#Der Apotheker klärt über Wechselwirkungen auf

Diese Medikamente sollten Sie niemals zusammen einnehmen!

Wer verschiedene Medikamente gleichzeitig nimmt, sollte seinen Arzt oder Apotheker nach möglichen Wechselwirkungen befragen.
Wer verschiedene Medikamente gleichzeitig nimmt, sollte seinen Arzt oder Apotheker nach möglichen Wechselwirkungen befragen.
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06. Mai 2021 - 14:51 Uhr

Richtige Einnahme der Medikamente ist das A und O

Ob zur Behandlung akuter Beschwerden wie Kopf- oder Magenschmerzen oder zur Bewältigung des Lebens mit einer chronischen Krankheit wie Diabetes oder Depressionen: Medikamente sind aus unserem Leben nicht wegzudenken. Damit sie richtig wirken können, müssen Sie bei der Einnahme einiges beachten. #Der Apotheker – ein Apotheker, der unter diesem Pseudonym schreibt - erklärt in seinem Buch "Die Wahrheit über unsere Medikamente"* 🛒, wann Arzneimittel helfen, wann sie schaden und wie gefährlich Wechselwirkungen mehrerer gleichzeitig eingenommener Medikamente sein können.

"Nicht mehr als drei Gramm ASS pro Tag einnehmen"

Der Wirkstoff Acetylsalicylsäure (ASS) zählt zu den gängigsten Medikamenten. Er wirkt schmerzstillend, fiebersenkend und entzündungshemmend zugleich. ASS wird außerdem Patienten mit einem erhöhten Thromboserisiko verschrieben, da es die Blutgerinnung verringert und auf diese Weise verhindert, dass Blutplättchen miteinander verkleben. Dies ist beispielsweise für Menschen wichtig, die an einer koronaren Herzkrankheit leiden.

Bei der Einnahme von ASS gilt es laut dem Experten jedoch einiges zu beachten: "In einer Dosierung von 500 bis 1000 Milligramm pro Einzeldosis, das entspricht ein bis zwei Tabletten, nimmt man ASS gegen Schmerzen und Fieber ein. Frühestens nach vier Stunden darf die nächste Dosis eingenommen werden." Dabei sollten drei Gramm pro Tag jedoch nicht überschritten werden. "Bei älteren Patienten ab 65 Jahren darf die Gesamtdosis jedoch vier Tabletten nicht überschreiten", warnt #DerApotheker.

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Darum sollten Sie ASS 100 nicht zusammen mit Ibuprofen einnehmen

Zudem rät er dringend davon ab, den Blutverdünner ASS gemeinsam mit dem Schmerzmittel Ibuprofen einzunehmen. Wird nämlich Ibuprofen zeitlich vor ASS eingenommen, besetzt es die Rezeptoren, an die auch der blutverdünnende Wirkstoff andocken würde. "Folglich kann das ASS nicht mehr verhindern, dass sich die Thrombozyten zusammenlagern. Und wenn das ASS nicht wirken kann, erhöht sich die Gefahr einer Zusammenlagerung der Thrombozyten, was wiederum einen Herzinfarkt, eine Lungenembolie oder einen Schlaganfall auslösen könnte", fasst der Experte zusammen.

Und empfiehlt für die Kombination von ASS 100 und Ibuprofen: "Nehmen Sie maximal eine Tablette Ibuprofen am Tag, und zwar frühestens zwei Stunden nach der Einnahme des ASS 100 und bis zu acht Stunden vor der nächsten." Bedenkenlos könne ASS 100 zudem mit dem Schmerzmittel Paracetamol kombiniert werden.

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Warum Sie kein Johanniskraut einnehmen sollten, wenn Sie die Pille nehmen

Etwa sieben Millionen Frauen in Deutschland verhüten laut Angaben der Techniker Krankenkasse mit der Antibabypille (Stand 2020). Vielen Frauen ist dabei nicht bewusst, dass die Wirkung der Pille durch andere gleichzeitig eingenommene Präparate beeinträchtigt werden kann. Das gilt auch für pflanzliche Mittel.

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So kann zum Beispiel Johanniskraut die Wirkung der Pille reduzieren, wie #DerApotheker erklärt: "Das heißt, die Wahrscheinlichkeit, schwanger zu werden, steigt, wenn sie beide Arzneimittel (Antibabypille und Johanniskraut, Anm. d. Red.) zusammen einnehmen." Daher sei es wichtig, die behandelnden Ärzte immer über sämtliche Medikamente, die Sie gerade einnehmen, aufzuklären. So könne der entsprechende Arzt von vornherein ein anderes Präparat verschreiben, das die gleiche Wirkung hat, sich mit dem anderen – in diesem Fall der Pille – aber besser verträgt.

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Empfehlung, Antibiotika nicht mit Milchprodukten einnehmen, gilt nur noch bedingt

Genauso, wie manche Warnhinweise zur Tabletteneinnahme aus Unwissenheit missachtet werden, gibt es auch manche Empfehlungen, die sich hartnäckig halten, jedoch mittlerweile überholt sind. Dazu zählt der Hinweis, man solle Antibiotika nicht zusammen mit Milchprodukten einnehmen.

Generell würden Antibiotika eingesetzt, um Bakterien zu töten oder aber deren Wachstum zu bremsen, erläutert der Experte. Wichtig sei, dass Antibiotika alle acht Stunden und immer zusammen mit einer Mahlzeit eingenommen werden. Die Warnung, Antibiotika mit Milchprodukten zu kombinieren, gelte jedoch nur noch für die wenigsten Präparate. "Im Grunde können Sie zu den meisten Antibiotika Milch trinken oder Milchprodukte essen", klärt der Experte auf.

"Ein Problem stellt die Milch hauptsächlich bei der Einnahme von Antibiotika der Wirkstoffgruppen der Tetracycline und der Fluorchinolone dar", so #DerApotheker weiter. Doch aufgrund schwerwiegender Nebenwirkungen würden Fluorchinolone nicht mehr so häufig verschrieben.

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Tabletten richtig teilen: Darauf müssen Sie achten!

Und auch mit einem anderen häufigen Missverständnis räumt der Experte auf: "Eine Kerbe in der Tablette heißt nicht, dass die Tablette geteilt werden darf", erklärt #DerApotheker. Ob Sie eine Tablette teilen dürfen oder nicht, sehen Sie der Tablette also in der Regel nicht an. "Tabletten können auch sogenannte Schmuckkerben enthalten." Diese dienten vor allem zur besseren Unterscheidbarkeit der Tabletten. Grundsätzlich sollten Sie bei Ihrem Apotheker erfragen oder im Beipackzettel nachlesen, ob Sie die entsprechende Tablette teilen dürfen oder nicht.

Denn teilt man eine Tablette mit Schmuckkerbe, kann dies dazu führen, dass man, je nach Überzug der Tablette, "nicht in beiden Hälften die gleiche Menge an Wirkstoff hat, sodass es zu einer falschen Dosierung kommt", warnt der Experte. Zudem könne es passieren, dass das Teilen der Tablette den Wirkstoff zerstöre, weil dieser dadurch in Kontakt mit der Magensäure kommen kann.

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"Wenn man die Tablette tatsächlich teilen darf, sollte man das am besten mit einem Tablettenteiler machen. So geht am wenigsten Wirkstoff verloren", rät der #DerApotheker. Die Tabletten mit einem Messer zu teilen sei zu ungenau. Dabei entstünden häufig Krümel, die dann einfach weggeworfen würden, obwohl sie ebenfalls Wirkstoff enthielten. "Bei kleinen Tabletten kann das einen großen Unterschied in der Wirksamkeit machen", warnt der Experte.

#DerApotheker will über die häufigsten Fehler bei der Einnahme gängiger Medikamente aufklären

Bereits seit 2018 klärt #DerApotheker auf seinem Blog "Das hat mir noch nie jemand gesagt!" bei Twitter über die häufigsten Fehler bei der Einnahme gängiger Medikamente wie beispielsweise Ibuprofen oder L-Thyroxin auf. in seinem Buch "Die Wahrheit über unsere Medikamente" greift er nun die gängigsten Medikamente auf.

#DerApotheker schreibt unter einem Pseudonym. Er hat Pharmazie studiert und arbeitet seit etwa zehn Jahren als approbierter Apotheker.

Das Ziel seines Buches beschreibt er folgendermaßen: "Ich möchte möglichst viele Infos zu Arzneimitteln und anderen wichtigen Fakten aus der Apotheke liefern, sodass jeder bei der Lektüre dieses Buches das ein oder andere Aha-Erlebnis hat und in Zukunft besser über sich und seine Arzneimittel Bescheid weiß."

NRI

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