Muss der Drogenboss lebenslang in den Knast?

Diese Jury entscheidet nun über „El Chapo“- und darum brauchen sie so lang!

07. Februar 2019 - 11:14 Uhr

Aus Angst vor Rache: Namen der Geschworenen streng geheim

Am Montag hat sich die Jury im Prozess um Drogenbaron Joaquín "El Chapo" Guzmán erstmals für eine Beratung hinter verschlossenen Türen zurückgezogen. Doch noch immer haben sie in einem der spektakulärsten Drogenprozesse aller Zeiten kein Urteil gefällt. Aus Angst vor Racheakten des berüchtigten Sinaloa-Kartells, deren Chef Guzmán war, werden die Namen der Geschworenen streng geheim gehalten. Wie RTL-Reporterin Sandra Lange vor Ort in New York erfuhr, sind nun trotzdem einige Details durchgesickert.

Guzmán soll 200 Tonnen Koks geschmuggelt haben

Die Jury besteht demnach aus sieben Frauen und fünf Männern. Zwei von ihnen sollen fließend Spanisch sprechen, einer von ihnen ist ein Rentner, der früher in einer Strafvollzugsbehörde arbeitete. In welchen Anklagepunkten sie Guzmán schuldig sprechen werden, ist derzeit noch unbekannt. Klar ist nur: Die Beratungen ziehen sich hin. Seit mittlerweile drei Tagen beraten die zwölf Geschworenen über das Urteil.

Und das überrascht nicht. Denn die Menge an Beweisen ist enorm. In drei Monaten sagten 56 Zeugen in insgesamt 200 Stunden Interviews aus. Hinzu kommen Hunderte Beweise, darunter Waffen und Drogen. Allein 36 Seiten umfasst die Anklageschrift. Sie besteht aus zehn Anklagepunkten, von denen eine allein 27 Unterpunkte hat. Es geht um organisierte Kriminalität, Geldwäsche und sogar Mord. Insgesamt soll der 61-jährige Drogenboss 200.000 Kilo Kokain geschmuggelt haben. Zeugen warfen ihm außerdem vor, Sex mit Minderjährigen gehabt zu haben. Die Vorwürfe spielen im aktuellen Prozess aber keine Rolle.

Schon wenn "El Chapo" in drei Fällen der organisierten Kriminalität schuldig gesprochen wird, reicht es für eine lebenslange Haftstrafe, egal wie die anderen neun Anklagepunkte entschieden werden. Die Todesstrafe ist wegen einer Auslieferungsvereinbarung zwischen Mexiko und den USA aber ausgeschlossen.

Sinaloa-Chef brach zwei Mal aus dem Knast aus

Der Prozess um den ehemaligen Chef des mexikanischen Sinaloa-Kartells ist einer der größten und spektakulärsten Drogenprozesse überhaupt. In den USA war Guzmán 2013 zum "Staatsfeind Nummer Eins" erklärt worden und zählte laut Drogenbehörde DEA schon lange zu den Hauptlieferanten illegaler Drogen in die USA. Zwei Mal gelang es ihm, in Mexiko aus dem Gefängnis zu entkommen. Nach seiner dritten Festnahme wurde er im Januar 2017 schließlich an die USA ausgeliefert, wo ihm ab November 2018 der Prozess gemacht wurde.

Am Donnerstag soll die Jury ihre Beratungen fortsetzen. Am Freitag könnten sie eine Pause einlegen und würden ihre Gespräche dann am Montag wieder aufnehmen.