Kamera-Kaufberatung

Diese Kompaktkameras schießen scharf: Nie mehr maue Handy-Urlaubsfotos

Kompaktkameras spielen vor allem bei schlechten Lichtverhältnissen ihre Vorteile gegenüber den Smartphone-Linsen aus.
© iStockphoto

14. Juli 2020 - 6:26 Uhr

Kompaktkameras – welches Modell kaufen?

Für Schnappschüsse im Urlaub reicht ein Handy oft aus. Doch in einigen Situationen gelingen mit den Smartphone-Knipsen einfach keine guten Bilder – etwa bei Dämmerlicht. So manche Aufnahme vom festlichen Abendessen ist daher verwackelt und unansehnlich. Schade, denn diese Momente holen Sie nicht mehr zurück. Viele Kompaktkameras* meistern selbst solch schwierige Situationen mit links und bieten weitere Vorteile, haben aber auch Nachteile. Hier eine Übersicht – und empfehlenswerte Modelle.

Kompaktkameras: Die Vorteile

Bokeh: Sonnenuntergang
Schön unscharf: Das sogenannte Bokeh sorgt für tolle Bildkompositionen und Stimmungen.
© Udo Lewalter

Ohne lästiges Wechseln teurer Objektive gute Bilder machen – einfach fotografieren ohne viel Gedöns und Einstellerei? Das bieten Handy-Kameras in der Regel auch. Was also spricht für eine Kompaktkamera*?

  • Hintergrundunschärfe: Es sieht toll – und professionell – aus, wenn der Hintergrund beispielsweise bei einer Porträtaufnahme verschwimmt. Mit vielen Handys lässt sich der sogenannte Bokeh-Effekt erreichen. Doch das klappt zumeist nur bei Fotos, Videos mit Tiefenunschärfe nehmen nur ganz wenige Smartphones auf – etwa das Samsung Galaxy S20 Ultra* 🛒 (mit der Live-Fokus-Video-Funktion). Doch ob Video oder Foto: Die Ergebnisse sind bei Handys nicht immer überzeugend. Warum? Algorithmen bauen den Bokeh-Effekt nachträglich ein, bei feinen Strukturen wie Haaren versagt die Technik jedoch häufig. Die Ergebnisse sind dann nicht vorzeigbar. Kompaktkameras* liefern den Effekt ganz "natürlich" ab – durch eine offene Blende, die viel Licht auf den Sensor lässt. Damit sieht jede Bokeh-Aufnahme klasse aus. Das ist ein großer Vorteil, denn nicht jeder Moment lässt sich wiederholen.
  • Aufnahmen bei schlechten Lichtverhältnissen: Bei Tageslicht sehen Handy-Fotos in der Regel richtig gut aus, doch schon bei Dämmerlicht nimmt die Qualität ab. Dann stört ein unschönes Rauschen im Bild. Kompaktkameras* hingegen liefern ansprechende Fotos auch bei wenig Licht, weil deren Sensoren zumeist größer ausfallen und sie somit eine höhere Lichtempfindlichkeit haben.
  • Manuelle Einstellmöglichkeiten: Im Automatik-Modus kümmern sich Handy und Kompaktkamera selbsttätig um Einstellungen wie Belichtungszeit, Blende und ISO-Wert. Doch wer manuell an diesen Reglern dreht, holt in vielen Situationen noch mehr aus dem Motiv heraus – Sie bestimmen darüber vereinfacht gesagt selbst, wie viel Licht für eine Aufnahme verwendet werden soll, und ändern damit beispielsweise bewusst die (Licht-)Stimmung. Bei den meisten Handys lassen sich solche Einstellungen serienmäßig nicht verändern. Oft helfen da nur Zusatz-Apps – die kosten Geld und sind kompliziert. Bei Kompaktkameras* drehen Sie einfach nur an ein, zwei Rädchen – fertig.
  • Zoomen: Mit vielen aktuellen Handys lassen sich Objekte heranholen – sprich: Sie können damit zoomen. Doch dabei verschlechtert sich zumeist die Bildqualität drastisch, denn der sogenannte digitale Zoom vieler Geräte vergrößert nur den Ausschnitt des geschossenen Bildes (und berechnet fehlende Daten per Algorithmus). Der Effekt: Bilder sehen pixelig aus. Kompaktkameras* haben hingegen in der Regel einen optischen Zoom, der die Auflösung des Bildes beim Zoomen nicht verschlechtert.

Kompaktkameras: Die Nachteile

  • Gewicht: Kompaktkameras* wiegen zwar selten mehr als 400 Gramm, dennoch ist es ein weiteres Gerät, das Sie einpacken müssen – ein Handy haben Sie in der Regel immer dabei.
  • Preis-Leistungs-Verhältnis: Eine empfehlenswerte Kompaktkamera gibt es nicht für unter 800 Euro. Hinzu kommen Kosten für eine Speicherkarte und einen Zusatz-Akku, da legt man schnell 1.000 Euro auf die Ladentheke. Dafür bekommen Sie auch ein tolles Smartphone* 🛒, das deutlich mehr bietet als nur die Foto-Funktion – ein Beispiel folgt im nächsten Punkt.
  • Anbindung an soziale Netzwerke: Unterwegs im Urlaub ein richtig starkes Foto knipsen – und gleich mit Freunden und der Familie via Instagram, WhatsApp & Co. teilen: Das geht prima mit dem Handy, aber nicht mit einer Kompaktkamera. Der fehlt in der Regel die Anbindung an das Internet.  

Für wen lohnt eine Kompaktkamera?

Eine Kompaktkamera ist letztlich also genau das Richtige für Sie, wenn Sie auch ohne große Vorkenntnisse und Einstellerei tolle Bilder beinahe auf Profi-Niveau machen möchten – selbst bei schlechten Lichtverhältnissen. Der Markt ist prall gefüllt, hier zeigen wir empfehlenswerte Geräte.

Sony ZV-1: Starke Kompaktkamera für Vlogger

Sony ZV-1
Sonys ZV-1 macht auch bei Dämmerlicht gute Fotos und bietet tolle Features für Vlogger.
© Sony

Sonys ZV-1* liefert – wie die Schwester Sony Cyber-shot DSC-RX100 VII* – qualitativ hochwertige Bilder und knackscharfe Videos in 4K-Auflösung. Ein schneller Autofokus stellt laut Hersteller blitzschnell scharf. Dank Augenerkennung verfolgt die Linse bei Porträtaufnahmen nicht nur kontinuierlich ein Motiv (Mensch und Tier), sondern auch dessen Augen – so sind Gesichter stets scharf im Bild. Toll für YouTuber & Co.: Die Kamera erzeugt bei laufenden Aufnahmen auf einen Klick den tollen Bokeh-Effekt – komplizierte Einstellungen an der Blende sind dazu nicht nötig. Zudem lässt sich das Display seitlich wegklappen, so sehen Sie beim Dreh, ob Sie im Bild sind. Das ist auch nötig, denn das 24-70-Millimeter-Objektiv ist nicht sonderlich weitwinklig, da rutscht man schnell aus dem Bild. Apropos Bild: Einen Sucher hat Sony nicht eingebaut. Sie prüfen den Bildausschnitt über das Display – bei grellem Sonnenlicht ist das nicht optimal. Auch ein integrierter Blitz fehlt. Dafür hat Sony einen aufsteckbaren Windschutz beigelegt, der selbst in stürmischen Situationen für guten Ton bei Videoaufnahmen sorgt. Daumen hoch. Schwach fällt hingegen die Akkuleistung aus: Bei 4K-Aufnahmen hält die Batterie keine 60 Minuten durch. Der Kauf eines Tauschakkus ist also vor der nächsten Urlaubsreise Pflicht.

  • Auflösung: 20,1 Megapixel
  • Brennweite: 24 bis 70 Millimeter
  • Blende: f/1.8 bis 2.8
  • Seitlich ausklappbares Display
  • Aufsteckbarer Windschutz
  • Preis: ca. 800 Euro

🛒 Zum Angebot bei Media Markt: Sony ZV-1*

Panasonic Lumix DC-G110: Die günstige(re) Alternative

Panasonic Lumix DC-G110
Panasonic Lumix DC-G110: Blitz und elektronischer Sucher sind an Bord.
© Panasonic

Die Panasonic Lumix DC-G110* liegt bei der Bild- und Videoqualität auf einem Niveau mit der Rivalin von Sony. Mit einem Preis von 700 Euro ist sie aber günstiger – und bietet einiges mehr an Ausstattung. So ist ein aufklappbarer Mini-Blitz verbaut, der das Umfeld bei Dämmerlicht ein wenig aufhellt. Klasse auch: Ist das Sonnenlicht zu grell, um sich auf dem Touch-Display einen Eindruck vom Motiv zu machen, schauen Sie durch den elektronischen Sucher, der mit 1280x960 Pixeln eine sehr gute Auflösung liefert. Im Vergleich zur Sony ZV-1* zeigen sich aber auch Schwächen – zeitlich begrenzte Videoaufnahmen etwa: So stoppt die Kamera 4K-Aufnahmen selbsttätig nach nur zehn Minuten, bei Full-HD-Auflösung schaltet sie nach 30 Minuten ab. Zudem ist die Lumix anfälliger für Windgeräusche, da ihr serienmäßig kein Windschutz beiliegt.

  • Auflösung: 20,3 Megapixel
  • Brennweite: 12 bis 32 Millimeter
  • Blende: f/3.5 bis 5.6
  • Seitlich ausklappbares Display
  • Aufklappbarer Blitz
  • Preis: ca. 700 Euro

🛒 Zum Angebot bei Saturn: Panasonic Lumix DC-G110*

Leica Q2: Edel, extrem gut – und extrem teuer

Leica Q2
Leica Q2: Das Gehäuse ist gegen Wasser und Staub abgedichtet.
© Leica

48 Megapixel, Magnesiumgehäuse, OLED-Sucher, Videos im knackscharfen 17:9-Cinema-Format (mit 4096 x 2160 Bildpunkten) und, und, und – die Leica Q2* ist eine Kompaktkamera der Superlative. Entsprechend herausragend fällt auch die Qualität der Foto- und Videoaufnahmen aus. Das lichtstarke Objektiv mit Bildstabilisator erlaubt selbst in dunklen Umgebungen größtenteils wackelfreie Aufnahmen aus der Hand – ohne Stativ also. Die Bedienung der Kamera fällt klassisch aus: Über diverse Objektivringe und Einstellräder lassen sich Details wie Blende, Makroaufnahme, Verschlusszeit oder ISO-Wert wählen. Doch auch Einsteiger kommen klar: Auf Wunsch übernimmt ein Automatikmodus viele Einstellungen selbsttätig. Schwächen lassen sich kaum ausmachen. Den einen oder anderen stört möglicherweise, dass ein Mikrofonanschluss fehlt und dass sie mit 734 Gramm etwas schwerer als andere Kompaktkameras* ausfällt. Die größte Hürde dürfte jedoch der Preis sein: Satte 4.900 Euro verlangt der Kamerahersteller aus Wetzlar für seine edle Kompakte.

  • Auflösung: 48 Megapixel
  • Brennweite: 28 Millimeter
  • Blende: f/1.7 bis 16 (Weitwinkel)
  • OLED-Sucher
  • Preis: ca. 4.900 Euro

🛒 Zur Übersicht bei idealo: Leica Q2*

Insta360 One R Twin Edition: Der 360-Grad-Exot

Insta360 One R Twin Edition
Praktisch: Bei der Insta360 One R Twin Edition tauschen Sie das Kameramodul (links) auf Wunsch aus
© Insta360

Der Aufbau der Insta360 One R* erinnert an das Lego-Prinzip: Der Twin-Edition liegen zwei Kamera-Module bei, die sich beliebig wechseln lassen – einfach das eine abziehen und das andere aufstecken, fertig. Linse Nummer eins liefert ganz klassisch Fotos und Videos. Filme lassen sich mit bis zu 60 Bildern pro Sekunde bei 4K-Auflösung aufnehmen. Die Kamera erlaubt zudem Weitwinkelaufnahmen – auf Wunsch sogar in Fischaugen-Optik wie Actioncams etwa von GoPro sie liefern. Tolle Zeitlupen- sowie Zeitraffer-Aufnahmen sind ebenfalls möglich. Auf dem zweiten Modul sitzen zwei Fischaugen-Objektive, die jeweils einen Bereich von 180 Grad abdecken. Dank dieser Technik erstellen Sie Bilder und Videos mit Rundumblick – spektakuläre 360-Grad-Aufnahmen. Die Insta360 lässt sich über das drei Zentimeter große Touch-Display, per Sprachsteuerung oder Smartphone-App bedienen. Letztere bietet zudem zahlreiche Bild- und Videobearbeitungsmöglichkeiten. Klasse: Die One R ist bis zu fünf Metern Tiefe wasserdicht – ohne zusätzliche Schutzhülle. Die Qualität der Videos und Bilder ist bei Sonnenschein gut, die Aufnahmen sind scharf und detailreich. Farben fallen teils allerdings etwas flach aus. Bei Dämmerlicht zeigt sich die Schwäche des kleinen Sensors, der in der Kamera steckt: Ähnlich wie bei Smartphone-Aufnahmen kommt es zu starkem Bildrauschen und Kontrastverlust. Die Insta360 One R ist ganz klar eine Schönwetter-Kamera.

  • Auflösung: 12 Megapixel
  • Brennweite: 7,2 bis 16,4 Millimeter
  • Blende: f/2.0
  • Wasserdicht bis fünf Meter
  • Preis: circa 480 Euro

🛒 Zum Angebot bei Media Markt: Insta360 One R Twin Edition*

Alternative: Formfaktor und Funktionsprinzip der kompakten und modularen Insta360 One R gefallen Ihnen zwar, Sie legen aber Wert auf ein lichtstarkes Objektiv, mit dem sich selbst bei schlechteren Lichtverhältnissen gute Aufnahmen schießen lassen? Dann ist möglicherweise die Insta360 One R 1-Inch Edition* interessant für Sie. Die besitzt einen hochwertigen 1-Zoll-Bildsensor von Leica, der qualitativ gute Aufnahmen liefert. Die Kamera kostet allerdings knapp 600 Euro. Ein happiger Preis – denn dafür bekommen Sie schon fast eine ausgewachsene Kompaktkamera wie die Panasonic Lumix DC-G110*. Übrigens: Wer die Insta360 One R Twin Edition* bereits hat, kauft das Leica-Modul auf Wunsch nach – und zahlt für das Aufsteckmodul circa 320 Euro. Auch kein Schnäppchen ...


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