VW-Chef Martin Winterkorn angeklagt.
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Auch das Strafverfahren gegen den früheren VW-Chef Martin Winterkorn wegen möglicher Marktmanipulation soll wackeln. Es könnte gegen Auflagen schon bald beendet werden, hieß es am Dienstagabend aus Winterkorns Umfeld.  Am Tag der Anklage hatte Winterkorns Anwalt Felix Dörr die Vorwürfe "mit aller Entschiedenheit" zurückgewiesen: "Herr Prof. Dr. Winterkorn hatte keine frühzeitige Kenntnis von dem gezielten Einsatz einer verbotenen Motorsteuerungssoftware in US-Diesel-Pkw", erklärte der Jurist. "Wesentliche Informationen, die ihn in die Lage versetzt hätten, bereits bekannte Probleme mit den US-Dieselmotoren zutreffend einzuordnen, erreichten ihn damals nicht."