Diebstahl, Betrug, dubiose Todesfälle: ehemalige Pflegeheim-Mitarbeiterin packt aus

14. Januar 2017 - 11:38 Uhr

Acht ungeklärte Todesfälle

Vier Jahre lang arbeitet Marion Werner als Chefsekretärin in dem Seniorenheim in Bayern. Bis sie nicht mehr ertragen kann, was sie täglich sieht. Hinter der noblen Fassade spielt sich Unglaubliches ab. Inzwischen sitzen die Geschäftsführerin und der Pflegedienstleiter in Untersuchungshaft. Patienten seien bestohlen worden, hätten verbotener Weise Medikamente erhalten und seien viel zu spät ins Krankenhaus gekommen - aus Kostengründen, sagt Marion Werner.

"Die hat ja richtige Cocktails gemixt. Sie hat so kleine Becher gehabt, da ist alles Mögliche reingekommen. Ich glaube, sie wollte sich beweisen, dass sie hätte Ärztin werden können", sagt Marion Werner über Corinna Z. Bei den Medikamenten, die sie den Patienten eigenmächtig verabreicht haben soll, habe es sich um verschreibungspflichtige Medizin gehandelt. Die Geschäftsführerin des Pflegeheims wollte offenbar Geld sparen - auf Kosten der Bewohner. Denn sobald die Senioren im Krankenhaus liegen, bekommt das Pflegeheim weniger Geld: Unterkunft und Verpflegung werden für den Zeitraum des Aufenthalts abgezogen.

Eine ehemalige Pflegekraft, die anonym bleiben will, berichtet, wie rüde die Heimleitung mit den Patienten umgegangen sein soll. "Die Chefin hat entschieden, wer ins Krankenhaus geht und wer nicht und dann hat sie mir durch das Telefon Anweisungen gegeben. Und erst wenn es wirklich kurz vor knapp war, sind sie erst ins Krankenhaus gekommen", erinnert sich die Insiderin. Im Jahr 2013 stürzte einer der Bewohner die Treppe hinunter. Hier soll es Corinna Z. nicht für nötig gehalten haben, einen Arzt zu rufen. Der Mann starb kurze Zeit später. Sieben weitere dubiose Todesfälle soll es in dem Heim gegeben haben.

Inzwischen ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen Corinna Z. und den Pflegedienstleiter. "Die Vorwürfe reichen von gefährlicher Körperverletzung, einfacher Körperverletzung bis zum Totschlag", sagt Markus Reznik von der Staatsanwaltschaft Bamberg.

Marion Werner erzählt von einem weiteren möglichen Skandal, denn Corinna Z. soll die     pflegebedürftigen Menschen sogar bestohlen haben. "Eine Bewohnerin war verstorben, Ich habe dann gefragt, was ich dem Bezirk melden soll, weil sie 5.000 Euro auf dem Taschengeldkonto hatte". Die Heimleiterin soll sie dann gezwungen haben, das Geld mittels gefälschter Belege verschwinden zu lassen. "Unter Tränen habe ich es gemacht. Ich habe gezittert. Das war mein letzter Arbeitstag im Heim", sagt Werner.

Doch die Einrichtung ist nicht etwa geschlossen worden, Der Betrieb läuft weiter. Wie die Angestellten reagieren als unser Reporter sie mit den Vorwürfen konfrontiert, sehen Sie im Video.