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Diese Lockerungen hält Schleswig-Holstein für möglich, wenn die Corona-Zahlen sinken

Vorschnelles Versprechen oder Signal der Hoffnung?

Schleswig-Holsteins Perspektivplan für den Fall, dass die Corona-Zahlen sinken

Das Rolltor eines Warenhauses ist geschlossen
Das Rolltor eines Warenhauses ist geschlossen. Foto: Thomas Frey/dpa/Archivbild
deutsche presse agentur

Alles hängt von der Inzidenz ab

Schleswig-Holstein hat als erstes Bundesland am Dienstag in Kiel einen Perspektivplan vorgestellt, für den Fall, dass die Corona-Zahlen sinken. Der sogenannte Perspektivplan des Landes Schleswig-Holstein hängt vor allem von einer Zahl ab: Der Inzidenz.

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Bestimmte Öffnungsschritte nach und nach möglich

Also der Anzahl der neuen Corona-Erkrankungen der vergangenen sieben Tage pro 100.000 Einwohner. "Das heißt unterschreiten einer 100er Inzidenz, unterschreiten einer 50er Inzidenz, unterschreiten einer 35er Inzidenz. Das bedeutet, wenn sie über 7 Tage dauerhaft unterschritten werden, in anderen Fällen auch 21 Tage, dann sind weitere Öffnungsschritte möglich“, erklärt Ministerpräsident Daniel Günther (CDU).

„Menschen brauchen Hoffnung“

Die Landesregierung hält es für den richtigen Zeitpunkt diese Öffnungsschritte jetzt zu planen, so auch schleswig-holsteins Gesundheitsminister Heiner Garg (FDP): „Wir wissen nicht, wie die Zukunft aussieht, es ist aber auch nicht immer nur hilfreich, die Welt noch dunkler zu malen, sondern Menschen brauchen Hoffnung und Menschen brauchen eine Perspektive“. Weiter ergänzt er: „Wenn wir alle an einem Strang ziehen, dann wird das auch was.“

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Stufenplan dient als Vorschlag für den Bund

Ministerpräsident Daniel Günther hatte schon in der vergangenen Woche verkündet, dass er und sein Kabinett an Plänen für die Zeit nach dem harten Lockdown arbeiten. Der nun vorgestellte 4-Stufenplan soll allerdings kein Alleingang, sondern ein Vorschlag für die Bundesebene sein und könnte ab dem 15. Februar zum Einsatz kommen. Unter anderem soll gelten:

Stufe 4: Inzidenz über 100

  • Keine Änderungen

Stufe 3: Inzidenz sieben Tage unter 100

  • max. fünf Personen dürfen sich aus zwei Haushalten treffen
  • Kitas wechseln in den eingeschränkten Regelbetrieb
  • Schulen gehen in den Wechselbetrieb

Stufe 2: Inzidenz sieben Tage unter 50

  • Kitas gehen in den Regelbetrieb
  • Klassen 1-6 dürfen wieder in den Präsenzunterricht
  • Einzelhandel und Gastronomie können unter Auflagen öffnen

Stufe 1: Inzidenz sieben Tage unter 35

  • max. zehn Personen dürfen sich aus mehreren Haushalten treffen
  • Schulen kehren zum Regelbetrieb zurück
  • Theater, Konzerthäuser und Kinos dürfen unter Auflagen öffnen

„Es ist ein überfälliges Signal“

RTL-Politik-Experte Heiner Bremer hält diesen Ausblick für den richtigen Schritt. „Es ist ein überfälliges Signal, denn je länger die Pandemie dauert, je öfter der Lockdown mit allen seinen Verboten, das ist ja reine Verbotspolitik, verlängert wird, desto stärker wächst auch das Unbehagen.“ Der innere Widerstand der Bürger würde wachsen. Da müsse es jetzt mal ein Signal der Hoffnung geben, so Bremer weiter.

Schleswig-Holsteiner geteilter Meinung

Viele Schleswig-Holsteiner*innen begrüßen die neue Perspektive. Aber es gibt auch Bedenken gegen Lockerungen. „Also aufgrund der Mutante, die jetzt auch über Dänemark zu uns übergeschwappt ist von Großbritannien, bin ich ein Gegner davon“, so eine Schleswig-Holsteinerin und hält das Prinzip Durchhalten für den besseren Weg. Dazu kommt, dass Schleswig-Holstein von den Inzidenzwerten her ein Flickenteppich ist und es von Landkreis zu Landkreis unterschiedliche Werte gibt. Insgesamt liegt der Inzidenzwert am Dienstag (26.Januar 2021) bei 89,7, aber im Landkreis Plön ist er mit 35,7 viel niedriger. Und im Kreis Pinneberg mit 183,2 viel höher.

Nachbarland Hamburg will noch keine Lockerungsdebatte führen

Im Nachbarland Hamburg als Stadtstaat ist die Situation etwas übersichtlicher. Hier liegt der Inzidenzwert am Dienstag bei 94,6 und ist damit weiter am Sinken. Lockerungen kommen zurzeit aber nicht in Frage. "Wir haben immer noch eine viel zu hohe Inzidenz und vor dem Hintergrund mit der Entwicklungen mit den Mutationen, können wir hier nicht darüber sprechen, dass wir vorzeitig Dinge lockern“, so Julia Offen die stellvertretende Senatssprecherin. Und zum jetzigen Zeitpunkt solle über den 14. Februar hinaus noch keine Lockerungsdebatte geführt werden.

Auch Schleswig-Holstein will den Wandel mit Bedacht gestalten. Schließlich wolle man keinen Sonderweg gehen, sondern eine bundesweite Verständigung erreichen.