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Diesel-Fahrverbote in Deutschland: Schlechte Luft oder nur falsch gemessen?

Luft-Messwerte in deutschen Städten in der Kritik
Luft-Messwerte in deutschen Städten in der Kritik Diskussion über Stickstoffdioxid-Werte 01:50

Wie repräsentativ sind die Luft-Messwerte?

Nach dem Diesel-Abgasskandal folgten in zahlreichen Großstädten Fahrverbote für die betroffenen Fahrzeuge. Die Regelung soll für weniger Abgase und bessere Luft in den Metropolen sorgen. Doch jetzt gibt es Gegenwind: Zahlreiche Luftmessstationen in Deutschland sollen falsch platziert sein und deshalb zu hohe Werte messen. Was bedeutet das für Fahrverbote?

Mindestabstand wird nicht eingehalten

Nach "Dieselgate" geraten nun Luftmessstationen in Deutschland ins Visier. Sie stehen in vielen Städten wie Berlin, Essen oder Frankfurt deutlich zu nah an Straßenkreuzungen und zeigen dadurch erhöhte Stickstoffdioxid-Werte. Der Mindestabstand von 25 Metern zu Verkehrsknotenpunkten wird nicht eingehalten – ein klarer Verstoß gegen die Luftqualitätsrichtlinie der EU.

Die zuständigen Umweltämter verteidigen sich mit dem Argument, dass eine Platzierung der Messstellen nicht anders möglich gewesen sei. "Einige ältere Messstationen können von den Kriterien abweichen, da diese bereits lange vor der jetzigen Rechtsprechung aufgestellt wurden", zitiert die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" das Umweltbundesamt. An einigen Stellen wird sogar doppelt gemessen: Die alten Messstellen blieben trotz zusätzlicher Stationen stehen, um langfristige Entwicklungen zu dokumentieren.

Warum die falschen Messungen problematisch sind und wie Angela Merkel zu den Fahrverboten steht, sehen Sie im Video.

"Wir sind die Messidioten von Europa"

Oliver Luksic, der verkehrspolitischer Sprecher der FDP sieht die großräumigen Fahrverbote durchaus kritisch: "Wir haben nur in Deutschland flächendeckend Fahrverbote, weil wir die Messidioten in Europa sind. Wir messen zu nah am Auspuff." Repräsentativ sei das nicht und auch ein Nachteil gegenüber anderen Ländern.

Die Verkehrsminister von Bund und Ländern beschlossen bereits im April, alle Stationen vom Deutschen Wetterdienst überprüfen zu lassen. Von den ersten acht Messstellen in Nordrhein-Westfalen blieben nur vier unbeanstandet, wie das Bundesumweltministerium der "FAS" bestätigte. Bei dreien empfahl der Wetterdienst technische Veränderungen. Bei einer weiteren Station reichte auch das nicht: Eine große Kreuzung war zu nah.

Ob die Überprüfungen allerdings Auswirkungen auf bestehende oder drohende Fahrverbote haben können, ist derzeit noch offen. Es ist jedoch zu erwarten, dass sich insbesondere Grüne Verkehrsminister wie in Bremen, Hessen oder Baden-Württemberg gegen die Aufhebung von Fahrverboten aussprechen würden.

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