Diesel-Razzia bei Opel: Kraftfahrt-Bundesamt kündigt Rückruf an

Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) will rund 100.000 Dieselfahrzeuge des Autobauers Opel zurückrufen.
Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) will rund 100.000 Dieselfahrzeuge des Autobauers Opel zurückrufen.
© deutsche presse agentur

15. Oktober 2018 - 22:55 Uhr

Rückruf von rund 100.000 Dieselfahrzeugen

Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) will für den Autobauer Opel einen Rückruf von rund 100.000 Dieselfahrzeugen anordnen. Der Grund: Pfusch bei der Abgasreinigung. Nach Auffinden einer Abschalteinrichtung, die das KBA als unzulässig eingestuft habe, stehe der amtliche Rückruf "kurz bevor", teilte das Bundesverkehrsministerium am Montag in Berlin mit.

Euro-6-Dieselwagen der Modelle Insignia, Zafira und Cascada unter Verdacht

Abgaseinrichtung Diesel
Autobauer begründen Abschalteinrichtungen mit dem sogenannten Motorschutz vor allem bei Kälte oder Hitze. Bei vielen Modellen gibt es aber Zweifel daran, ob dies wirklich notwendig ist.
© dpa, Marijan Murat, mut rho lof

Opel steht jetzt im konkreten Verdacht, die Abgaswerte bei Dieselfahrzeugen mit einer Software-Funktion manipuliert zu haben. Am Montag haben Ermittler die Geschäftsräume des Unternehmens in Rüsselsheim und Kaiserslautern durchsucht. Sie hegen einen Anfangsverdacht des Betrugs, weil Opel möglicherweise Dieselfahrzeuge mit manipulierter Abgas-Software in den Verkehr gebracht habe, wie die Frankfurter Oberstaatsanwältin Nadja Niesen erklärte.

Laut "Bild.de" geht es im Fall Opel um rund 100.000 Fahrzeuge. Betroffen sind Euro-6-Dieseautos der Modelle Insignia, Zafira und Cascada aus den Baujahren 2012 bis 2017. Die Fahrzeuge haben demnach die zusätzliche Reinigung bei hohen Drehzahlen und in einem breiten Bereich von Außentemperaturen abgeschaltet. Opel hatte die Technik stets verteidigt, weil sie notwendig für den Schutz von Motorbauteilen sei.

Die Fahrzeuge sind schon länger Gegenstand von Prüfungen des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA), auf dessen Strafanzeige die aktuellen Durchsuchungen zurückgehen sollen. Im Jahr 2017 hatte die Staatsanwaltschaft ein erstes Ermittlungsverfahren eingestellt. Damals sei es um andere Autos und Vorwürfe gegangen, sagte Niesen.

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Trotz der laufenden Betrugsermittlungen beharrt Opel darauf, dass die Fahrzeuge den geltenden Vorschriften entsprechen. Das Unternehmen bestätigte staatsanwaltschaftliche Untersuchungen, wollte sich zu den Details aber nicht äußern. Man kooperiere im vollen Umfang mit den Behörden, hieß es nur. Die Ermittler wollen nun zunächst die Unterlagen auswerten, um dann möglicherweise mit Vernehmungen fortzufahren.

Wenn die Abgasreinigung nicht richtig arbeitet, stoßen Dieselautos mehr gesundheitsschädliche Stickoxide aus als vorgesehen. Da in vielen Städten Luftgrenzwerte überschritten werden, drohen dort Fahrverbote für Dieselautos.